Ihr Lieben,

heute wieder ein neuer Podcast, wieder von Kristian Thees, dem Zauberer des SWR3, ins Netz gestellt. Es gibt etwas zum Lachen, denn es geht um den brasilianischen Eso-Esel Paul Coelho und seine Auslassungen über Sex. Man fragt sich dann natürlich: Schreibt einer so windig über Sex, weil er im tatsächlichen Leben, mitten im Bett, auch nur windigen Sex produziert? Oder fuhrwerkt er zwischen den Laken noch blindwütiger als am Schreibtisch? Wir werden es nicht erfahren.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Podcast:  „Erotische Eseleien (wie Paulo Coelho über Sex schreibt)“

ps: Das Preisausschreiben RÄTSELRATEN kommt, sobald wir hier in Paris eine Ahnung haben, wann zumindest die Terrassen der Cafés und Restaurants geöffnet sind. Dann ziehe ich die Fragen an euch – an alle, die teilnehmen wollen – zügig durch. Zu gewinnen, wie gesagt: 200 Euro Spesen für Reise nach Paris und Unterkunft, ein Dinner mit AA und ein Buch von mir nach eigener Wahl, hurra.

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

wie erstaunlich, dass mich manche Leute in die Promi-Kiste stecken, ich will mich nicht wehren, obwohl es nicht zutrifft.

Egal, morgen Sonntag, den 18.4., darf ich wieder plappern. Diesmal stellt die pfiffige Nicola Müntefering vom SWR 3 – meist gehörter Sender in Deutschland – die Fragen zu meinem neuen Buch „Gebrauchsanweisung für Heimat“.

Text des Senders:

SWR3-Sonntagsshow: Promi-Talk mit Nicola Müntefering

Während du sonntagmorgens deinen Kaffee trinkst, am Bügelbrett stehst oder die Stellung in der Arbeit hältst, spricht Nicola für dich mit angesagten Promis, klugen Ratgebern und interessanten Menschen. Dabei entstehen ganz besondere Momente und Geschichten – von lustig bis nachdenklich.

Wer ist bei Nicola in dieser Sonntagsshow zu Gast?

Am 18. April spricht Nicola mit Schauspieler Max Simonischek und Autor Andreas Altmann.

Ab 12 Uhr am 18.4. findet ihr hier das Interview:

https://www.swr3.de/podcasts/sonntagsshow-nicola-muentefering-100.html

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

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Ihr Lieben,

hier zwei Hinweise:Ab morgen, Samstag, den 10.4., steht dieser Podcast – https://www.falter.at/falter/radio/095e63a1-f1b4-46e7-b4ab-a90c5c508d88/die-faszination-des-reisens-502  – der Wiener Stadtzeitung FALTER online. Anna Goldenberg, Redakteurin, spricht mit Matthias Dusini (Feuilletonchef und Autor) und mir über das Reisen und unsere neuen Bücher.

Am Sonntag, 11.4., sprechen auf radioeins / rbb, ab 18 Uhr die „Literaturagenten“ Gesa Ufer und Thomas Böhm mit mir über „Gebrauchsanweisung für Heimat“. Die beiden sind die pfiffigsten Agenten, die ich kenne, sie agieren im Namen der Liebe zur Sprache und Literatur.

ps: Immerhin, schon Bestseller in „Journalismus“, obwohl ich nie Journalist war und sein werde, haha.

https://www.radioeins.de/programm/sendungen/literaturagenten/

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Ihr Lieben,

noch eine Klarstellung: Mein letzter Eintrag war keine Stimmungsmache gegen die Grünen. Ich selbst wähle sie. Wie jede Partei sind die Grünen kein glaubensfester Monolith, sondern ein Verein mit verschiedenen Strömungen. Bei den einen fließen die Hirnströme einwandfrei, und bei den anderen – keine Ahnung, bei wie vielen – sind sie seit gewisser Zeit ins Stocken geraten. Bekannte haben mich kontaktiert, aktive Parteimit

glieder, die gleichfalls mit den Zähnen wackelten, als sie hörten, was in Berlin passiert ist. Triebe der Terror der politischen Korrektheit nur bei den Grünen sein Unwesen, wir könnten uns entspannt zurücklehnen. Leider nicht, er ist längst ein weltweites Phänomen geworden.

Ah, da fällt mir ein, dass die PK-Ajatollahs in Amerika die Doofen nicht mehr Doofe nennen, sondern „Andersintelligente“. Und die Mordsdicken heißen dort „Andersdünne“. Haha, das ist durchaus lustig.

Ich will euch noch ein Gedicht von Bert Brecht schenken. Ich lese es immer wieder, weil ich ebenfalls zu denen gehöre, die leicht die Nerven verlieren – und das freundlich sein vergessen. Zudem fördern unentspannte Gesichtszüge das Altern, merde.

Eine Strophe aus „An die Nachgeborenen“:
Dabei wissen wir doch
Auch der Hass gegen die Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

 

Jetzt noch ein Interview, das vor ein paar Tagen im „Standard“, einer österreichischen Zeitung, veröffentlicht wurde. Siehe mein neues Buch „Gebrauchsanweisung für Heimat“. Die Fragen stellte Michael Wurmitzer

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

ps: Der Cartoon soll uns daran erinnern, dass heute noch Ostern ist, und leider viel zu wenig an holy Andrew gedacht wird, haha.

STANDARD: Sie sind Reiseschriftsteller, seit einem Jahr kann man kaum verreisen. Was fehlt Ihnen besonders?
AA: Der Thrill, das glanzvollste Gefühl, das über einen kommen kann: am Leben zu sein. „Man needs variety“, sagte Erich Fromm in einem Interview. Der Mensch braucht Abwechslung. Etwas, was ihn anstachelt, im Hirn, im Bauch. Um immerhin eine Ahnung vom Reichtum der Welt zu bekommen. Er soll nicht dösen, er soll wach sein, soll wissen wollen und teilnehmen.

STANDARD: Was haben Sie getan, um nicht, wie Sie im Buch schreiben, ohne Abwechslung zu „vergrinden“?

AA: Vor langer Zeit habe ich acht Monate in einem Zenkloster gelebt, da lernt man unter anderem, Herausforderungen anzunehmen und nicht alle drei Tage nach Mutti zu rufen. Das beste Mittel in ruhigen Zeiten: mit Disziplin den Alltag strukturieren, den Körper schinden (Yoga und Muskelaufbau), lernen, lernen wollen, mit klugen Leuten kommunizieren, mit der Liebsten albern, sich auf Biegen und Brechen nicht gehen lassen. Zudem, als Schreiber, war ich selig privilegiert, denn 24 Stunden am Tag durfte ich über Sprache nachdenken. Sie ist eine launische Geliebte, bekommt nicht genug, ist nie zufrieden. Nie.

STANDARD: Es geht in „Gebrauchsanweisung für Heimat“ nicht ums Daheimbleiben, sondern um Heimaten, die man sich in der Welt findet. Wie?

AA: Wer von mir eine Fibel voll germanischen Heimatdusels erwartet, dem ist nicht zu helfen. Da ich jeden Tag übe, endlich als Weltmann aufzutreten, muss ich natürlich von der Welt und den Weltbewohnern erzählen, die – bisweilen – zur Heimat werden: Weil sie Swing haben, Witz, Selbstironie, Empathie. Dann docke ich an und verteile den Sticker „Heimat“. Was interessiert den Menschen mehr als der Mensch? Er ist nun mal das Aufregendste, was wir haben.

STANDARD: Sie sind aus einer schwierigen Jugend im Wallfahrtsort Altötting in die weite Welt entkommen, ja, geflüchtet. „Heimat“ wird als Begriff obendrein von den Rechten missbraucht. Man könnte meinen, Sie täten sich mit dem Begriff schwer.

AA: Aber ja, man kann mit jedem Wort auf Erden Schindluder treiben. Vielleicht ist das Wort „Liebe“ das verhurteste von allen. Dennoch taugt es noch immer, um einen Zustand bedingungsloser Nähe zu beschreiben. Dito Heimat, man kann es hernehmen und damit die Welt anzünden oder man trägt es als warmes Gefühl mit sich herum. Ohne das geringste Bedürfnis, bei den braunen Glatzen mitzugrölen.

STANDARD: Im Buch kiefeln (AA: das ist Wienerisch, bedeutet „Schwierigkeiten haben mit“) Sie an der westlichen Gesellschaft. Haben Sie auf Reisen woanders eine bessere gefunden?

AA: Nun, ich bin zu alt, um an irgendwelche Paradiese zu glauben. Wir Menschlein sind in allen Himmelsrichtungen in etwa dieselben: mit unserem Großmut und unserer Trägheit des Herzens. Ich bin auch zuweilen träge, was ich mir nicht verzeihe. Wie sagte es Brecht? „Das Schicksal des Menschen ist der Mensch.“

STANDARD: Sie schreiben, dass „ein Gastgeber einen friedlichen Gast erwarten darf.“ Ist die ganze Flüchtlingsfrage so einfach zu klären.

AA: Gewiss nicht. Aber von zwei Behauptungen lasse ich nicht ab: Deutschland stinkt vor Geld und ist somit verpflichtet, Frauen, Männer und Kinder aufzunehmen, die vor Tod und Teufel fliehen! Und: Wer aufgenommen wird, muss sich an die republikanischen Spielregeln halten, Heiliger Krieg, Scharia, Gottesstaat und ähnlicher Schwachsinn haben in Europa nichts verloren!

STANDARD: Sie erinnern sich an New York früher, als es noch gefährlich war. War Reisen einmal spannender?

AA: Manche Landstriche sind heute unbetretbar. Außer für Leute, die gern bei religiös-fanatischen Menschenhassern landen, als Beute für Lösegeld oder gleich als enthauptete Leiche. Andere sind unbetretbar geworden, weil protziger Luxus die Laune verdirbt, der Terror des Wohlfühlens umgeht und jede Herausforderung verbietet. Aber, wie erfreulich: Noch gibt es Gegenden für all die, die es wissen wollen, die den Stress und den Schweiß brauchen, um sich zu spüren.

STANDARD: Was war das Schönste, das Sie auf Reisen erlebt haben?

AA: Das weiß ich nicht, ich habe kein Ranking. Vieles hat mich zu Tränen gerührt, mir das Herz aufgeschnitten. Oder zu Veitstänzen der Freude verführt. „Das Schönste“, ehrlich, interessiert mich nicht. „Das Innigste“ soll gelten, das, was mich ein bisschen entwurzelt, was mich umhaut, was mich entschieden verunsichert. Das wäre eine Garantie dafür, dass ich wachse.

STANDARD: Reist man allein besser?

AA: Tausend Mal ja, allein reisen ist erfüllender. Weil man ganz anders gefordert wird, schneller, viel direkter auf Situationen reagieren kann. Zwei – von Gruppen gar nicht zu reden – sind zwei, und dann muss man Rücksicht nehmen, muss nachfragen, muss Kompromisse schließen, muss oft verzichten. Da ich nur einmal lebe, sollten Verbotsschilder mich nicht interessieren. Zudem besteht die Gefahr, wenn man gemeinsam reist, dass man über hundert Dinge spricht, nur nicht über die Gegenwart, in der man sich befindet. Gewiss, allein reisen muss man aushalten. Freilich, zwischendurch anderen Neugierigen zu begegnen ist grandios. So erfährt man Unbekanntes, weiß hinterher mehr, sieht klarer. Doch dann heißt es, freundlich Abschied zu nehmen und sich begeistert „Auf Wiedersehen“ zuzurufen.

STANDARD: Erstes Ziel nach Corona?

AA: Ich weiß es nicht siegesgewiss, will dahin und dorthin. So fällt mir nur ein Spruch aus dem Zen-Buddhismus ein: „Kommst du an eine Weggabelung, beschreite sie.“

STANDARD: Was muss immer im Reiserucksack sein?

AA: Die Erkenntnis, wie skandalös kurz das Leben ist. Hat einer das begriffen, dann weiß er, was wichtig ist und was nicht.


