Ihr Lieben, 

der Welt geht es besser, Trump has gone! 

Er hatte all das, was ich bei einem Mann für bizarr oder ungustiös oder protzerisch oder lächerlich oder kaltherzig oder unelegant oder hässlich oder größenwahnsinnig oder beängstigend oder für unauslotbar bescheuert halte.

Die dämlichste Frisur unter der Sonne.

Die uringelb gefärbten Haare.

Der absurd dick aufgetragene Selbstbräuner mit den käsig gebliebenen Augenlidern und Augenrändern.

Seine Tochter Ivanka, die – wie sollte es anders sein – als Wiedergeburt von Barbie von sich reden macht. 

Sein vulgärer Umgang mit der wunderschönen englischen Sprache.

Diese atemberaubende Heuchelei: Sein Auftritt mit der Bibel vor dem Weißen Haus, der natürlich grandios zur atemberaubenden Heuchelei der zuständigen Freikirchen passte, die Trump für sich reklamierten. 

Seine Verachtung für die „kleinen Leute“, die leider kleinhirnig genug waren, diese Verachtung nicht zu durchschauen – und ihn wählten.

Seine im Machtrausch abgefeuerten Reden, die im Aufruf an den Mob gipfelten, vor dem Capitol aufzumarschieren. Wie wir gesehen haben, muss man dem Mob solche Einladungen nicht zweimal sagen.

Seine an Irrsinn grenzende Idee, um die – zuerst geleugnete – Coronapandemie zu bekämpfen: ein Desinfektionsmittel spritzen! 

Mit mehr als 22 000 Falschaussagen – seine geliebten Fake News – und irreführenden Behauptungen hat es der ehemalige Immobilienhai und nun ehemalige Präsident zum Herrn der Lügen geschafft. Schon Nixon galt als Lügenbold von Gottes Gnaden, aber Donald hat ihn um Lichtjahre überrundet. 

Die Missachtung von Frauen. Der nachweisbare Höhepunkt seines Prolo-Status war der aufgezeichnete Mitschnitt von Original Donald: „You can do anything (with women). Whatever you want, grab them by the pussy!“ – Du kannst alles mit ihnen tun. Was immer du willst, pack sie an der Pussy!

Seine beiden älteren Söhne, Donald Jr. und Eric, darf man – gemessen an ihren Aussagen nach der Niederlage ihres Vaters – zu den handverlesen zwei Dümmsten der 328 Millionen Einwohner Amerikas zählen.

Die unfassbare Geschmacklosigkeit in Sachen Stil, hier der Link, der Aufschluss gibt, wie Trump sein Penthouse im Trump Tower in New York möblierte. Wer länger hinsieht, läuft Gefahr zu erblinden.

https://immobilier.lefigaro.fr/article/visitez-le-luxueux-penthouse-de-donald-trump-a-manhattan_11ce34e8-df91-11e5-a4da-fc5ca188cd22/

Seine Wut auf alles, was nicht weiß und nicht amerikanisch ist. Wobei nicht-amerikanische Weiße noch glimpflich davonkommen. Der Rest der Menschheit jedoch – Schwarze, Hispanics und Araber etc. etc. – hatten in seiner Welt nichts zu lachen.

Seine Plauze, die er geschickt unter vorteilhaft geschneiderten Anzügen und Mänteln versteckt. 

Die Schamlosigkeit, mit der sich nicht entblödete, in einem TV-Auftritt mit der Größe seines Penis zu prahlen.

Seine, in den Himmel schreiende, Unbildung, sein komplettes Desinteresse für Kultur, für Literatur, für Malerei, für Theater, sein unbedingter Wille, kein Buch zu lesen. 

Zuletzt, am letzten Tag, eine letzte Untat: ein knappes Hundert zu Gefängnisstrafen verurteilter oder angeklagter Krimineller zu begnadigen. Darunter auch Stephen Bannon, seinen ehemaligen Berater, den fetten Nazi und Geldwäschegangster, der bei den letzten Präsidentschaftswahlen in Frankreich (!) Seite an Seite mit Migrantenhasserin Marine Le Pen Werbung machte für ihre rechtsaußen Partei „Rassemblement National“. Nicht, dass Trump Julian Assange begnadigt hätte, dem Jahrzehnte Zuchthaus drohen, sollte ihn England an die Staaten ausliefern. Wobei man sich natürlich fragt, warum ein Mensch, der die Kriegsverbrechen der amerikanischen Armee veröffentlichte, begnadigt werden soll.

