Ihr Lieben,

bereits von mir angedroht, jetzt ist es so weit: Ich habe im Meer der weltweit greinenden Opfer ein neues greinendes Opfer entdeckt. In einer großen deutschen Zeitung, in der ein langes Interview mit einer dieser Geschundenen zu lesen war.      

      Eine ganze Seite bekam das Opfer, das schaurig erniedrigte, um sein Leid, das so übervolle und unerträgliche, vor uns auszubreiten. Eine gewisse Julia Shaw – Psychologin (!), Deutsch-Kanadierin – verkündet in dem Gespräch (und in ihrem neuen Buch) das schier Unsägliche: dass sie bisexuell ist. Da sich die Erdachse ob dieser nervenzerfetzenden Nachricht nicht in eine andere Richtung drehen will, dürfen wir nun vom Drama eines Bi-Lebens erfahren.

     Trigger warning: Bitte hier nur weiterlesen, wer frau oder manns genug ist, um die Einzelheiten des Höllenritts dieser jungen, attraktiven und elegant gekleideten Frau zu verkraften. Gelebtes Trauma mitten im barbarischen Europa des 21. Jahrhunderts, das kann so manche Leserinnen und Leser aus der Bahn schleudern, ja, sie für Jahrzehnte traumatisieren.

      Was also wirft Bilderbuch-Opfer Julia der Menschheit vor? Ach, die armen Bis – immer laut Julia – sind diejenigen, die sich am wenigsten oft outen, sprich, es nicht wagen, ja, nicht zu wagen imstande sind, das Unsägliche – das Bi-Sein – anderen zu verraten, es ihnen zuzumuten. Selbst in der LGBTQ-Community verstummen sie. Zu groß die Gefahr, vom Zorn der Queer-Gemeinde niedergebrüllt zu werden. Und – wie könnte es anders sein – auch bei (anonymen) Umfragen verschweigen die Bis ihre sexuelle Orientierung, da sie nie wissen können, was der hundsgemeine Staat mit diesen – anonymen, wohlgemerkt – Angaben anstellt. Sicher ganz Schreckliches. Denn Bi-sein gilt – stets gemäß den Offenbarungen unserer Frau Julia – bei den meisten acht Milliarden Zeitgenossinnen und Zeitgenossen als „dreckig“. Ja, gräulicher, als „dreckig, abartig, pervers.“ Es kommt, unfassbar, noch verheerender: Outen sich die Bis am Arbeitsplatz, dann hat das – wir ahnten es bereits – viel schlimmere Folgen als für Homosexuellen.

    Ach, das grausige Dasein in Julias Leben begann schon in der Pubertät. Sogar ihre Freunde und Freundinnen vergriffen (und vergreifen) sich im Ton, glaubten (und glauben) diese Barbaren doch glatt, dass die Bis „alle Menschen unterschiedslos attraktiv finden“. Mitnichten. Wie sagt es Julia so rundheraus: Ich finde nicht einfach jeden geil.“ Abgesehen vom eckigen Deutsch, wären wir nie auf die Idee gekommen, dass auch die Bis nur mit denen ins Bett hüpfen, die sie (zumindest) physisch reizen. Ja, es wird noch widerwärtiger in Julias Teenie-Jahren: Freunde und Freundinnen „schmeißen sich an einen heran“, denn die Bis sind – Julia weiß genau, wie wir Nicht-Bis über die Bis denken – „tendenziell Schlampen“. Deshalb müssen die Bis, Julia hat exakt mitgezählt, DREIMAL „nein“ sagen (bei den Nicht-Bis reicht einmal!), bis der Rest von uns Nachtwächtern, die Bi-Losen, kapiert, dass sie unerwünscht sind.

      Ach, Julia, ihre Pein ist grenzenlos. Liegt sie – ihre Suada als Opferschaf ist endlos – mit einer Frau in den Laken, hält man sie für homosexuell, turnt sie nackt mit einem Mann, ist sie heterosexuell. Man muss sich diese Ausweglosigkeit nur sinnbildlich vorstellen, um zu begreifen, dass Frau Julia gewiss mehrmals pro Woche am Abgrund steht. Denn ihre Bi-Identität  (Himmel, hört das Leid dieser Frau nie auf?) wird – mitten in der Kiste – „gelöscht“. Entweder von einem niederträchtigen Hetero-Rowdy, der keine unbekleidete Bi neben sich duldet, oder von einem bösen lesbischen Weib, das außer Rand und Band gerät, wenn sie wüsste, dass Julia, die weltweit Unverstandene, auch gern Männerglieder in sich spürt.