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Ihr Lieben,

ich muss das jetzt auspacken – Stichwort: Anmaßung und Kriecherei –, sonst platze ich. Und da mir keine sonstigen Mittel zur Verfügung stehen, renne ich wieder einmal in meine Munitionskammer, die deutsche Sprache. Um mich zu retten.

Eine aufmerksame, schwer irritierte Leserin hat mich über das Folgende informiert. Danke.

Die Fakten:

Auf dem letzten Berliner Landesparteitag der Grünen hat ihre Bürgermeisterkandidatin (ich verschweige gnädig den Namen) bei ihrer Rede erwähnt, dass sie als Kind gern Indianerhäuptling werden wollte. Ein „diskriminierender Begriff“, erbosten sich viele GrünInnen und zwangen die Kandidatin zur Entschuldigung. Das reichte aber noch nicht. Kurz darauf hat die Partei die Aussage sogar aus dem Parteitagsvideo geschnitten. Man wolle „diskriminierende Denkmuster“ hinterfragen, heißt es in einer Erklärung.

Kommentar (von mir):

Dass jemand lieber das Leben eines Indianerhäuptlings führen würde, als auf stinkfaden Parteitagen herumzuhocken, wie einleuchtend. Das nur am Rande, jetzt zur maßlosen Peinlichkeit: In welcher Welt wollen wir leben? In einer, in der Swing und Humor und Verstand und Ironie umgehen? Oder in einer Welt, in der von politischer Korrektheit korrumpierte Blödinnen und Blödiane – bis in die Haarspitzen mit saurem Moralismus hochgerüstete Spießerinnen und Spießer – uns mit ihrem autoritären Infantilismus gängeln, uns vorschreiben, wie wir zu reden, zu husten, zu vögeln und zu denken haben?

Aber noch erbärmlicher als diese politisch korrekt geifernden Furien (beiderlei Geschlechts) sind diese Kriecherinnen und Kriecher, die sofort den Rückzug antreten, sich sofort entschuldigen, sofort lecken und winseln, sofort Einsicht heucheln, sofort feig und erbärmlich sind, sofort das Rückgrat verstecken (sollten sie je eins gehabt haben), sofort speicheln und widerrufen.

Fuck, was ist dabei, wenn eine Frau sagt, sie wäre als Mädchen gern Indianerhäuptling geworden? Fuck, was wäre dabei, wenn ein Junge sagen würde, er möchte die Königin von Saba sein? So what? Statt zu buckeln könnte man diesen erbärmlichen Orwell-1984-Schießbudenfiguren zurufen: „Spinnt ihr, ihr Boofkes? Darf man heute nicht mehr sagen, wovon man einst geträumt hat? Wisst ihr was? Kiss my ass, wenn euch das nicht passt, aber ich stehe zu mir!! Und ich sag‘s nochmal: Ich wäre gern Indianerhäuptling geworden!

Für mich (AA) war ein Indianerhäuptling immer der Inbegriff von Mut, von Widerstand gegen die Raub- und Mordzüge der weißen Eindringlinge. Jetzt, dreihundert Jahre später, treten wieder Weißlinge auf, die – im Namen ihrer gewohnten Anmaßung – der Welt erklären, wie man die Tapferen zu nennen hat.

Müssen wir jetzt vorab beim Ministerium für PC-Sprech einen Antrag stellen und anfragen, was man sich wünschen darf? Und wie man diesen Wunsch zu formulieren hat?

Ein Wort von René Descartes, dem französischen Mathematiker und Philosophen soll aushelfen, um gewisse Idiotismen besser zu verstehen: „Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Jeder glaubt, genug davon zu haben.“

Hier noch ein Bild von Paul Klee, es ist über hundert Jahre alt, es ist hochaktuell, der Titel:

„Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich.“

Nennen wir das Bild ausnahmsweise: „Zwei Menschen, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich“, dann passt es für alle.

Auf dass sich jene schämen, die uns mit ihren bizarren Hanswurstiaden drangsalieren! Und auf dass sich die anderen schämen, die vor ihnen einknicken! Man weiß nicht, wer von beiden heftiger unser billiges Mitleid verdient: die Narren und Närrinnen oder jene, die den Narren und Närrinnen in den Arsch kriechen.


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Ihr Lieben,

Gerfried Pongratz vom „Humanistischen Pressedienst“, hat eine saubere Kritik vorgelegt. Ich veröffentliche hier nur jene Rezensionen, die mir sprachlich gefallen. Es gibt gewiss andere gute Kritiken, die aber müde geschrieben sind. Die bleiben unter Verschluss. Haha.  Der erste Kommentar wird natürlich ebenfalls hier auftauchen.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

ps: Die Fotos. die ich aussuche, sollen das Thema auch bisweilen ironisieren. Nicht vieles finde ich grässlicher als dumpfer Ernst. Beispiel: Ich habe vor ein paar Tagen erfahren, dass es Horden von Blödleuten gibt, die sich darüber empören, dass das Gedicht „The Hill We Climb“, das die SCHWARZE Dichterin Amanda Gorman zur Amtseinführung von Joe Biden gelesen hat, nun, dass dieses Gedicht von einer WEISSEN Frau in eine andere Sprache übersetzt wurde. Wie geschehen in den Niederlanden. Man fasst wieder einmal nicht, wie viele radikal Hirn-Entkernte sich bester Gesundheit erfreuen. Äh, da fällt mir ein: Dieser FB-Beitrag darf nur von weißen Männern gelesen werden, die im März 2020 einen Fahrradunfall hatten.

https://hpd.de/artikel/welt-einzige-heimat-wir-haben-19131

Gerfried Pongraz :

Andreas Altmann zählt zu den bekanntesten deutschen Reisebuchautoren, seine bildmächtige, überaus ausdrucksstarke Sprache, seine scharfe Beobachtungsgabe, seine radikal ehrlichen, dabei aber auch zärtlich poesievollen Schilderungen in nunmehr 22 Büchern haben ihm nicht nur zahlreiche Preise und Auszeichnungen, sondern auch eine Leserschaft, ja, Fangemeinde, beschert, die jeder seiner Buch-Neuerscheinungen mit gespannter Vorfreude entgegensieht.

Sein neuestes Werk kreist um den Begriff „Heimat“: „Heimat – was das magische Wort auch bedeuten mag – muss sein. Der Mensch braucht Lichtquellen, einen Kreis, dessen Teil er ist, Sprache, die ihn behütet, andere Sterbliche, deren Nähe ihn stärkt, eine Gesellschaft, deren Vereinbarungen er grundsätzlich bejaht, eine Wohnung, in die er sich vor dem Rest der Menschheit zurückziehen darf.“

Andreas Altmann, ein ewig neugieriger Weltbürger, ein ständig Suchender sowie Wissen- und Lernenwollender, erzählt Geschichten über „Das Glück des Augenblicks“ (in der Sahara, in Galway, München, New York, New Delhi, Wien, Hanoi, Brazzaville, Mexico City, Paris), die er mit Berichten und Reflexionen über Deutschland, Musik, Sprache, Freunde, Heimat, Liebe, Tiere, Zen, Körper und Menschen ergänzt. Er lässt besondere Situationen, alltägliche und kuriose, zuweilen auch dramatische, miterleben, mitempfinden, er vermittelt Impressionen, die den Leser/die Leserin in die Mitte des Geschehens führen. Seine Beschreibungen enthalten Anekdotisches, gehen darüber aber weit hinaus; sie veranschaulichen nicht nur Erlebtes und berichten von besonderen Begegnungen, sondern beleuchten mit scharfer Beobachtung auch das jeweils Dahinterliegende, das sich oftmals nicht direkt Erschließende.

„Mein Hauptwohnsitz ist die deutsche Sprache, nebenbei wohne ich in Paris. Benötige ich mehrere, ja, viele ‚Dinge‘, die man Heimat nennen könnte? Die Antwort ist so einfach: bestimmt!“

„Dass dieses Buch ein Heimatloser schreibt, ist eine gute Idee“, findet Altmann. Heimat ist bei ihm sehr viel mehr als ein geografischer Ort. In seinen Gedanken zu Deutschland wird dies deutlich: „Die Liebe zum eigenen Land ist immer gefährdet. Wie jede Liebe. Einige sind grundsätzlich bereit, sie zu schänden.“

Musik und Sprache schildert er als Heimaten: „Literatur schmiedet den Verstand, die kognitiven Fähigkeiten, die Intuition. Musik erledigt etwas anderes: den Rest, den ungeheuren. Wie ein Blitz fällt sie über uns her und braucht dazu kein einziges Wort.“ Musik ist für Altmann ein innerer Zustand, an dem er Leser und Leserinnen teilhaben lässt, Sprache ist für ihn „Das Leben einatmen und als Sprache ausatmen – es aufschreiben“. Für den Sprachkünstler Altmann ist Sprache „gefährliche Heimat, allerschönste Heimat“. „Zwischen den Polen von Größenwahn und Ladehemmung verläuft die Linie eines Schreiberlebens.“

Freunde sind Heimat, Liebe ist Heimat, Tiere können Heimat sein, auch Zen (Altmann verbrachte acht Monate in einem Zen-Kloster in Japan) und ganz sicher der eigene Körper – „Kennt jemand eine intimere, eine lebenslänglichere Heimat als seinen Körper?“

„Der Mensch braucht Menschen als Heimat“ – neben allem anderen sind es für ihn vor allem Menschen, die Heimat bedeuten: „Der unergründliche Mensch. Nach jeder Entdeckung eines seiner Geheimnisse geht eine Tür auf, die in die nächste Tiefe führt. Kein Ankommen scheint in Sicht zu sein.“

Heimat soll wärmen!“, lautet eine weitere Feststellung des Autors. Wie ein Seismograf filtert Andreas Altmann seine Erlebnisse, Eindrücke, Empfindungen, Gedanken; es bedeutet Freude, mit ihm auf die Suche nach dem zu gehen, was Heimat sein, was Heimat schenken kann. Humorvoll verpackt, unverwechselbar im Stil, wunderbar authentisch, dabei sich selbst nicht schonend, präsentiert er die Welt und ihre Bewohner in all ihren Stärken und Schwächen: „Als Kind habe ich oft in den Nachthimmel gestarrt, fasziniert von den blitzenden Sternen. Später gab ich ihnen die Namen von Menschen, die mir zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten Heimat waren. Oder noch immer sind. Heimat als Synonym für Swing und gedankenlose Freude.“


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Ihr Lieben,

morgen, Sonntag / 28. März gibt es ein Interview und eine Besprechung zu „Gebrauchsanweisung für Heimat“ auf rbb INFORRADO.

Name der Sendung „Quergelesen“, Zeit der Sendung 10.45 Uhr.

Kritik und Fragen von Berlins Literaturkönigin Ute Büsing.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Hier der Link zum Nachhören: www.inforadio.de

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Ihr Lieben,

bitte noch Geduld mit dem Rätselraten. Es wird stattfinden, nur nicht sofort, da noch technische Probleme – Stichwort Rundmail – gelöst werden müssen. Sobald das geregelt ist, geht es los.

Hier eine kluge Kritik zum neuen Buch. Geschrieben hat sie Daniel Kasselmann*, klar, ein Lob von einem Kollegen zählt doppelt. Sie verschafft einen guten Überblick über den Inhalt von „Gebrauchsanweisung für Heimat“

*Studierte Theater- und Filmwissenschaft in Bochum. Während und nach seinem Studium arbeitete er als Lagerarbeiter, Interviewer, Callcenteragent, Marketingassistent und Briefzusteller. Er lebt als freier Autor und Dramaturg in Bochum und schreibt für Ruhrbarone, hpd, literaturkritik.de, Revierpassagen und Theater über Tage).

Was Kasselmann zu meinem Text über „Frauen“ schreibt, ist allerdings eine Gemeinheit, haha, denn ich wüsste gar nicht, wie einer Frau den Hof zu machen (ich liebe diesen altmodischen Ausdruck), ohne nicht von ihrem Geist fasziniert zu sein.