Genug! Gewiss, es gäbe noch tausend Zeilen zu schreiben über einen, den wir nicht vergessen sollten. Um zu begreifen, wie Macht missbraucht werden kann von einem, der ihr weder geistig noch moralisch gewachsen war.

Uff, wir haben ihn hinter uns. Er war Preis, den wir für Barack Obama bezahlen mussten. Obama leuchtete, Trump verfinsterte unsere Gemüter. 

Er soll zur Hölle fahren, dort darf er – gewiss mit einem miserablen Handicap – 24 Stunden pro Tag Golf spielen. Und wieder Baulöwe sein. Und abends, as usual, auf drei laufende Fernseher gleichzeitig glotzen.

Hurra, ich danke euch, herzlich, Andreas. 

ps: Nicht die Ku-Klux-Klan-Haube auf dem Cartoon übersehen, sie steht dem white-supremacy-Närrischen bestens. 

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Ihr Lieben,

hier eine kleine Geschichte, die ich für den Playboy (!) geschrieben habe. Dabei hat sie nichts mit Bunnys und Centerfolds zu tun. Dennoch mit einer Frau. Ich vermute, dass sie, die Thailänderin, noch nie von dem Männermagazin gehört hat. Ihre Welt ist eben eine andere. Der Textchef fragte mich nach DER „Reise meines Lebens“. Ach, die Redakteure, sie wollen immer Superlative. Nun, sie haben sie dennoch gedruckt, obwohl in keiner Zeile eine einzige Ekstase vorkommt, haha.

 Ich danke euch, herzlich, Andreas.

DIE Reise meines Lebens habe ich nicht, denn es gab so manche, die mich wundersam ergriffen haben. Im Kopf, tief im Bauch. Die einen waren fetzig und mitreißend. Mit Schreien der Angst oder der Freude. Und andere, die kamen leise daher, ohne den Hauch von Ruch und Gefahr. Und erfüllten dennoch mein Herz. Wie diese hier, ach, nur ein Augenblick davon sei erzählt. Er ist vollkommen unspektakulär und gleichzeitig sensationell.

     Im Norden Thailands liegt das Kloster Tham Mangkorn Thong, hier trat Mae Chii auf, die „schwebende Nonne“. Sobald sich ein paar Leute eingefunden hatten, stieg die Sechzigjährige – ganz in Weiß gekleidet und mit kahlem Schädel – in ein kleines rundes Becken, faltete zur Begrüßung die Hände und – schwebte. Das war ihr Beitrag für den Frieden auf Erden. „Toter Mann“ nannte man in meiner Jugend diese Technik, um fast bewegungslos über Wasser zu bleiben. Mae beherrschte sie auf wunderlich mühelose Weise, nicht einmal die schmalen Füße regten sich. Wie eine Statue schaukelte sie im Wasser. Ihr Gesicht war vollkommen gelöst, ihr Mund formte ein fast unmerkliches Lächeln: Sie meditierte.

      Mae nahm bald verschiedene Positionen ein, eine nach der anderen. Arme hinter dem Kopf, Seitenstil, Rückenlage, „sitzend“ (!) mit den Händen im Schoß. Das weiße Nönnlein im blauen Pool bewegte sich mit überirdischer Eleganz, sie schien frei von aller Pose und Eitelkeit zu sein. Und kein Funken Mühe war zu sehen, sie glitt, sonst nichts.

    Nach zehn Minuten kletterte sie heraus und spazierte tropfnass durch den Klostergarten. Die Thais neigten gerührt ihr Haupt und hinterlegten eine Spende. Keiner sprach sie an, jeder wusste, dass Mae ein Schweigegelübde abgelegt hat. Bis zur letzten Stunde.

      War ihr Überwurf wieder trocken, kehrte sie aus ihrer Zelle zurück und schwebte von Neuem. Von früh bis spät. Der Frieden hienieden ist ein Ganztagsjob.