    Die Arme! Die Ärmste! Für die einen ist sie nicht „straight“ genug, für die anderen nicht „queer“ genug. Was folgt daraus? Ihr ahnt es längst: Doppeldiskriminierung! Was, ich wage es kaum hinzuschreiben, zu noch mehr Isolation, sorry, zu „großer Isolation“ führt. Wie gar nicht anders zu erwarten war, weiß die Welt natürlich nicht, wie sie „adäquat damit umgehen“ soll, wenn ein Bi-Mensch vergewaltigt wird. So ernst das Thema ist, aber man kann nur losprusten beim Lesen dieses Geschnatters. Als ob eine sexuell misshandelte Bi-Frau vom medizinischen Personal anders behandelt würde? Als ob die sexuelle Orientierung dem Opfer – jetzt haben wir tatsächlich ein Opfer – auf die Stirn geschrieben stünde. Als man ob sofort alle rettenden Maßnahmen unterbräche, weil jemand gerade herausfand, dass der schwer gedemütigte Mensch bisexuell ist. Wie hanebüchen blöd ist das denn?

      Frau Julia geriert sich gern als Wissenschaftlerin, als „Forscherin“, verweist in dem Interview immer wieder auf „Untersuchungen“ und „Statistiken“ in dem Interview. Das trifft sich gut, denn in derselben Zeitung wurde ihr Quellenmaterial in einem ihrer früheren Bücher als durchaus tauglich für „Partyplaudereien“ abgekanzelt.

     Das soll reichen, wenn auch das Schwadronieren noch Absatz für Absatz weitergeht. So viel Blech erschöpft. So viel vehementer Narzissmus legt lahm. Zudem ist niemandem von uns noch mehr Erdenleid, das der Plaudertasche – in ihren mythomanischen Exzessen – angetan wurde, zumutbar. Mehr Heulen und Wehklagen über ein solches Ausmaß an Kreuz und Jammer zermürbt unser aller Seelen.

    Darf ich kurz aus meiner ereignisarmen Existenz erzählen? Ich riskiere es: Ich war mit etwa einem Dutzend Bi-Frauen intim. Der Sex war gut oder weniger gut, in beiden Fällen war ich sicher mitverantwortlich. Das nur nebenbei. Viel wichtiger: Nicht eine – und ich führe ja brav Tagebuch – hat sich je über ihr Bi-Dasein beklagt. Nicht eine Silbe Gram entkam ihnen von wegen gnadenloser Umwelt. Im Gegenteil, die meisten genossen den Zustand des Andersseins, der Minderheit. Na klar, denn er versprach mehr Auswahl, mehr Fieber, mehr Sinnlichkeit. Manche waren so großzügig und brachten eine Freundin mit. Auf dass wir zu dritt das Leben feierten. Ich habe sie alle ausgefragt, wollte alles wissen über diesen (mir) fremden Kontinent von Gefühlen.

     Und hinterher habe ich sie alle beneidet. Um ihren Status. So sehr, dass ich selbst versuchte, bi zu werden. Und dabei hochkant scheiterte: mit einem Mann in Peru in einem peruanischen Hotelbett. Er war der Mann, ich war die Frau, die durchhielt. Bis zum Ende – wenn auch zuletzt vor Schmerzen in die Kissen beißend. Natürlich habe ich nichts bereut. Denn ich war um eine Erfahrung reicher und die Erkenntnis klüger, dass ich Männer mag. Aber nicht splitternackt neben mir. Und dass ich mich wohl in mein Schicksal ergeben muss, es nur zum Heterosexuellen geschafft zu haben.

      Zu ärgerlich, ich habe noch immer kein Trauma in mir entdeckt, das diese Nacht in mir hinterlassen haben könnte. Mit mir stimmt etwas nicht, haha. Nicht einmal zum vorbildlichen Opfer reicht mein Leben, merde. Vielleicht schaffe ich es noch in die Gruppe jener Leidtragenden, die gern bi geworden wären, doch die Gesellschaft und die miesen Menschen und das ganze vermaledeite Erdendasein haben ihnen einen verheerenden Strich durch ihre Pläne gemacht.

    Ich kenne übrigens ein paar Bi-Männern, einen von ihnen habe ich telefonisch erreicht und ihm das Interview vorgelesen. Die Lektüre dauerte allerdings, denn sie wurde immer wieder von seinem schallenden Gelächter unterbrochen. Er hat mich gebeten, ihm Miss Shaws Elendsjeremiade zuzuschicken, er will sie bei Bekannten zum Besten geben.

   Zurück zum Thema. Wie kommt es also, dass ich damals keine der glücklichen Bis lamentieren gehört habe? Obwohl ich mich ja hartnäckig für sie, für Körper und Hirn, interessierte, sehr achtsam zuhörte? Dafür gibt es sicher mehrere Antworten, die drei hier gehören dazu:

 

1 / Die kopflose Lust an Hysterie war noch nicht als sexy anerkannt worden.