Hier der letzte Absatz aus dem Kapitel, er ist supereindeutig!

„… Ich bin moralisch weniger stabil, ich kann niemanden erlösen. Andrerseits, das ist meine Trumpfkarte, behaupte ich eisern, dass eine Frau – wenn sie Heimat werden soll – zu Höherem geboren wurde, als mit Kochtöpfen zu scheppern und mir nebenbei den Rücken freizuhalten. Ich suche nach denen, die sprudeln. Oben im Kopf. In dem jeden Tag Nachrichten aus der Welt eintreffen, die sie großzügig mit mir teilt. Wie ich meine Fundsachen mit ihr. Wenn wir uns zwischendurch noch umarmen mit allem, was zu uns gehört, dem Geist, dem Body, der Herzenswärme, dann singe ich unbeirrt das Lied dieser Frau, wieder nicht fassend, was für ein Geschenk sie ist. Das ich nie verdiene. Und dem ich nie widerstehen will.“

Jetzt jedoch das alleinige  Wort an Daniel Kasselmann, hier seine Kritik:

Gebrauchsanweisung für Heimat

Nun legt der Piper-Verlag in seiner Reihe der „Gebrauchsanweisungen“, die sich fast immer mit weltweiten Reisezielen beschäftigen, den Band „Gebrauchsanweisung für Heimat“ vor. Autor des Bands ist niemand anderer als einer der bekanntesten deutschen Reiseautoren, der Kischpreisträger  Andreas Altmann. Dieser wuchs im bayrischen Wallfahrtsort Altötting auf und hat dieser Gemeinde in seiner Autobiografie „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“ (Piper 2011) ein nachhaltiges Denkmal der dörflichen-bigotten Scheißheimat gesetzt. Ein Jahr später erschien   „Gebrauchsanweisung für die Welt“, das schnell zum Handbuch für angehende Weltenbummler und Kosmopoliten avancierte.  Und jetzt eine „Gebrauchsanweisung für Heimat“? Muss sich die zugeneigte Leserschaft jetzt Sorgen machen?

Ein Blick auf das Buchcover gibt indes erste Entwarnung. Es ist ein grafisch eindrucksvoll gestaltetes Konglomerat (Umschlaggestaltung: Birgit Kohlhaas) von Begriffen und Orten, die man nur zu gut aus dem Vokabular Altmanns kennt; von City über Deutschland, Freunde, Frauen, Heimat, Körper, Liebe, Hanoi, Menschen, Musik, New York, Paris, Sahara, Schönheit, Sprache, Welt, Wien und Zen. Spätestens jetzt versteht der gemeine Frei.Wild Fan – sofern der deutschen Schriftsprache mächtig – sein mickriges Alpenuniversum nicht mehr. Da die Tendenz zum Zweitbuch bei dieser Gemeinde insgesamt eher schwach ausgebildet sein dürfte, können wir sie jedoch hier dumm am Gipfelkreuz sterben lassen und uns vollständig auf das vorgenannte philosophische Problem konzentrieren.

Heimat als Kulturbegriff

„Heimat“ ist unlösbar mit dem Begriff der Sesshaftigkeit verbunden, womit wiederum das dauerhafte oder langjährige Wohnen an einem Ort bezeichnet wird, den man Siedlung nennt. Der Grad der Sesshaftigkeit ist abhängig von der Verfügbarkeit der Nahrungsressourcen. Die Erfindung von Ackerbau und Viehzucht leisteten somit der Sesshaftigkeit Vorschub und verdrängten damit das Nomadentum. Aus der Sesshaftigkeit entstand überhaupt erst der Begriff von Heimat, der für den Nomaden keine Rolle spielt. Der Begriff Heimat ist ein Kulturbegriff in Abgrenzung zum Nomadischen.

Struktur

Andreas Altmann strukturiert seine „Gebrauchsanweisung für Heimat“ zweispurig; die einzelnen Themenkomplexe, innerhalb derer er sich dem Thema Heimat in seinen unterschiedlichsten Facetten annähert, wechseln sich ab mit Schlaglichtern, kurzen Erzählungen von persönlichen Erlebnissen an Orten und Metropolen der Welt, die am konkreten Beispiel beleuchten, welche besondere Bedeutung der jeweilige Flecken für das Dort-und-nirgendwo-anders-sein hat, welche Möglichkeit von Heimat dem innewohnt.

Heimat Deutschland

Thematisch beginnt er mit dem härtesten Brocken; Deutschland. Altmann vermisst die Ambivalenz eines möglichen Heimatgefühls zwischen dem Unbehagen der Geschichte, den Dichtern und Denkern, parlamentarischer Demokratie und weiteren Facetten.

„Der Mensch muss raus, muss weg, er soll von der Welt wissen und lernen: die intelligenteste Voraussetzung, um ein kosmopolitischer Patriot zu werden.“

Das ist nicht weniger, als die Synthese von modernem Nomaden und Patrioten, der Mensch, der seine Heimat verlässt, in der Welt umherreist, andere Länder, Kulturen, Sitten, Regierungsformen kennenlernt, inkubiert, um anschließend mit einem differenzierten und distanzierten Blick auf die persönliche Verbindung zur eigenen Heimat zu schauen. Altmann adaptiert damit das erkenntnistheoretische Höhlengleichnis Platons für die Erkenntnis des Einzelnen von Heimat: Der Mensch, der nie seine Heimat – bei Platon die Höhle – verlässt, hält die Schatten für Realität. Erst indem er die Höhlenheimat verlässt und hinausgeht in die Welt, erfährt er, was die Welt tatsächlich ist. Mit dieser Erfahrung kann er anschließend in die Heimat zurückkehren und davon berichten, wieviel mehr die Welt bedeutet, als nur das Schattendasein in der Höhle.

Musik als Heimat

Im zweiten Kapitel „Musik“ wird es abstrakt. Kann Musik Heimat sein? Für jeden Musiker, der in ihr lebt und ohne sie nicht überlebensfähig wäre, unbedingt. Doch auch für jeden sinnlich empfänglichen Menschen wäre ein Leben ohne Musik stumm und lautlos wie die Person in Edvard Munchs Bild „Der Schrei“.

Sprache als Heimat

Im Kapitel „Sprache“ läuft Altmann zu Höchstform auf, aus jedem Satz spricht die bedingungslose Hingebung des rettungslos verlorenen, sprachverliebten Autors, der die Fron am Schreibtisch auf sich nimmt, um aus den 5,3 Millionen Wörtern, welche die deutsche Sprache dem Schreibenden zur Verfügung stellt, exakt das jeweils richtige zu benutzen:

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen Wort ist derselbe wie zwischen dem Blitz und dem Glühwürmchen.“
Mark Twain

 

Neben dem Nomadischen des Reiseschriftstellers gibt es zwei weitere maßgebliche Prinzipien für den Autor:

„Mein Hauptwohnsitz ist die deutsche Sprache, nebenbei wohne ich in Paris.“

Einmal ist das die bewusste Entscheidung für eine Wahlheimat, die sich gerade vom Ort der Herkunft unterscheidet. Das Wort „Wahlheimat“ impliziert die Wahl und die Tatsache, dass der Wahlheimatbürger vorher den Ort seiner Herkunft verlassen und die Welt bereist hat, um verschiedene Orte von Heimat kennenzulernen und miteinander vergleichen zu können, siehe Platon. Außerdem ist die deutsche Sprache der Teil von Heimat, den der Autor Altmann immer und überall hin mitnimmt, wo auch immer er sich aufhält. Schreiben als angewandte Sprache ist dabei ein Überlebensprozess: „Das Leben einatmen und als Sprache ausatmen – es aufschreiben.“ Der Autor mit seinem Blatt Papier findet seine Heimat im Schreibprozess.

Das Kapitel „Freunde“ geht von der These aus: „Freunde sind Heimat“ und der Autor liefert einige persönliche Beispiele von Freunden, von Freundschaftsverläufen, von gescheiterten Freundschaften, von den Bedingungen wahrer Freundschaft und von ihrer notwendigen Bedingungslosigkeit.

Die engere Bedeutung von „Heimat“

„Dass dieses Buch ein Heimatloser schreibt, ist eine gute Idee. Sagen wir, er hat seine ‚natürliche‘ Heimat verloren, nein, er hat sie verlassen.“

Die Geschichte der eigenen Flucht aus dem Herkunftsort Altötting hat Altmann im „Scheißbuch“ detailliert beschrieben. In der „Gebrauchsanweisung“ macht er die Suche nach einer neuen Heimat am Beispiel des Angolaners Kenneth fest, indem er dessen Fluchtgeschichte erzählt. Es ist außerdem eine Meditation über die Frage, was es mit einem macht, wenn die Herkunft aus Gründen wie Armut, Hunger, Krieg und Perspektivlosigkeit nicht mehr Heimat sein kann und man gezwungen ist, sich einen neuen unbekannten Ort suchen muss, um in Würde zu leben. Derzeit befinden sich knapp 79,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, schreibt die Hilfsorganisation action medeor auf ihrer Seite. Der Autor Harald Welzer hat bereits 2009 in seinem Buch „Klimakriege“ auf den Zusammenhang zwischen Klimawandel, dem erbitterten Kampf um Nahrungsressourcen und die erwartbare Zunahme von daraus resultierenden Fluchtbewegungen in der Dimension ganzer Völkerwanderungen hingewiesen. Die Sesshaftigkeit mitsamt dem althergebrachten Heimatprinzip wird vom modernen Nomadentum zurückgedrängt. Heimat entwickelt sich zu etwas, was der Einzelne suchen und erwerben muss, um es zu besitzen.

FRAUEN – Männer – Liebe

In François Truffaut’s Film „Der Mann, der die Frauen liebte“ (Originaltitel: L’Homme wui aimait les femmes) verliebt sich die Hauptfigur Bertrand Morane zunächst in die Beine einer ihm unbekannten Frau. Frauenbeine sind seine Obsession und bedeuten schließlich auch sein Ende. Bücher und Frauen sind die Leidenschaften, die Truffaut in all seinen Filmen thematisiert hat. Altmann erzählt in seinem Buch Frauen.Geschichten über seine Begegnungen mit diesen sowohl anbetungswürdigen als auch furchteinflößenden Wundergeschöpfen und das endlose Drama zwischen Mann und Frau. Insofern ist Altmann ein Bruder im Geiste Truffauts und es wundert nicht, wenn er im Kapitel  „FRAUEN – Männer –  Liebe“ zu dem Fazit kommt

„Selbstverständlich – hier redet ein heterosexueller Mann – ist eine Frau Heimat. So ein Zielpunkt, an den man zurückkehren will. Um das Innige wiederzufinden, die Verlockung nach ihrem Esprit und ihrem Körper, das sagenhafte Gefühl, willkommen zu sein. Mit allem Seinem.“

Mit Gefühlsbestimmungen wie Geborgenheit und Verlockung begibt sich Altmann, der die tatsächlichen körperlichen wie geistigen Möglichkeiten von Nähe zwischen Männern und Frauen in seinen Frauen.Geschichten sehr akribisch und gelungen durchgespielt hat, hier auf dünnes Eis, indem er die Frau als Subjekt auf ihre Körperlichkeit als Zielpunkt männlicher Sehnsucht herunterreduziert. Das Wiederfinden von geistiger und libidinöser Innigkeit hat nichts mit Heimat zu tun. Selbst die manchmal behauptete Sehnsucht nach dem Wunsch der Rückkehr in die Urheimat des pränatalen Uterus bietet hier keinen belastbaren Interpretationsansatz. Altmann liefert lediglich Beispiele für das Scheitern von Beziehungen, in denen die Möglichkeit von Nähe durch den Wunsch von Besitztum des Partners verspielt wird.