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Ihr Lieben,

hier ein paar Links zu den Gesprächen mit Erik Lorenz. Absolut nur interessant für Leute, die sich für die Welt interessieren. Wie ich gelesen habe, soll es davon immer weniger geben. Geht mal auf die Straße und fragt Frauen und Männer, wo Ghana liegt. Was ich gemacht habe. Einer meinte, ob das eine neue Pizzasorte sei. Haha, immerhin witzig. Die Fragen stellte Erik Lorenz, der auch „WELTWACH“ initiiert hat. Er darf das, denn der junge Kerl gehört zu den Weltwachsten unter uns. Zudem ist er ein IT-Freak, uff, erschütternd, wie begabt manche sind. Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Verdammtes Land, Teil 1:
https://weltwach.de/ww149-andreas-altmann/

Verdammtes Land, Teil 2:
https://weltwach.de/ww150-andreas-altmann/

Land der Freien, Teil 1:
https://weltwach.de/ww137-andreas-altmann/

Land der Freien, Teil 2:
https://weltwach.de/ww138-andreas-altmann/

Leben in allen Himmelsrichtungen, Teil 1:
https://weltwach.de/ww100-andreas-altmann/

Leben in allen Himmelsrichtungen, Teil 2:
https://weltwach.de/ww107-andreas-altmann/

In Mexiko:
https://weltwach.de/ww073-andreas-altmann-mexiko/

allererste Weltwach-Folge, diverses:
https://weltwach.de/podcast-andreas-altmann/


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Ihr Lieben,

so manche fragen nach von wegen „schönste Mail“ und „ruchloseste Mail“. Keine Sorge, sie kommen wieder. Unter den Ruchlosesten fand sich sogar eine Bombe, unheimlich, zu was sich Leute hinreißen lassen.

 Jetzt wieder ein Podcast auf SWR 3, Hand in Hand, haha, mit Kristian Thees, dem wonderboy vom SWR 3, geht es in ein so besonderes Museum in Ramallah, der vorläufigen Hauptstadt Palästinas. Dort erfahren wir etwas über die Wuntertaten der Sprache und den Hundsgemeinheiten, mit deren Hilfe den Palästinensern ihr Land gestohlen wird.

Dennoch, wir bleiben heiter, kichern ins neue Jahr und hören nicht auf, jeden Tag ein paar Millimeter weniger ignorant zu werden! Ich danke euch, herzlich, Andreas.

 „Ein ganzes Museum für einen Dichter“

 https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

heute wieder ein neuer Podcast.  SWR 3- Redakteur Kristian Thees, der Furchtlose, zieht mit mir diesmal durch den Sündenpfuhl Deutschlands, das herrliche St. Pauli. Es gibt tatsächlich Orte in unserem Land, wo mehrheitlich entspannte Frauen und Männer auftreten. Das fällt sofort auf, denn ansonsten sind eher die Uncoolen und Wichtigtuer unterwegs.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

 „Das Dinosaurier-Kondom und St. Pauli in Hochform“

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

ps: Um etwaige Freiwillige zu warmen, die das dort angebotene Dinosaurier-Kondom ausprobieren wollen, um das Preisgeld zu kassieren: Der hier vorgestellte Dingdong wird es nicht machen!

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Andreas Altmann – Facebook, auch lesbar von Leuten, die keinen FB-account haben. 
Warnung: Auf meiner FB-Seite befinden sich grundsätzlich nur Nachrichten, die meine beruflichen Tätigkeiten betreffen. Oder kurze Texte und Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen. Private Hinweise – siehe neu verliebt, neu vergeigt, frisch verwitwet oder Hinweise wie „endlich Abszess an der linken Arschbacke entfernen lassen“, sorry, sie kommen nicht vor.
In loser Folge stehen unter „Aktuell“ auch die „schönste und ruchloseste Mail der Woche“.