 

2 / Diese Frauen hatten einfach nicht das Bedürfnis, jeder und jedem ihre erotischen Sehnsüchte in die Ohren zu blasen. Sie machten ihr Ding, waren noch nicht von dem neurotischen Zwang besessen, jedes Kinderpipi-Problem – wenn es denn ein Problem wäre –, der Welt aufzuhalsen. Sie pflegten noch, so sagen die Franzosen, ihren „jardin secret“, ihren geheimen Garten, in dem man genießt und Wert darauf legt, dass die Neidhammel und Spießer außen vor bleiben.

 

3 / Es gab, wie simpel, noch nicht so viele Medien, so viele Mikrofone, in die man mithilfe eines überkandidelten Egos – brechend voll von wichtig Tun und eitel Posieren – jedes Kinkerlitzchen den Mitmenschen aufbürden konnte.

 

Heute wissen wir, wie wenig es braucht, um sich als Opfer zu inszenieren. Ja, so wie es Multimorbide gibt, so gibt es Multiopfer-Betroffene, die nicht anders können, als mit ihren fünf Opferschnullern im Mund den Tag hinter sich zu bringen, sich auf Biegen und Brechen weigern, die Strampelhose abzulegen und in der Realität anzukommen.

     So passt als Abschluss die folgende Anekdote. Sie ist weise und leider nicht von mir. Ein berühmter Therapeut wurde gefragt, wie viele Frauen und Männer im Laufe seiner langen Tätigkeit auf der Therapie-Couch Platz genommen hatten. Und seine Antwort, so mitreißend formuliert: „Keine und keiner, nur Kinder kamen.“

 

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

 

Ps: Das Foto zeigt Hillary Clinton, das war und ist ein starker Mensch. Vor Jahren lass ich ein Interview mit ihr, in dem sie sich über das endlose Jammern lustig machte. 

 

 

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Ihr Lieben,

manche von euch sind grausam ungeduldig, und fordern von einem Verdienstvollen wie mich, haha, sich öfters auf FB zu melden. Nee, muss nicht sein, wir haben schon genug Geschwätz im Cyberspace. Zudem will ich immer die Lebenszeit meiner Leserinnen und Leser schonen. Versprochen jedoch, nach diesem Eintrag kommt in einigen Tagen etwas, was raus muss. Denn ich habe wieder ein neues Opfer entdeckt. Wieder eine Hysteriebombe. Wieder mal das Wundern über so viel eitle Dämlichkeit!

Hurra, aber jetzt muss vom Wunderknaben und Tausendundeinssassa Erik Lorenz berichtet werden. Er hat sich zusammen mit André Schumacher ein Festival ausgedacht – von Freitagnachmittag, den 26. August, bis Sonntagnachmittag, den 28. –,  das es in der Art nicht gab. Öffnet den Link bitte, und euch vergeht Hören und Sehen. Nur das Staunen bleibt. Auf dem Kunterbunthof in der deutschen Pampa.

Auch ich muss ran, uff, man glaubt nicht, mit welchem Nachdruck die Jugend einen Verdienstvollen hernimmt.

Nachdem ihr euch beruhigt habt, entscheidet euch. Es ist zwar ausverkauft, aber wenn ihr bettelt, dann lässt sich sicher was machen. Zudem gewiss ja einige absagen werden

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

https://weltwach.de/events/festival/ausgabe-4-andreas-altmann/

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Ihr Lieben,

Kristian Thees vom SWR 3 rettet das deutsche Radiowesen. Mit meiner Hilfe, haha. Er hat es tatsächlich geschafft, dass unsere Podcasts jetzt in der ARD Audiothek“ vertreten sind. Keiner kann so clever fragen wie er.

Titel der Sendung:
„Wir wollen keine Schwachen (US Naval Academy Annapolis)“

Link: https://www.ardaudiothek.de/sendung/die-welt-von-a-bis-a/10004725

 

Text des Senders:
An diesem Ort sind die Schwachen unerwünscht. An der Marineakademie der USA in Annopolis, Maryland, wo nur 10 % der Bewerber die erste Runde überstehen. Nicht nur das Gelände hat Andreas beeindruckt, sondern auch einige Sätze, die dort fallen.