Heimat und Spiritualität

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau schreibt auf ihrer Seite zum Thema Heimat:

„Die Bibel gibt ganz unterschiedliche Wörter und Wendungen für Heimat. Das Wort Heimat kommt – einschließlich der erweiterten (apokryphen) Schriften – überhaupt nur fünfmal vor. Gemessen an der Gesamtzahl der Wörter in der Bibel von knapp 800.000 ist das extrem wenig. Manchmal ist auch vom „Vaterland“ die Rede oder vom Land in dem „Milch und Honig fließen“. Heimat ist immer auch der Tempel auf dem Zionsberg. Oder es ist das Paradies, das Adam und Eva verlassen müssen.“

Die Gemeinde ist für die Gläubigen der drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam natürlich Heimat, die in den Orten Synagoge, Kirche und Moschee gelehrt, vollzogen und gelebt wird.

Seit dem „Scheißbuch“ ist bekannt, dass sein Autor genauso wenig mit dem Scheißkatholizismus am Hut hat, wie mit allen anderen theistischen Religionen, die Götzenanbetung betreiben. In „Triffst Du Buddha, töte ihn“ schreibt er 2010 das erste Mal ausführlich über seine Suche einer götzenfreien Spiritualität und jahrelange Erfahrungen mit dem Buddhismus.

In Heimat erläutert er die Funktionsweise von Zen:

„Ein existentielles Ereignis voller Rätsel, von dem ich nur wenig begreife, wenn ihm nur mein Hirn begegnet. Der Leib muss dabei sein. (…) Hält der Mensch durch, wird daraus irgendwann eine Heimat, eine Art spirituelles Zuhause ohne Götzen und Götter, ohne überirdische Verheißungen, dafür immer irdisch, immer mitten im Jetzt.“

Altmann erzählt davon, wie er nach Japan fliegt und dort zu einem kleinen Zenkloster reist, um dort in acht Monaten beim Roshi Imamura-San mit dem Training von Festigkeit und Hartnäckigkeit Unbedingtheit zu erlernen. Acht Stunden sitzen und meditieren am Tag.

„Das ist das unheimliche Geheimnis von Zen. Nichts wird unterrichtet, keine wissenschaftlichen Erkenntnisse vermittelt, kein Handwerk gelehrt, keine Ideologie verabreicht, keine Fertigkeit. Wenn nicht die eine: zu sitzen und den Atem – das ‚Aktuellste‘, was wir haben – zu beobachten. Also das eine, so sagenhaft Schwere zu lernen: sich auf die Gegenwart zu konzentrieren, anders gesagt, das Tollhaus unter der Schädeldecke zu besänftigen.“

Zen wurde so eine „Heimat, in die ich seither flüchte, wenn ich Hilfe brauche. – Ich brauche sie jeden Tag.“

Altmann führt viele weitere wichtige Aspekte des Zen-Buddhismus an, die hier nicht vorweggenommen werden sollen. Jedem, der an Thema von Heimat als götzenfreier Spiritualität interessiert ist, sei dieses Kapitel besonders ans Herz gelegt. Hier schreibt ein Wissender aus eigener und langjähriger Erfahrung und die zutiefst warmherzige Art, in der er schreibt, macht unglaubliche Lust, sich intensiver mit dem Thema Zen als spiritueller Heimat zu beschäftigen.

Die Kapitel „Körper“ – der Körper als die lebenslängliche Heimat des Ichs – und „Menschen“ beschließen die „Gebrauchsanweisung für Heimat“.

Fazit

„Das Suchen, nicht der Besitz von Wahrheit“ ist das Wesen der Philosophie.“ schreibt Karl Jaspers: „Philosophie bedeutet ‚auf dem Weg sein‘, ihre Fragen sind wichtiger als ihre Antworten“. Diese Grundlegung gilt auch für die „Gebrauchsanweisung für Heimat“. Hier schreibt einer, der sein Leben lang unterwegs ist, ein Reisender auf der Suche nach Antworten in der Welt, die ihn zu wieder neuen Fragen führen, auf dass die Reise und die Fragen kein Ende nehmen. So ist die „Gebrauchsweisung für Heimat“ ein thematisch sehr ausdifferenzierter und philosophischer Diskurs zum Thema, und eben keine Gebrauchsanweisung im Sinne einer popeligen Anleitung.

Epilog

Es gibt für den Bibliophilen, den lesenden Menschen eine weitere Heimat. Es ist seine Bibliothek, dieses persönliche Universum aus Buchstaben, Wörtern, Büchern, von denen jedes – sofern es seinen Platz in der Bibliothek zu Recht erobert hat – ein kleiner Edelstein des Denkens seines Autors ist, der den Lesenden mit dem Glück geistiger Inspiration im Lesen, Denken, Wiederlesen und Neudenken beschenkt. Andreas Altmanns „Gebrauchsanweisung für Heimat“ ist so ein Edelstein, der diesen Platz für sich in der Bibliothek des Rezensenten erobert hat und damit fortan ein Stück der Heimatbibliothek bedeutet. Herzlichen Dank dafür.

Uneingeschränkte Leseempfehlung!

Andreas Altmann: Gebrauchsanweisung für Heimat.
München, 15. März 2021
224 Seiten, Klappenbroschur

ISBN-13 978-3492277433 – € 15,00

Kindle Ausgabe Piper Verlag, München 15. März 2021

ASIN B08LDTF598 – € 12,99

Buchpremiere:

Montag, 25. Oktober 2021 in Berlin

Andreas Altmann liest aus: „Gebrauchsanweisung für Heimat“

20.00 Uhr

Pfefferberg Theater
Schönhauser Allee 176
10119 Berlin

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Ihr Lieben,

bitte Geduld mit dem Rätselraten. Wir haben Zeit, Paris ist ja noch nicht offen, alle Cafés und Restaurants sind geschlossen. Zudem will ich ein Konzept ausarbeiten, damit die Sache nicht über Facebook läuft: Denn viele haben sich auf meine Rundmail gemeldet, ja, sie wollen teilnehmen, aber eben nicht über FB.

Hier ein kleiner Absatz aus dem Buch, zum reinen Vergnügen. Das Spiel hat noch nicht begonnen.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Aus dem Kapitel „Deutschland“.

„…. Noch wurde keine Liebe erfunden, die umsonst zu haben ist.

Eine anrührende Szene passt hierher: Ich saß in meinem Pariser Café, als zwei Leute neben mir Platz nahmen. Ein älteres Ehepaar aus Deutschland, wie sich bald herausstellte. (Ich lausche immer.) Ossis, mitten aus Sachsen. Voller Überschwang redeten sie von dem, was sie bisher gesehen hatten. Wir kamen ins Gespräch, und plötzlich fingen die beiden zu weinen an. Vorsichtig fragte ich nach, was der Anlass der Traurigkeit sei. Nein, sie wären überhaupt nicht traurig, nur überwältigt: weil sie nun frei seien und reisen durften, ja, Paris besuchen….“

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Ihr Lieben,

nun, wie angekündigt, hier die Rundmail, um mein neues Buch vorzustellen, das offiziell am Montag, dem 15.3. erscheint. Zuerst einmal: Tausendundeinmal danke für eure Treue, für das so intensive Geschenk, mit mir Gedanken und Gefühle zu teilen. Ich kann nur hoffen, ja, euch auffordern, nicht mit allem einverstanden zu sein, was da geschrieben steht. Denn welchen Sinn hätte ein Buch für LeserInnen, wenn sie dort hinter jedem Zeileneck in ihren Ansichten bestätigt würden. Der Text soll auch zum Widerspruch reizen, zur intellektuellen Mehrarbeit, zur – höflichen, klugen und beschwingten – Auseinandersetzung mit dem Schreiber. Doch glaubt mir: Ich habe mir bei jedem Wort – oft via Tabletten schwer sediert, um nach dem Unfall März 2020 die pochenden Schmerzen auszuhalten – überlegt, ob es passt, ob es gescheit genug ist, ob es – so wichtig – zur Eleganz unserer wunderschönen deutschen Sprache beiträgt. Immerhin, ich wiederhole mich, schenkt ihr mir das Kostbarste, was ihr besitzt: eure Lebenszeit. Und ein bisschen Geld. Wenn ein Autor das nicht respektiert, so muss er auf Hartz IV oder Frühpensionierung umsatteln.

Wenn jemand Freude am Spielen hat, bitte hier weiterlesen: Ich organisiere ein kleines Gewinnspiel. In den nächsten Tagen werde ich immer wieder ein paar Zeilen aus dem Buch auf FB veröffentlichen und nach dem 10. Eintrag DIE FRAGE stellen. Die man easy peasy lösen kann, wenn man aufmerksam mitgelesen hat. Wer als erste/r antwortet – man sieht ja die genaue Zeit auf der Mail –, der gewinnt das Glück auf Erden: 200 Euro Pauschale für die Spesen (Hotel und Transport) plus ein Dinner mit dem AA in Paris. Jede und jeder ist willkommen, der Sprache liebt und the city of lights. Wie der Mensch auch anreist, sie/er kann auch zu Fuß kommen und in der Jugendherberge übernachten, die 200 gehören der/dem Schnellsten und Smartesten.

WICHTIG: Nicht über FB DIE FRAGE beantworten!  Sondern über meine Mailadresse, die ihr auf meiner Website – www.andreas-altmann.com – findet.

ps: Manche, kaum drei Dutzend, haben mir nach der letzten Rundmail die Treue gekündigt und mich – tatsächlich freundlich – gebeten, sie aus dem Verteiler zu nehmen. Ich habe das nach bestem Wissen getan. Denn nicht vieles ist peinlicher als ein lästiger Schreiberling, der nicht fassen will, dass die Liebe ein Ende hat. Gibt es weitere Schussmach-Meldungen, bitte bei mir melden, ich reagiere. Versprochen.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Hier nun die Reihenfolge des Eintrags vom 12. März 2021:

Der Ihr-Lieben-Text

Die drei Motti

Die Widmung

Index, alle Kapitel auf einen Blick

Das Vorwort

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Motti:

Stanisław Jerzy Lec:
Die Muttersprache ist das Vaterland der Schriftsteller.

Eric Burdon:
Jeder braucht ein Anderswo.

Mahmoud Darwish:
Ich lernte alle Wörter und habe sie alle zerteilt, um ein einziges Wort zu schaffen: Heimat.

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Widmung:

Das Buch gehört meinen Freunden. Die es noch immer mit mir aushalten. Sie haben so vieles, was mir fehlt. Was sie mich nie spüren lassen, ja, sie benehmen sich, als wäre ich ihnen ebenbürtig. Das schaffen nur sie. Manche tun so, als würden sie mich brauchen. Das ist der Gipfel von Wertschätzung. Der Teufel soll mich holen, sollte ich je die Freundschaft verraten, ach, nicht zur Stelle sein, wenn einer von ihnen um Hilfe ruft.

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Index:

Vorwort

Das Glück des Augenblicks: Galway

Deutschland

Das Glück des Augenblicks: Sahara

Musik

Das Glück des Augenblicks: München

Sprache

Das Glück des Augenblicks: New York

Freunde

Das Glück des Augenblicks: New Delhi

Heimat

Das Glück des Augenblicks: Wien

FRAUEN – Männer – Liebe

Das Glück des Augenblicks: Hanoi

Tiere

Das Glück des Augenblicks: Brazzaville

Zen

Das Glück des Augenblicks: Mexico City

Körper

Das Glück des Augenblicks: Paris

Menschen

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Vorwort

Wenn man eine Liebe an die Wand fährt, findet man – hoffentlich – eine neue. So ähnlich sollte man beim Verlust der Heimat handeln: Will man sie loswerden, weil die Erinnerung an sie wie Schlangengift das Herz verseucht, so desertiere man und suche sich eine andere Unterkunft, eine andere, brandneue Heimat.

     Leicht gesagt, ich weiß. Die einen gehen mit einem Freudenschrei, die anderen tränenüberströmt. Von allen soll erzählt werden.