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Ihr Lieben,

ein freundlicher Mensch hat mir dieses Bild geschickt, es ist grandios, da witzig, da klug, da weise. Bedenkt man all den Irrsinn, der uns zu Ohren kommt zum Thema Covid 19: Die Götzenanbeter, die alle Sonntage hinauf in den Himmel winseln, auf dass ihr Himmelsfürst endlich eingreife und die Pandemie abschaffe. Die „Querdenker“, die kreuz und quer denken – statt zu denken – und von einer Pandemie nichts wissen wollen und wenn doch, dann – schwer querdenkerisch – ihren grotesken Verschwörungsidiotismen anheimfallen. Die Eiskalten, deren kaltes Herz von Solidarität nichts wissen will und sich weigern, die einfachsten Schutzmaßnahmen gegenüber anderen zu befolgen. Klar, unsere Würstchenhelden, die sich gern in ihrem Heldenwahn suhlen.

Deshalb das Bild mit dem Soldaten und dem Esel. Es verbreitet eine so einsichtige Moral: weg mit den Eseln, deren Intelligenzquotient irgendwo zwischen minus 200 und 300 hin und herschlingert. Denn Köpfchen und Rücksicht sind in schwierigen Zeiten unerlässlich. Ich danke euch, herzlich, Andreas.

ps: Wir sind heute gnädig und übersehen die Rechtschreibfehler unterhalb des Fotos.

ps1: Ich sehe, manche brauchen ein bisschen Nachhilfe. Es ist doch vollkommen egal, in welchem Krieg, an welchem Ort das Bild entstand. Vielleicht hieß der Soldat Johnny oder Franz-Joseph-Xaver oder Detlef, und vielleicht hörte der Esel auf den Namen Rupsi oder Pupsi und vielleicht ist die ganze Szene inszeniert. All das mindert nicht die Metapher, die „innere Wahrheit“, die uns das Bild zeigen will: Jackasses, sprich Esel, sprich Idioten, sprich geistig Hinterbliebene müssen – ich will es mal milde ausdrücken – zur Seite geschubst werden, um den Weg frei zu machen für Vernunft, für Hirn, für Wissen, für wissenschaftliche Erkenntnisse. Hat es jetzt gefunkt? Hurra!

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Ihr Lieben,  

in Frankreich (und aus Deutschland höre ich Ähnliches) reden sie jetzt von der „troisième vague“, der dritten Welle, die nun – nach der zweiten Coronawelle – kommen wird: Denn 20 Prozent der Bevölkerung drohen den anderen 80 Prozent mit schrecklichen Depressionen von wegen Lockdown. Haha, ja, ein bisschen allein sein müssen, ohne Mutti, ohne jemanden, der die Windeln wechselt, ja, ohne funktionierendem Babyphone, ja, mit der furchtbaren Aussicht, sich selbstverantwortlich bewähren zu müssen. Ist das nicht grauenhaft? Das alles aushalten zu müssen, ohne dass eine Riege Therapeuten sich 24/7 um jedes der Weicheier kümmert, tief besorgt, dass die so höllischen Depressionen endlos dauerhafte Schäden nach sich ziehen könnten?

Kristian Thees, ein echtes Hartei, und ich nehmen euch heute mit in ein Obdachlosenheim in der Nähe von Potsdam. Da werdet ihr Walter treffen, den ganz andere Herausforderungen plagen als die der veni-vidi-pipi-Generation. Ich danke euch, herzlich, Andreas.

ps: Natürlich lästere ich nicht über Leute, die tatsächlich an Depressionen leiden, ich hatte selbst welche, ich weiß, wovon ich rede. Aber ich stänkere gegen alle, die sofort vor jeder Herausforderung einknicken. Die sich grundsätzlich weigern, erwachsen zu werden. Die sich umgehend  mit grandios inszenierter Leidensmiene die Opferkutte überziehen, ja, deren erster Reflex es ist, in den faden Singsang des Greinens und Wimmerns zu verfallen. Und penetrant und nervig nach (billigem) Mitleid Ausschau halten. Wollen die alle auf dem Totenbrett in Tränen ausbrechen bei dem Gedanken, wie hosenvoll sie ihr Leben hinter sich brachten? 

Der Zyklon im Obdachlosenheim

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

hier ein neuer Podcast mit Kristian Thees vom SWR 3. Der Mann hat sich vorgenommen, mich durch Arbeit in den Wahnsinn zu treiben.