     Für mich war Blut nie dicker als Wasser. Bin ich doch ein Meister im » Cut «-Sagen, einer, der unwiderruflich Frauen und Männer und Orte aufgibt, wenn sie mir nicht mehr guttun. Oder ich ihnen. Sie weder im Kopf noch im Bauch gehobene Stimmung auslösen, so ein Gedankensprühen, so ein romantisches Ziehen im Solarplexus. Bin selbst dann davon, wenn das Bleiben mir materielle oder sinnliche Boni verschafft hätte, Genüsse wie Wohlstand oder erotische Zuwendung.

      Ich bin sogar der eigenen Familie entlaufen, von der Verwandtschaft gar nicht zu reden. Immer von der rüden Überzeugung getrieben, dass ich in ihrer N.he nicht vom Fleck komme, dass mein Hirn stillsteht, ja, schlimmer, dass es schrumpft, weil weit und breit nichts blüht, was es nährt. Ja, Flucht muss sein, da ich jeden Morgen mit dem bedrohlichen und gewiss anspornenden Gedanken aufwache, dass ich nur ein einziges verdammtes Leben habe. Somit k.me mir jedes Verweilen an „Stellen“, an denen kein Leben stattfindet, wie eine Todsünde vor. Wie trefflich das Wort, denn bliebe ich, versündigte ich mich schwer an mir selbst.

      Kann einer das Leid noch zählen, das sich seit Millionen Jahren – pyramidal – anhäuft: weil Leute nicht voneinander loskommen? Oder hocken bleiben an Plätzen, die sie täglich n.her an den Abgrund treiben. Oder sie, diskret und unspektakulär, in die so verschwiegene Depression der Ausweglosigkeit manövrieren. Wie sagte es Perikles, der siebengescheite Grieche: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit. Das Geheimnis der Freiheit ist der Mut.“ Ohne den geht es nicht. Ein mutloses Leben? Das klingt schauerlich.

      Jedes Fortgehen – ganz gleich, von wem und von was – braucht Schneid. Manchmal ein bisschen, manchmal ein bisschen viel. Eine neue Heimat – oder ein neuer Mensch: lauter unbekannte Kontinente. Wer kein Glück hat, fährt mitten hinein in sein nächstes Unglück.

      Die Angst ist da. Deshalb muss Courage her. Meist wird sie den Mutigen belohnen. Mit der unbändigen Freude, dass er sich getraut hat. Und der wunderlichen Einsicht, dass kein Desaster wartet, sondern Aussichten auf ein innigeres Leben: upgraded, nach oben befördert, da, wo es sich freier atmet, da, wo weder Schwunglosigkeit noch Bore-out die Wirklichkeit ersticken.

     Ich darf hier mitreden. Ich erblickte die Finsternis der Welt in einer Brutstätte aus Bosheit und Bigotterie und landete – über dornenreiche Umwege und Irrläufe – irgendwann in Paris: The City of Lights. Ich wüsste keinen schöneren Landeplatz auf Erden.

       Ob Paris als Heimat taugt? Oder benötige ich – ich wäre nicht der Einzige – mehrere, ja, viele » Dinge «, die man Heimat nennen könnte? Die Antwort ist so einfach: bestimmt! Die Behauptung gilt umso mehr für jene, die ihre » natürliche « Heimat verließen, verlassen mussten. Aus Überdruss, aus Furcht zu verkümmern, aus Sorge ums Leben, aus Liebe, aus Hass, was weiß ich.

      Heimat – was das magische Wort auch bedeuten mag – muss sein. Der Mensch braucht Lichtquellen, einen Kreis, dessen Teil er ist, Sprache, die ihn behütet, andere Sterbliche, deren Nähe ihn stärkt, eine Gesellschaft, deren Vereinbarungen er grundsätzlich bejaht, eine Wohnung, in die er sich vor dem Rest der Menschheit zurückziehen darf.

      Ein unendliches Buch müsste man schreiben, um alles zu benennen, was heimatliche Empfindungen auslösen könnte. Mir reicht keine Stadt, kein Land, ich suche überall auf dem Globus nach etwas, an das ich den Sticker » Heimat « kleben kann. Jeder Fund beruhigt mich in einem Universum, durch das wir mit 107 000 Kilometern pro Stunde rasen. Eher ziellos, eher verloren. Und da ich an eine himmlische Heimstatt mit einem Himmelsherrscher mittendrin nicht glaube, mir diese ultimative Heimat stets als Hirngespinst erschien, bleibt mir nichts als die Erde und ihre Bewohner. Hier muss ich heimisch werden. Gelingt mir das, bin ich das geworden, was mir als Traum seit meiner Jugend durch den Kopf schwirrt: ein Weltbürger. Das wäre einer, der in der Welt zu Hause ist.

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Ihr Lieben,

wir lassen den Unglücklichen und sein Kettensägenmassaker – siehe letzten Eintrag – hinter uns und blicken nach vorn. Hier nun zwei Hinweise, zuerst eine schönste Mail. Ich veröffentliche sie eher sparsam, um nicht zu oft andere „Männer XY“ zu provozieren. Ich mag die heutige Mail, weil sie lustig und unprätentiös geschrieben ist. So wie es Neidhammel gibt, so gibt es Frauen und Männer, denen kein einziger Zacken aus der Krone fällt, wenn sie die Arbeit eines anderen schätzen:

„Lieber Herr Altmann, alleine die Präambel, die Sie auf Ihrer Website unter „Kontakt“ notiert haben, hat mir Lachtränen in die Augen getrieben. Genial formuliert. Ich lese gerade zum ersten Mal ein Buch von Ihnen (das erste von allen restlichen) und könnte jetzt grandios Zeit verschwenden, um wehzuklagen, wie spät in meinem Leben ich auf Sie „gestoßen“ bin. Stattdessen werde ich die Zeit nutzen, um weiterzulesen. Ich wollte mich herzlich bedanken!!! Es ist gar nicht genug zu schätzen, dass Sie in einer Art und Weise schreiben, die einem zu vielen Dingen die Augen öffnet und so viele Momente herzhaften Lachens ob Ihres grenzgenialen Humors beschert. DANKE.“

Und jetzt noch die zweite Freudennachricht, haha, von wegen Podcast beim SWR3. Wie immer inszeniert von Kristian Thees, den ich glatt heiraten würde, wenn ich Frau wäre. A man of cool, aber wie.

Es geht in dem Stücklein „Tricks“ um etwas, das man mit dem schönen jiddischen Wort „Chuzpe“ beschreiben kann: ein bisschen frech sein, um an Zustände heranzukommen, die man erreichen will. Für einen Reisenden ist das ein unabdingbares Werkzeug. Die zwei Szenen spielen in Mauretanien / Afrika und in Baton Rouge, der Hauptstadt von Louisiana / USA.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Tricks
https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

heute kommt ein langer Eintrag. Doch ich hoffe, ihr werdet die Lesezeit nicht bereuen, denn wir lernen etwas über einen von uns acht Milliarden Nachbarn – Stichwort: „Ruchloseste Mail“. Sorry, auch diese Rubrik habe ich vernachlässigt, aber nun ist der Augenblick gekommen, um wieder einen dieser Mitmenschen vorzustellen, deren erste Aufgabe es ist, das Leben anderer mit Freude und Frohmut zu erfüllen. Haha.

Vorweg: Ich lasse diese Giftsuppen, die mir zugemailt werden, nicht an mich ran. Sie vergiften mich nicht, sie ruinieren nicht den Respekt vor mir selbst, sie provozieren kein Gefühl der Minderwertigkeit, ja, ich renne nach der Lektüre nicht zur Pont Neuf und stürze mich in die Fluten. Ich lese sie und amüsiere mich. Und frage mich stets: Warum macht ein Mensch das? Eine Frage, die natürlich noch nie beantwortet wurde. Ich vermute (und Schreiberkollegen mit ähnlichen Erfahrungen bestätigen das): dass es sich bei den Absendern oft um Neidhammel handelt, die gern hätten, was der Beleidigte hat, aber aus welchen Gründen auch immer nicht fähig sind, sich ihre eigenen Wünsche und Sehnsüchte zu erfüllen. 

Diese Mail an mich, die ich nun vorstellen werde, hat es in sich. Normalerweise bolzt ein Entrüsteter los, nennt mich einen „miserablen Reisereporter“, einen „aufgeblasenen Idioten“, einen „erbarmungswürdigen Asphaltliteraten“, den „meist überschätzten Kischpreis-Träger“ etc. etc. etc., Scheißdreck, Blödmann, Wichser etc. etc. etc.

Hier ist es anders. Denn zuerst lobt mich „Mann XY“ (so soll er heißen) über alle Maßen, ja, nennt mich, nicht weniger geistesgestört, tatsächlich den einen, der – sorry, ich muss jetzt grinsen, während ich das hinschreibe – „den Nobelpreis verdient“ habe. Er vermerkt ausdrücklich, dass er von meinen Büchern „schwer beeindruckt“ war. Bis das eine kam, das ein radikales Umdenken in ihm auslöste, ja, ihn zur Kettensäge greifen ließ: „Frauen.Geschichten.“ Darin offenbare sich meine ganze seelische Verwahrlosung, der gesamte Dreck in mir, der ungeheure sittliche Verfall meiner Person. Es wird noch bizarrer, denn er lässt mich wissen, dass er gern auch so ein „Liebesleben“ wie ich hätte. Ich, der wie ein hässlicher Zwerg daherkäme, wobei er doch, so kann man es aus seiner Mail erfahren, berückend anmutig ist. Und dennoch OHNE Frauen!

Ist Mann XY einer dieser „Incels“, jener „involuntary celebates“, jener unfreiwilligen Zölibatären, die Frauen hassen – weil sie ihnen nicht zu Diensten stehen? Und die Männer hassen – weil sie Frauen nah sind? Ist das nicht eine namenlose Sauerei? Er, Mann XY, der Göttergleiche, bekommt keine ab, und ich, der Krumme, muss nur niesen und schon tanzen sie an? Kommt da nicht die alte Wahrheit zur Geltung, dass in jedem Drama auch der Wahnwitz steckt, die große Absurdität, das absolut Lächerliche?

Nun denn, bei aller Ungerechtigkeit auf Erden: Muss man auf den Autor – mich also, dem innen und außen Scheußlichen – gleich pissen und ihm anschließend den Prügeltod wünschen? Ich finde das übertrieben, haha.

Für alle, die „Frauen.Geschichten.“ nicht kennen, hier ein paar Zeilen aus dem Vorwort. Da ist sofort zu erkennen, mit welcher Niedertracht AA über die andere Hälfte der Menschheit herzieht:

„Der Mensch hat ein Recht auf ein gutes Leben“, so Artikel 2.2 des Grundgesetzes. Und deshalb verbringe ich mehr Zeit mit Frauen als mit Männern. Sie versprechen mehr Swing und mehr Geheimnis und mehr Innigkeit. Denn Männer sind wie ich: weniger verschlungen, weniger rätselhaft, ein ganzes Lichtjahr weniger attraktiv. Wäre ich all diesen Frauen nicht begegnet, ein Ozean voll bewegender Stürme und Schiffbrüche würde mir fehlen. Frauen sind ein ungemein potentes Aphrodisiakum, um mein Leben auszuhalten. Das Buch ist folglich auch ein Loblied, eine Hymne von einem, der blüht, wenn ihm Schönheit und Klugheit über den Weg laufen. Und eingeht, wenn sie ausbleiben. Vom Zauber singen – das ist ein formidabler Zeitvertreib.“

Okay, es bleibt spannend – hier noch ein kurzer Hinweis, bevor das Ketttensägenmassaker losgeht: Diesmal haben wir, der Verlag und ich, die Justiz bemüht, sprich, die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits. Nicht, um Rache zu nehmen. Doch um zu wissen, welche Art von Welthasser und Geisteskranker hinter dieser Mail steckt. Dass solche Maulhelden im Verborgenen agieren, versteht sich von selbst. Anonymität ist meist das Markenzeichen verdruckster Hosenkacker. Würstchen eben, so notorische Empörer, die an allen Ecken und Enden in ihrem Leben zu kurz gekommen sind und sich nicht anders helfen können, als Sprache-kotzend um sich zu schlagen. In der Gewissheit, für ihr Maulheldentum nicht einstehen zu müssen.