Ich mag ihn trotzdem, denn er hat die herrlichsten Eigenschaften: Köpfchen, Humor, Neugier, Leichtigkeit.

Jedesmal, wenn wir zusammenarbeiten, kupfere ich bei ihm ab. Um eines Tages so cool wie er – the coolest cat in town – ums Eck zu biegen.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

PS: Wir befinden uns in Indien, nah der Grenze zu Nepal.

„Der Unberührbare und der Kühlschrank“

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

hier das Cover vom neuen Buch, kommt genau Mitte März 21 raus. Es wird auch Lesungen geben, gewiss – Corona bedingt – eingeschränkt.

Jemand muss von der Veröffentlichung schon erfahren haben, hier seine Mail an mich: „Wie ich Sie kenne, Herr Altmann, erwartet die Welt ein neues Machwerk. Wäre ich Chef bei Piper, Sie wären der Erste, den ich feuern würde.“ 

Ihr seid also gewarnt von einem, der mich kennt!

Pech für den Herrn, die herrlich schöne Chefin, Felicitas von Lovenberg, zögert noch mit dem Kündigungsschreiben. Haha.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

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Ihr Lieben,

Kristian Thees vom SWR 3 ist mit mir ins Zenkloster in Japan gezogen. Zen ist beinhart und zwischendurch unfassbar lustig. Zen ist unschlagbar, weil man keine Götzen anwinsel, sich in kein Eck werfen und in den Himmel jammern muss, sondern es nur eine/n gibt, der dich retten kann: DU!

 „Schallendes Gelächter im Zenkloster“

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben, seit bekannt wurde, dass im Frühjahr 21 ein neues Buch von mir mit dem Titel „Gebrauchsanweisung für Heimat“ herauskommt, höre ich so manche Bizarrerie über seinen Inhalt. Den keiner kennt, aber so manche fühlen sich berufen, es zu wissen. Nun, lasst mich kurz klarstellen. Ich wäre nicht der Altmann, wenn ich jetzt ein „Heil Deutschland“-Buch herausbrächte. Mit einem Unterkapitel, in dem ich – inzwischen altersblöd – ein Liebeslied über das Kotzloch anstimme, in dem ich das Licht der Welt erblickt habe. Mitnichten. Heimat ist für mich ein grandioses Wort, das so gar nichts mit dem so einschlägigen Heimatdusel wadeldicker Lederhosenträger zu tun hat. Heimat ist auch, eine Auswahl: Hanoi und Galway und New Delhi und Brazzaville und New York und die Sahara und Paris etc. Und Heimat ist auch, eine Auswahl: die Nähe zu Freunden, zur Liebe, zu Zen, zu Frauen, zur Musik und zur Sprache und zum Schreiben und. Tieren und Eros etc.  Ich danke euch, herzlich, Andreas.

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Ihr Lieben,
heute, 27.4.2020, wieder die schönste und ruchloseste Mail.

Zuerst ein Wort der Erklärung, weil mir besorgte LeserInnen immer wieder rührige Mitleidsmails schicken, tief besorgt fragen, wie ich das Gebelle der Ruchlosen aushalte.

Nun denn, hier eine kleine Gebrauchsanweisung für all jene, die berühmt werden wollen und es eines Tages ein bisschen sind.

Ich durchlief drei Stufen im Umgang mit den rabiaten Giftzwergen, die sich gern außer Rand und Band zu meinen Büchern äußern.

Von Kollegen weiß ich – ich bin nicht der einzige, der bisweilen niedergebrüllt wird –, dass es sich entweder um hochmoralisch Bigotte handelt, in den meisten Fällen jedoch um notorische Neidhammel, die tiefst in ihrem Busen überzeugt sind, dass sie haushoch eleganter und intelligenter schreiben können als AA, das „schwimmbeckengroße Arschloch“.

Ja, man muss lernen, darauf zu reagieren. Wer das nicht tut, wird leiden. Der Reihe nach.

Erste Stufe, erste Phase:
Ich bellte zurück, zornbebend über die maßlose Frechheit solcher Beleidigungen. Uff, was für ein Tor ich war, Himmel, das ist genau die Reaktion, die der Kläffer (die Kläfferin) beabsichtigt: mich aufs Schlachtfeld locken, um dort weiter auf mich eindreschen zu können. Mein Fehler, ganz uncool, ganz unsouverän.

Zweite Stufe, zweite Phase:
Ich schrieb noch immer zurück, aber jetzt ohne Schaum vor dem Mund, eher ironisch, Witzli machend. Schon cooler, aber noch immer nicht cool.

Dritte Stufe, dritte Phase:
Nicht antworten, nie. Das hat nur Vorteile: Der andere kann sich nicht sicher sein, ob seine / ihre Mail je angekommen ist. Und wenn sie angekommen ist, dann besitzt man – endlich – genug Nerven, sich nicht provozieren zu lassen. Heute, nach so vielen Nachrichten von unhappy Stinktieren, amüsiere ich mich ja, suche mir die allergiftigsten Zeilen heraus und veröffentliche sie.

Remember: Don’t react, don’t comment, just shut up. Was ungemein zum Seelen- und Weltfrieden beiträgt. Hurra, jetzt die beiden Mails vom 12.1.2020, ich danke euch, herzlich, Andreas.

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Schönste Mail der Woche / 29.4.2020
Cher monsieur, seit Jahren lese ich Ihre Bücher und bin auf jedes neue gespannt. Jedes Buch ist ein Genuss, nein, stimmt nicht, jedes Ihrer Bücher ist anstrengend und überraschend und rüttelt so manches Mal an den Grundfesten unserer vermeintlichen Toleranz. Für mich das Forderndste: „Frauen.Geschichten.“ Und darin der Satz der Cherokee. Weil er so grausam weit entfernt von dem war, was mir widerfuhr (ich sage es gleich – das ist vorbei). Kurzfassung: Seit 2006 lebe ich in Frankreich. Da hoffnungslos und unrettbar verliebt in dieses Land.  Und nie nie nie, auch nicht unter den Schlägen eines Mannes, nicht in Zeiten einer (kurzen) Obdachlosigkeit, nicht in Zeiten der Einsamkeit (da ich von meiner Freiheit trotz intensiver Liebesschwüre nicht – nicht mehr! – lasse) kam der Gedanke, dieses Land zu verlassen. Dafür kommt JEDEN Tag beim Aufwachen die Dankbarkeit über mich, hier leben zu dürfen. Und dann gehe ich mir einen Kaffee aufbrühen, trinke ihn am Fenster und weiß wieder, dass es niemand und nichts mit diesem Glück des Davongekommenseins aufnehmen kann. Und deshalb – schreiben Sie weiter.  Herzlichst, XY.

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Ruchloseste Mail der Woche / 29.4.2020
Vorbemerkung: Das ist durchaus witzig zu lesen! Nachdem ich als vampiristischer Narzisst, armes Würstchen, Soziopath mit einer abgründigen Persönlichkeit abserviert wurde, stellt sich die Dame selbst vor. Lest, amüsiert euch, man darf ruhig kichern. Nun zur Abrechnung.

„Was ich von Ihren „Frauen. Geschichten.“ halte: die traurige Nabelschau eines vampiristischen Narzissten, der sich als klassischer Soziopath auf alle und alles, aber nie auf das gefährlichste Abenteuer des Lebens eingelassen hat – hingebungsvolle Liebe. Weil Sie es schlichtweg nicht können, nie konnte, nie können wird. Ein ruheloser Beobachter, der alles auf-, aus- und leersaugt. Wen auch immer, wo auch immer. Und Weitergehen. Das ist Ihr Ding. So viel mitnehmen wie nur geht. Ein armes Würstchen. Seit Kindheit an. Und geblieben. Dumm gelaufen. Nur Ihre Geschichten und Schreibkunst machen Sie attraktiv. Nicht Sie. Na klar, der Super-Sex-Macho.  Ihre anderen Bücher sind besser. Nicht ganz so demaskierend für Ihre abgründige Persönlichkeit.

Wer ich bin? Selbst lang genug kindheitsgeschunden, mit einem Narzissten zusammen und beim Psychologen in Therapie. Aber glücklichst davongekommenen, dazu schön und schlau, hoch erfolgreich und geliebt.