Genug der Einleitung, jetzt soll Mann XY das Wort haben. Ich habe leicht gekürzt und die (43) Rechtschreibfehler ausgebessert, doch die bisweilen eckigen, eher unverständlichen Zellen und Satzzeichen habe ich belassen.

 Mann XV:

„Ruchloseste Mail der Woche, die kommt diesmal von mir! Und das von einem, der dich eigentlich immer sehr inspirierend fand. Ich dachte immer, wenn es jemanden gibt, der den Literaturnobelpreis verdient, dann ja wohl du. Es gibt wohl kaum einen, der so schreiben kann wie du, da sind wir uns wohl alle einig. Mit Sprache umgehen kannst du, keine Frage. Und du nimmst den Leser jedes Mal mit auf eine spannende Reise. Ich habe viele deiner Bücher gelesen und bin nach wie vor schwer beeindruckt vom „Scheißbuch“ (AA: Er meint „Das Scheißleben meines Vaters …“) und vom „Verdammten Land“. Sogar auf einer Lesung von dir war ich mal und du hast mir noch ein Buch signiert. Das war, bevor ich deine Bumsgeschichten gelesen habe. (AA: Er meint „Frauen.Geschichten.“)

Denn genau dieses Buch hat mir mal wieder gezeigt, in was für einer verkehrten und völlig irrsinnigen Welt wir hier leben. Was mir auch jetzt in Zeiten von Covid 9/11 wieder sehr bewusst wird =). Nur deine Geschichten und deine Schreibkunst machen dich attraktiv für Frauen. Du bist ein hässlicher Banause, das sagst du ja sogar ganz oft selber. (AA: Nicht, dass ich mich erinnere.) „Du bist eklig“ hat sogar eine Frau mal zu dir gesagt, wie du in einem deiner Bücher schreibst. Und trotz alledem bist du anscheinend der totale Playboy.

Das heißt, Frauen finden dich trotz deiner seltsamen Aussprache und deiner komischen Mütze anziehend und fühlen sich zu dir hingezogen. Unergründliches Menschenherz …

Weil du ein Talent hast, das dich attraktiv macht. Ein ewiger Peter Pan, der nur spielen will und keine Spielverderberinnen mag – die sind doof und nerven und werden entsorgt. Ein einsamer Mann, trotz der unzähligen Frauen, die sein Bett geteilt haben.

Nach der Lektüre wusste ich wieder, warum ich mich früher immer so gegen das Lesen von Büchern gesträubt habe und ich fasse seitdem keine Bücher mehr an. Sowohl von dir nicht als von sonst wem. Ich habe genug von Büchern. Nach 30 Seiten hat man genug, bloß kommen dann noch mal 300, oder waren es Frauen? Wie ein Rosenkranz – eine Perle nach der anderen, ein Geschichtchen nach dem nächsten, alle ähnlich. Und dann von vorn. Die Frauenkörper sind alle wunderschön, der Geist idealerweise auch, Alter, Ort und Dauer variieren. Schreib doch einfach beim nächsten Mal „Ich hab 500 Frauen gefickt und es war toll. Ein Mann war auch dabei. Und eine Transe.“ Oder mach doch mal eine Schreibpause.

Und dennoch wünschte ich, ich hätte nur annähernd so ein „erfülltes“ „Liebesleben“. Ich sehe viel besser aus, als du es jemals tatest, aber ich habe nicht dein Talent. Also bekommt so ein ekelhafter Typ wie du jede ab, die er will und ich darf dann deine Geschichten lesen. Durch die du dann auch noch Geld verdienst. 

Aber Hauptsache, du bist nach jedem Fick klüger geworden :) Du bist genauso ein Spasti wie alle anderen. Vielleicht brauchen wir wirklich einen Joker, um diese Welt hier zu verändern. Vielleicht scheiß ich beim nächsten Mal auf ein Autogramm und hau dir einfach mal gut eins auf die Fresse. Und wenn du am Boden liegst, pisse ich auf dich. Wie wärs? :) 

Es ist, wie du mal geschrieben hast. Die einen gehen als schöne Menschen durch die Welt, die anderen nicht. Die einen versprühen Charme und Ausstrahlung, die anderen oft keinen. Die einen entkommen den heftigsten Schicksalsschlägen, die anderen geraten von einem in den Nächsten. Ist das noch gerecht?

Ist das noch gerecht, dass so ein hässlicher Halunke wie du offenbar so ein womanizer ist? Ich begreife diese Welt hier oft nicht mehr … Erklärs mir? Die Welt hier ist komisch. Verdammt komisch. Vielleicht ist diese Welt hier der größte Haufen Scheiße, den ich je gesehen hab. „Leben, leben, leben“, ja das wär mal was, du nervst viele Menschen, kapier das doch einfach mal. Gönn dir mal eine Pause. Eine Minderjährige hast du auch gefickt, klar ich meine, „who cares“ oder? Macht ja sowieso hier jeder, was er will, stimmts? Dann mit der Abtreibung, wie war das nochmal? Geld dafür bezahlt, dass sie abtreibt? Als Dankeschön für ihre artige Kooperation? Du Spasti!

Schade, dass dein Vater dich nicht tot geprügelt hat damals, du würdest weniger Menschen auf die Nerven gehen mit deinem „leben, leben, leben“.

Und dann bist du offenbar auch noch jemand, der es tatsächlich ohne Probleme schafft, psychoaktive Substanzen wie Heroin oder Crack zu händeln, also einen verantwortungsvollen Umgang mit diesen beiden Substanzen auf die Reihe zu bekommen. Ich meine, wer schafft das denn schon? Heroin und Crack?! Und das mit deiner Vergangenheit! Bist ein ganz komischer Kauz und wie schon erwähnt, bist du keinesfalls in irgendeiner Form attraktiv, dich macht nur dein Talent attraktiv. Und das zieht die Frauen dann förmlich an. Natürlich. Natürlich tut es das. Ad infinitum absurdum.“ 

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Ihr Lieben,

sorry, ich habe FB ein wenig vernachlässigt. Einfach keinen Bock, ich kann mich nicht immer aufraffen, rastlos vor mir zu berichten. Ist das Bescheidenheit? Eher nicht, eher Faulheit. Oder die Einsicht, dass mich etwas anderes mehr begeistert.

Ach ja, Kim Kardashian hat uns gerade wissen lassen, dass sie und ihr silikonzementiertes Hinterteil sich von Ehemann Kanye West scheiden lassen. Die Nachricht wurde inzwischen millionenfach angeklickt. (Ich habe sie am Radio gehört.) Diesen Idiotismus muss die Welt wissen, wobei ich mich frage, wen von den beiden man heftiger – der gemeinsam verbrachten Jahre wegen – bemitleiden muss, sie oder ihn? Man will schreien, wenn man bedenkt, mit welchem Ranz die Menschheit in Atem gehalten wird.

Sorry, hier mein Beitraglein (wie stets von dem so freundlichen und gescheiten Kristian Thees / SWR 3 aufgezeichnet). Wie immer widme ich sie, die kleine Geschichte, der unglaublichen Minderheit: Ich bin am Flughafen in Paris, will nach Mexiko fliegen. Am Check-in treffe ich einen ausgesprochen höflichen Mann, sein Benehmen erinnerte mich an einen mexikanischen Fechter, in dessen Garderobe als Leitmotiv stand: „Calma / Alegría / Fuerza“, Ruhe, Freude, Stärke. Ich beneide jeden, der das hat.

Als ich nach langem Nachtflug ankam und irgendwann in einem Hotel landete, fand ich im Bad einen Satz, den der fantasievolle Hotelbesitzer dort hatte anbringen lassen. „Je mehr Wasser wir verbrauchen, desto weniger Paradies haben wir.“ Irgendwann hörte ich meinen Nachbarn duschen, endlos. Ihm war das Paradies wohl egal.

 So haben wir die einen, die bewusst leben, und die anderen, die Bewusstlosen, den großen Haufen, die hartnäckig Unbelehrbaren. Ich danke euch, herzlich, Andreas.

„Meditation, dann Mexiko“

 ps: Das Bild ist von Frida Kahlo, der mexikanischen Königin.

 https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

 

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Ihr Lieben,

heute wieder ein Podcast. Wann immer Kristian Thees vom SWR 3 mich ausfragt, halte ich still und antworte brav. Diesmal eine Episode aus dem hübschen Lagny, etwa dreißig Kilometer östlich von Paris. Die kleine Szene ist der schmucke Beweis dafür, dass das Auftreten einer hübschen Frau die umstehende Männerwelt mehr verwirrt und inniger fasziniert als das zur gleichen Zeit stattfindende Geschwafel über den Himmelsöbersten ganz oben im Himmelszelt. Ich liebe solche Situationen, denn in Echtzeit, cool und wie nebenbei erzählen sie von der Wirklichkeit und verschonen uns mit Hokuspokus und Abrakadabra.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

 Podcast: „Hungrig in Langny“

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

was für eine herrliche Welt: Zehn Tage lang tauchte nirgends Trumps Visage auf, was für ein ästhetischer Gewinn. Jetzt dürfen wir ihn abhaken, er soll hier nicht mehr auftreten.

Nun kommt der Hinweis auf zwei, ja, diesmal zwei neue Podcasts auf SWR 3. Kamerad Kristian Thees, der Welt begabtester Redakteur, hat versprochen, mich nie mehr loszulassen, haha. Ich habe Ja zu ihm gesagt, und jetzt werde ich den Quälgeist nicht mehr los. Aber er ist der Beste, mit einem so gescheiten Menschen zusammenzuarbeiten ist die helle Freude.

 Zuerst „Sanne Becker und die Sache mit dem Dingdong“. Sanne war eine Sensation, eine Frau, angeblich, die mich anschrieb und meinte, sie würde mich gern in Paris besuchen. Ihre Bereitschaft hinge aber davon ab, dass ich ihr ein Foto meines Kostbarsten schicke, ein dick pic sozusagen. Von seiner Prächtigkeit hinge es ab, ob sie käme oder nicht. Die Story ist hinreißend, denn Sanne war nicht Sanne, sondern Pünktchen Pünktchen Pünktchen …

Die zweite Geschichte heißt „Der Autor und die Nachtfahrt“. Sie wird alle jene erfreuen, die gern auf meine Bücher spucken. Ach, die rastlosen Giftzwerge. Doch auch sie endet triumphal. Ein Autor ohne seine LeserInnen? Er wäre verloren. Ich war kurz ausgeknockt, aber kam wieder auf die Beine. Resilienz, die brauchst du in dem Business, wenn nicht, bleibst du irgendwann k.o. liegen.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

der Welt geht es besser, Trump has gone! 

Er hatte all das, was ich bei einem Mann für bizarr oder ungustiös oder protzerisch oder lächerlich oder kaltherzig oder unelegant oder hässlich oder größenwahnsinnig oder beängstigend oder für unauslotbar bescheuert halte.

Die dämlichste Frisur unter der Sonne.

Die uringelb gefärbten Haare.

Der absurd dick aufgetragene Selbstbräuner mit den käsig gebliebenen Augenlidern und Augenrändern.

Seine Tochter Ivanka, die – wie sollte es anders sein – als Wiedergeburt von Barbie von sich reden macht. 

Sein vulgärer Umgang mit der wunderschönen englischen Sprache.

Diese atemberaubende Heuchelei: Sein Auftritt mit der Bibel vor dem Weißen Haus, der natürlich grandios zur atemberaubenden Heuchelei der zuständigen Freikirchen passte, die Trump für sich reklamierten.

Seine Verachtung für die „kleinen Leute“, die leider kleinhirnig genug waren, diese Verachtung nicht zu durchschauen – und ihn wählten.

Seine im Machtrausch abgefeuerten Reden, die im Aufruf an den Mob gipfelten, vor dem Capitol aufzumarschieren. Wie wir gesehen haben, muss man dem Mob solche Einladungen nicht zweimal sagen.

Seine an Irrsinn grenzende Idee, um die – zuerst geleugnete – Coronapandemie zu bekämpfen: ein Desinfektionsmittel spritzen! 

Rührend der Hinweis von einigen, dass Mister Trump keinen Krieg angezettelt habe. Brauchte er nicht, hat er doch Krieg gegen sein eigenes Volk geführt. Vorsichtige Schätzungen gehen von mindestens 50 000 Toten aus, die sein viel zu spätes und dann absurd falsches Reagieren auf die Coronakrise zu verantworten hat.

Mit mehr als 30 000 Falschaussagen – seine geliebten Fake News – und irreführenden Behauptungen hat es der ehemalige Immobilienhai und nun ehemalige Präsident zum Herrn der Lügen geschafft. Schon Nixon galt als Lügenbold von Gottes Gnaden, aber Donald hat ihn um Lichtjahre überrundet. 

Die Missachtung von Frauen. Der nachweisbare Höhepunkt seines Prolo-Status war der aufgezeichnete Mitschnitt von Original Donald: „You can do anything (with women). Whatever you want, grab them by the pussy!“ – Du kannst alles mit ihnen tun. Was immer du willst, pack sie an der Pussy!

Seine beiden älteren Söhne, Donald Jr. und Eric, darf man – gemessen an ihren Aussagen nach der Niederlage ihres Vaters – zu den handverlesen zwei Dümmsten der 328 Millionen Einwohner Amerikas zählen.

Die unfassbare Geschmacklosigkeit in Sachen Stil, hier der Link, der Aufschluss gibt, wie Trump sein Penthouse im Trump Tower in New York möblierte. Wer länger hinsieht, läuft Gefahr zu erblinden.

https://immobilier.lefigaro.fr/article/visitez-le-luxueux-penthouse-de-donald-trump-a-manhattan_11ce34e8-df91-11e5-a4da-fc5ca188cd22/

Seine Wut auf alles, was nicht weiß und nicht amerikanisch ist. Wobei nicht-amerikanische Weiße noch glimpflich davonkommen. Der Rest der Menschheit jedoch – Schwarze, Hispanics und Araber etc. etc. – hatten in seiner Welt nichts zu lachen.

Seine Plauze, die er geschickt unter vorteilhaft geschneiderten Anzügen und Mänteln versteckt. 

Die Schamlosigkeit, mit der sich nicht entblödete, in einem TV-Auftritt mit der Größe seines Penis zu prahlen.

Seine, in den Himmel schreiende, Unbildung, sein komplettes Desinteresse für Kultur, für Literatur, für Malerei, für Theater, sein unbedingter Wille, kein Buch zu lesen. 

Zuletzt, am letzten Tag, eine letzte Untat: ein knappes Hundert zu Gefängnisstrafen verurteilter oder angeklagter Krimineller zu begnadigen. Darunter auch Stephen Bannon, seinen ehemaligen Berater, den fetten Nazi und Geldwäschegangster, der bei den letzten Präsidentschaftswahlen in Frankreich (!) Seite an Seite mit Migrantenhasserin Marine Le Pen Werbung machte für ihre rechtsaußen Partei „Rassemblement National“. Nicht, dass Trump Julian Assange begnadigt hätte, dem Jahrzehnte Zuchthaus drohen, sollte ihn England an die Staaten ausliefern. Wobei man sich natürlich fragt, warum ein Mensch, der die Kriegsverbrechen der amerikanischen Armee veröffentlichte, begnadigt werden soll.

Genug! Gewiss, es gäbe noch tausend Zeilen zu schreiben über einen, den wir nicht vergessen sollten. Um zu begreifen, wie Macht missbraucht werden kann von einem, der ihr weder geistig noch moralisch gewachsen war.

Uff, wir haben ihn hinter uns. Er war Preis, den wir für Barack Obama bezahlen mussten. Obama leuchtete, Trump verfinsterte unsere Gemüter. 

Er soll zur Hölle fahren, dort darf er – gewiss mit einem miserablen Handicap – 24 Stunden pro Tag Golf spielen. Und wieder Baulöwe sein. Und abends, as usual, auf drei laufende Fernseher gleichzeitig glotzen.

Hurra, ich danke euch, herzlich, Andreas. 

ps: Nicht die Ku-Klux-Klan-Haube auf dem Cartoon übersehen, sie steht dem white-supremacy-Närrischen bestens.

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Ihr Lieben,

hier eine kleine Geschichte, die ich für den Playboy (!) geschrieben habe. Dabei hat sie nichts mit Bunnys und Centerfolds zu tun. Dennoch mit einer Frau. Ich vermute, dass sie, die Thailänderin, noch nie von dem Männermagazin gehört hat. Ihre Welt ist eben eine andere. Der Textchef fragte mich nach DER „Reise meines Lebens“. Ach, die Redakteure, sie wollen immer Superlative. Nun, sie haben sie dennoch gedruckt, obwohl in keiner Zeile eine einzige Ekstase vorkommt, haha.

 Ich danke euch, herzlich, Andreas.

DIE Reise meines Lebens habe ich nicht, denn es gab so manche, die mich wundersam ergriffen haben. Im Kopf, tief im Bauch. Die einen waren fetzig und mitreißend. Mit Schreien der Angst oder der Freude. Und andere, die kamen leise daher, ohne den Hauch von Ruch und Gefahr. Und erfüllten dennoch mein Herz. Wie diese hier, ach, nur ein Augenblick davon sei erzählt. Er ist vollkommen unspektakulär und gleichzeitig sensationell.

     Im Norden Thailands liegt das Kloster Tham Mangkorn Thong, hier trat Mae Chii auf, die „schwebende Nonne“. Sobald sich ein paar Leute eingefunden hatten, stieg die Sechzigjährige – ganz in Weiß gekleidet und mit kahlem Schädel – in ein kleines rundes Becken, faltete zur Begrüßung die Hände und – schwebte. Das war ihr Beitrag für den Frieden auf Erden. „Toter Mann“ nannte man in meiner Jugend diese Technik, um fast bewegungslos über Wasser zu bleiben. Mae beherrschte sie auf wunderlich mühelose Weise, nicht einmal die schmalen Füße regten sich. Wie eine Statue schaukelte sie im Wasser. Ihr Gesicht war vollkommen gelöst, ihr Mund formte ein fast unmerkliches Lächeln: Sie meditierte.

      Mae nahm bald verschiedene Positionen ein, eine nach der anderen. Arme hinter dem Kopf, Seitenstil, Rückenlage, „sitzend“ (!) mit den Händen im Schoß. Das weiße Nönnlein im blauen Pool bewegte sich mit überirdischer Eleganz, sie schien frei von aller Pose und Eitelkeit zu sein. Und kein Funken Mühe war zu sehen, sie glitt, sonst nichts.

    Nach zehn Minuten kletterte sie heraus und spazierte tropfnass durch den Klostergarten. Die Thais neigten gerührt ihr Haupt und hinterlegten eine Spende. Keiner sprach sie an, jeder wusste, dass Mae ein Schweigegelübde abgelegt hat. Bis zur letzten Stunde.

      War ihr Überwurf wieder trocken, kehrte sie aus ihrer Zelle zurück und schwebte von Neuem. Von früh bis spät. Der Frieden hienieden ist ein Ganztagsjob.

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Ihr Lieben,

hier ein paar Links zu den Gesprächen mit Erik Lorenz. Absolut nur interessant für Leute, die sich für die Welt interessieren. Wie ich gelesen habe, soll es davon immer weniger geben. Geht mal auf die Straße und fragt Frauen und Männer, wo Ghana liegt. Was ich gemacht habe. Einer meinte, ob das eine neue Pizzasorte sei. Haha, immerhin witzig. Die Fragen stellte Erik Lorenz, der auch „WELTWACH“ initiiert hat. Er darf das, denn der junge Kerl gehört zu den Weltwachsten unter uns. Zudem ist er ein IT-Freak, uff, erschütternd, wie begabt manche sind. Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Verdammtes Land, Teil 1:
https://weltwach.de/ww149-andreas-altmann/

Verdammtes Land, Teil 2:
https://weltwach.de/ww150-andreas-altmann/

Land der Freien, Teil 1:
https://weltwach.de/ww137-andreas-altmann/

Land der Freien, Teil 2:
https://weltwach.de/ww138-andreas-altmann/

Leben in allen Himmelsrichtungen, Teil 1:
https://weltwach.de/ww100-andreas-altmann/

Leben in allen Himmelsrichtungen, Teil 2:
https://weltwach.de/ww107-andreas-altmann/

In Mexiko:
https://weltwach.de/ww073-andreas-altmann-mexiko/

allererste Weltwach-Folge, diverses:
https://weltwach.de/podcast-andreas-altmann/


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Ihr Lieben,

so manche fragen nach von wegen „schönste Mail“ und „ruchloseste Mail“. Keine Sorge, sie kommen wieder. Unter den Ruchlosesten fand sich sogar eine Bombe, unheimlich, zu was sich Leute hinreißen lassen.

 Jetzt wieder ein Podcast auf SWR 3, Hand in Hand, haha, mit Kristian Thees, dem wonderboy vom SWR 3, geht es in ein so besonderes Museum in Ramallah, der vorläufigen Hauptstadt Palästinas. Dort erfahren wir etwas über die Wuntertaten der Sprache und den Hundsgemeinheiten, mit deren Hilfe den Palästinensern ihr Land gestohlen wird.

Dennoch, wir bleiben heiter, kichern ins neue Jahr und hören nicht auf, jeden Tag ein paar Millimeter weniger ignorant zu werden! Ich danke euch, herzlich, Andreas.

 „Ein ganzes Museum für einen Dichter“

 https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

heute wieder ein neuer Podcast.  SWR 3- Redakteur Kristian Thees, der Furchtlose, zieht mit mir diesmal durch den Sündenpfuhl Deutschlands, das herrliche St. Pauli. Es gibt tatsächlich Orte in unserem Land, wo mehrheitlich entspannte Frauen und Männer auftreten. Das fällt sofort auf, denn ansonsten sind eher die Uncoolen und Wichtigtuer unterwegs.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

 „Das Dinosaurier-Kondom und St. Pauli in Hochform“

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

ps: Um etwaige Freiwillige zu warmen, die das dort angebotene Dinosaurier-Kondom ausprobieren wollen, um das Preisgeld zu kassieren: Der hier vorgestellte Dingdong wird es nicht machen!

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Andreas Altmann – Facebook, auch lesbar von Leuten, die keinen FB-account haben. 
Warnung: Auf meiner FB-Seite befinden sich grundsätzlich nur Nachrichten, die meine beruflichen Tätigkeiten betreffen. Oder kurze Texte und Stellungnahmen zu aktuellen Ereignissen. Private Hinweise – siehe neu verliebt, neu vergeigt, frisch verwitwet oder Hinweise wie „endlich Abszess an der linken Arschbacke entfernen lassen“, sorry, sie kommen nicht vor.
In loser Folge stehen unter „Aktuell“ auch die „schönste und ruchloseste Mail der Woche“.

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Ihr Lieben,

ein freundlicher Mensch hat mir dieses Bild geschickt, es ist grandios, da witzig, da klug, da weise. Bedenkt man all den Irrsinn, der uns zu Ohren kommt zum Thema Covid 19: Die Götzenanbeter, die alle Sonntage hinauf in den Himmel winseln, auf dass ihr Himmelsfürst endlich eingreife und die Pandemie abschaffe. Die „Querdenker“, die kreuz und quer denken – statt zu denken – und von einer Pandemie nichts wissen wollen und wenn doch, dann – schwer querdenkerisch – ihren grotesken Verschwörungsidiotismen anheimfallen. Die Eiskalten, deren kaltes Herz von Solidarität nichts wissen will und sich weigern, die einfachsten Schutzmaßnahmen gegenüber anderen zu befolgen. Klar, unsere Würstchenhelden, die sich gern in ihrem Heldenwahn suhlen.

Deshalb das Bild mit dem Soldaten und dem Esel. Es verbreitet eine so einsichtige Moral: weg mit den Eseln, deren Intelligenzquotient irgendwo zwischen minus 200 und 300 hin und herschlingert. Denn Köpfchen und Rücksicht sind in schwierigen Zeiten unerlässlich. Ich danke euch, herzlich, Andreas.

ps: Wir sind heute gnädig und übersehen die Rechtschreibfehler unterhalb des Fotos.

ps1: Ich sehe, manche brauchen ein bisschen Nachhilfe. Es ist doch vollkommen egal, in welchem Krieg, an welchem Ort das Bild entstand. Vielleicht hieß der Soldat Johnny oder Franz-Joseph-Xaver oder Detlef, und vielleicht hörte der Esel auf den Namen Rupsi oder Pupsi und vielleicht ist die ganze Szene inszeniert. All das mindert nicht die Metapher, die „innere Wahrheit“, die uns das Bild zeigen will: Jackasses, sprich Esel, sprich Idioten, sprich geistig Hinterbliebene müssen – ich will es mal milde ausdrücken – zur Seite geschubst werden, um den Weg frei zu machen für Vernunft, für Hirn, für Wissen, für wissenschaftliche Erkenntnisse. Hat es jetzt gefunkt? Hurra!

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Ihr Lieben,  

in Frankreich (und aus Deutschland höre ich Ähnliches) reden sie jetzt von der „troisième vague“, der dritten Welle, die nun – nach der zweiten Coronawelle – kommen wird: Denn 20 Prozent der Bevölkerung drohen den anderen 80 Prozent mit schrecklichen Depressionen von wegen Lockdown. Haha, ja, ein bisschen allein sein müssen, ohne Mutti, ohne jemanden, der die Windeln wechselt, ja, ohne funktionierendem Babyphone, ja, mit der furchtbaren Aussicht, sich selbstverantwortlich bewähren zu müssen. Ist das nicht grauenhaft? Das alles aushalten zu müssen, ohne dass eine Riege Therapeuten sich 24/7 um jedes der Weicheier kümmert, tief besorgt, dass die so höllischen Depressionen endlos dauerhafte Schäden nach sich ziehen könnten?

Kristian Thees, ein echtes Hartei, und ich nehmen euch heute mit in ein Obdachlosenheim in der Nähe von Potsdam. Da werdet ihr Walter treffen, den ganz andere Herausforderungen plagen als die der veni-vidi-pipi-Generation. Ich danke euch, herzlich, Andreas.

ps: Natürlich lästere ich nicht über Leute, die tatsächlich an Depressionen leiden, ich hatte selbst welche, ich weiß, wovon ich rede. Aber ich stänkere gegen alle, die sofort vor jeder Herausforderung einknicken. Die sich grundsätzlich weigern, erwachsen zu werden. Die sich umgehend  mit grandios inszenierter Leidensmiene die Opferkutte überziehen, ja, deren erster Reflex es ist, in den faden Singsang des Greinens und Wimmerns zu verfallen. Und penetrant und nervig nach (billigem) Mitleid Ausschau halten. Wollen die alle auf dem Totenbrett in Tränen ausbrechen bei dem Gedanken, wie hosenvoll sie ihr Leben hinter sich brachten? 

Der Zyklon im Obdachlosenheim

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

hier ein neuer Podcast mit Kristian Thees vom SWR 3. Der Mann hat sich vorgenommen, mich durch Arbeit in den Wahnsinn zu treiben.

Ich mag ihn trotzdem, denn er hat die herrlichsten Eigenschaften: Köpfchen, Humor, Neugier, Leichtigkeit.

Jedesmal, wenn wir zusammenarbeiten, kupfere ich bei ihm ab. Um eines Tages so cool wie er – the coolest cat in town – ums Eck zu biegen.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

PS: Wir befinden uns in Indien, nah der Grenze zu Nepal.

„Der Unberührbare und der Kühlschrank“

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben,

hier das Cover vom neuen Buch, kommt genau Mitte März 21 raus. Es wird auch Lesungen geben, gewiss – Corona bedingt – eingeschränkt.

Jemand muss von der Veröffentlichung schon erfahren haben, hier seine Mail an mich: „Wie ich Sie kenne, Herr Altmann, erwartet die Welt ein neues Machwerk. Wäre ich Chef bei Piper, Sie wären der Erste, den ich feuern würde.“ 

Ihr seid also gewarnt von einem, der mich kennt!

Pech für den Herrn, die herrlich schöne Chefin, Felicitas von Lovenberg, zögert noch mit dem Kündigungsschreiben. Haha.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

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Ihr Lieben,

Kristian Thees vom SWR 3 ist mit mir ins Zenkloster in Japan gezogen. Zen ist beinhart und zwischendurch unfassbar lustig. Zen ist unschlagbar, weil man keine Götzen anwinsel, sich in kein Eck werfen und in den Himmel jammern muss, sondern es nur eine/n gibt, der dich retten kann: DU!

 „Schallendes Gelächter im Zenkloster“

https://www.swr3.de/podcasts/die-welt-von-a-bis-a-100.html

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Ihr Lieben, seit bekannt wurde, dass im Frühjahr 21 ein neues Buch von mir mit dem Titel „Gebrauchsanweisung für Heimat“ herauskommt, höre ich so manche Bizarrerie über seinen Inhalt. Den keiner kennt, aber so manche fühlen sich berufen, es zu wissen. Nun, lasst mich kurz klarstellen. Ich wäre nicht der Altmann, wenn ich jetzt ein „Heil Deutschland“-Buch herausbrächte. Mit einem Unterkapitel, in dem ich – inzwischen altersblöd – ein Liebeslied über das Kotzloch anstimme, in dem ich das Licht der Welt erblickt habe. Mitnichten. Heimat ist für mich ein grandioses Wort, das so gar nichts mit dem so einschlägigen Heimatdusel wadeldicker Lederhosenträger zu tun hat. Heimat ist auch, eine Auswahl: Hanoi und Galway und New Delhi und Brazzaville und New York und die Sahara und Paris etc. Und Heimat ist auch, eine Auswahl: die Nähe zu Freunden, zur Liebe, zu Zen, zu Frauen, zur Musik und zur Sprache und zum Schreiben und. Tieren und Eros etc.  Ich danke euch, herzlich, Andreas.

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Ihr Lieben,
heute, 27.4.2020, wieder die schönste und ruchloseste Mail.

Zuerst ein Wort der Erklärung, weil mir besorgte LeserInnen immer wieder rührige Mitleidsmails schicken, tief besorgt fragen, wie ich das Gebelle der Ruchlosen aushalte.

Nun denn, hier eine kleine Gebrauchsanweisung für all jene, die berühmt werden wollen und es eines Tages ein bisschen sind.

Ich durchlief drei Stufen im Umgang mit den rabiaten Giftzwergen, die sich gern außer Rand und Band zu meinen Büchern äußern.

Von Kollegen weiß ich – ich bin nicht der einzige, der bisweilen niedergebrüllt wird –, dass es sich entweder um hochmoralisch Bigotte handelt, in den meisten Fällen jedoch um notorische Neidhammel, die tiefst in ihrem Busen überzeugt sind, dass sie haushoch eleganter und intelligenter schreiben können als AA, das „schwimmbeckengroße Arschloch“.

Ja, man muss lernen, darauf zu reagieren. Wer das nicht tut, wird leiden. Der Reihe nach.

Erste Stufe, erste Phase:
Ich bellte zurück, zornbebend über die maßlose Frechheit solcher Beleidigungen. Uff, was für ein Tor ich war, Himmel, das ist genau die Reaktion, die der Kläffer (die Kläfferin) beabsichtigt: mich aufs Schlachtfeld locken, um dort weiter auf mich eindreschen zu können. Mein Fehler, ganz uncool, ganz unsouverän.

Zweite Stufe, zweite Phase:
Ich schrieb noch immer zurück, aber jetzt ohne Schaum vor dem Mund, eher ironisch, Witzli machend. Schon cooler, aber noch immer nicht cool.

Dritte Stufe, dritte Phase:
Nicht antworten, nie. Das hat nur Vorteile: Der andere kann sich nicht sicher sein, ob seine / ihre Mail je angekommen ist. Und wenn sie angekommen ist, dann besitzt man – endlich – genug Nerven, sich nicht provozieren zu lassen. Heute, nach so vielen Nachrichten von unhappy Stinktieren, amüsiere ich mich ja, suche mir die allergiftigsten Zeilen heraus und veröffentliche sie.

Remember: Don’t react, don’t comment, just shut up. Was ungemein zum Seelen- und Weltfrieden beiträgt. Hurra, jetzt die beiden Mails vom 12.1.2020, ich danke euch, herzlich, Andreas.

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Schönste Mail der Woche / 29.4.2020
Cher monsieur, seit Jahren lese ich Ihre Bücher und bin auf jedes neue gespannt. Jedes Buch ist ein Genuss, nein, stimmt nicht, jedes Ihrer Bücher ist anstrengend und überraschend und rüttelt so manches Mal an den Grundfesten unserer vermeintlichen Toleranz. Für mich das Forderndste: „Frauen.Geschichten.“ Und darin der Satz der Cherokee. Weil er so grausam weit entfernt von dem war, was mir widerfuhr (ich sage es gleich – das ist vorbei). Kurzfassung: Seit 2006 lebe ich in Frankreich. Da hoffnungslos und unrettbar verliebt in dieses Land.  Und nie nie nie, auch nicht unter den Schlägen eines Mannes, nicht in Zeiten einer (kurzen) Obdachlosigkeit, nicht in Zeiten der Einsamkeit (da ich von meiner Freiheit trotz intensiver Liebesschwüre nicht – nicht mehr! – lasse) kam der Gedanke, dieses Land zu verlassen. Dafür kommt JEDEN Tag beim Aufwachen die Dankbarkeit über mich, hier leben zu dürfen. Und dann gehe ich mir einen Kaffee aufbrühen, trinke ihn am Fenster und weiß wieder, dass es niemand und nichts mit diesem Glück des Davongekommenseins aufnehmen kann. Und deshalb – schreiben Sie weiter.  Herzlichst, XY.

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Ruchloseste Mail der Woche / 29.4.2020
Vorbemerkung: Das ist durchaus witzig zu lesen! Nachdem ich als vampiristischer Narzisst, armes Würstchen, Soziopath mit einer abgründigen Persönlichkeit abserviert wurde, stellt sich die Dame selbst vor. Lest, amüsiert euch, man darf ruhig kichern. Nun zur Abrechnung.

„Was ich von Ihren „Frauen. Geschichten.“ halte: die traurige Nabelschau eines vampiristischen Narzissten, der sich als klassischer Soziopath auf alle und alles, aber nie auf das gefährlichste Abenteuer des Lebens eingelassen hat – hingebungsvolle Liebe. Weil Sie es schlichtweg nicht können, nie konnte, nie können wird. Ein ruheloser Beobachter, der alles auf-, aus- und leersaugt. Wen auch immer, wo auch immer. Und Weitergehen. Das ist Ihr Ding. So viel mitnehmen wie nur geht. Ein armes Würstchen. Seit Kindheit an. Und geblieben. Dumm gelaufen. Nur Ihre Geschichten und Schreibkunst machen Sie attraktiv. Nicht Sie. Na klar, der Super-Sex-Macho.  Ihre anderen Bücher sind besser. Nicht ganz so demaskierend für Ihre abgründige Persönlichkeit.

Wer ich bin? Selbst lang genug kindheitsgeschunden, mit einem Narzissten zusammen und beim Psychologen in Therapie. Aber glücklichst davongekommenen, dazu schön und schlau, hoch erfolgreich und geliebt.