 

Text von mir:
Ich bin kein radikaler Pazifist. Ich bin für den Frieden und nicht gegen den Krieg. Wenn er denn sein muss. Wir alle wissen, worauf ich anspiele. Verstehen werden es nicht alle, auch nicht die Putin-Versteher, die einfach gern Buddy sind mit einem Massenmörder. Und die schon immer wussten, dass alles Böse, was in der Welt umgeht, vom bitterbösen Westen inszeniert wird. Wie sagte es Blaise Pascal – ich habe ihn schon öfters zitiert, aber sein Satz ist olympiareif, er ist zu grandios, er muss nochmals raus: „Nichts ist so gerecht verteilt wie das Hirn, jeder glaubt, genug davon zu haben.“

Ich bewundere jeden (jede), der für seine Freiheit sein Leben riskiert. Für seine Freiheit und die Freiheit seiner Heimat. Klar, wenn von außen Gefahr im Verzug ist. Und nicht, weil ein Wahnsinniger zum Morden und Schlachten aufruft. Und ich mag Leute treffen – ich spiele auf die Reportage in der Naval Academy“ an –, die im richtigen Moment stark sind. Wer meine Bücher kennt, weiß, dass ich die Schwachen nicht ertrage. Mich auch nicht, wenn es mir passiert. Ich mag Frauen und Männer, die nicht jedes Wehwehchen in die Welt trompeten. Die noch imstande sind, den Rest der Menschheit mit ihren Pippi-Problemen zu verschonen. Die nicht bei jedem schrägen Blick uns ihr Trauma vorwimmern. Menschen, so einfach, die ihre Analphase schon hinter sich haben und inzwischen Erwachsen geworden sind

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

 

Ps: Noch eine Anekdote. In den USA wurden 5000 freiwilligen Probanden gesagt, dass sie gegen Covid-19 geimpft werden. 2500 von ihnen bekamen einen offiziellen Impfstoff gespritzt, den anderen 2500 wurde – ohne sie darüber zu informieren – nur ein Placebo verabreicht. Jetzt festhalten: 74 (vierundsiebzig!!!) Prozent derjenigen, die nur ein Placebo bekamen, beschwerten sich anschließend über Beschwerden. Ist das nicht hinreißend, was Hysterie alles vermag.

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Ihr Lieben,

heute kommen zwei Mails. Die erste erfreut den Autor, viel bespuckt, viel geschmäht, natürlich. Freundlichkeiten Fremder taugen sicher gegen die Anwürfe des Alltags. Und immer diese Überraschung: wie Sprache beim Leben mithelfen kann. Wie sie bei jemanden ankommt, wie er sie interpretiert und daraus Konsequenzen zieht. Viele ziehen keine Konsequenzen, sie schmoren weiter im Unglück. Freud würde sagen, sie sind noch nicht genug unglücklich, um zu reagieren. Wie auch immer, der heutige Schreiber kam davon.

Die zweite Mail ist gewiss nicht ruchlos, sie erstaunt eher, ja, erheitert. Mir ist oft ein Rätsel, in was sich Leute – Frauen wie Männer – hineinsteigern können. Wie der Wahn sie in Gefühle jagt, die absolut nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben. So will ich wieder an meinen Roshi, meinen einstigen Zenmeister in Japan erinnern. Sein Satz ist ordinär und wunderlich weise: „Just stay fucking normal.“

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

 

Erste Mail:

Lieber Andreas,

( … ) Warum ich dir aber auch schreibe? Weil ich danke sagen möchte. Ganz nach Meister Eckhard: „Wäre das Wort Danke das einzige Gebet, das du sprichst, es wäre genug“. Ich bin absolut kein gläubiger Mensch aber diesen Satz mag ich.  Also: Danke! 🙏 Deine Bücher befeuern!  Deine Worte holten mich schon so viele Male ab. Sie schenken – noch immer und immer wieder – Inspiration und Hoffnung. Aber auch Denkanstöße und nicht selten auch Stöße in den Hintern. Alles oft so bitter nötig.  So habe ich in den letzten Jahren – nicht durch aber auch durch deine Bücher – gelernt, anders mit dem Leben umzugehen. Mit Depressionen, einer Cannabis Sucht, Essstörung, einem bindungsgestörten Vater und einer überängstlichen Mutter, einem durchaus überforderten Patchwork-Konstrukt, einer oft rätselhaften Welt und einer langjährigen (Scheiß-) Beziehung, die zum Glück der Vergangenheit angehört.  Sodass ich heute sagen kann, ich liebe mich und das Leben – mein Leben. Ich kann heute so viel Schönes sehen und freue mich auf alle intensiven Momente voller Wachheit, die als Kostbarkeiten in meiner Erfahrungsschatzkiste landen – die guten wie die schlechten. Ich freue mich darüber, am Steuer zu sein. Danke für das Signieren deiner Bücher. ‚Gebrauchsanweisung für Heimat‘ habe ich dieses Wochenende in Belgien am Meer gelesen.  Vielen Dank auch für die kurze Anekdote zur „Entschlossenheit“.  Ja, ich bin wütend und sehnsüchtig und fest entschlossen, mein eigenes Leben zu leben. Alles Liebe. XY.

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Zweite Mail:

Vielleicht eine kurze Vorbemerkung, um den Zusammenhang besser zu verstehen. Ich wurde nach den Konditionen für die Schreibwerkstatt gefragt und ich verwies auf jene Art Frauen und Männer, die ich mir dafür vorstelle. In der Mail an mich steht übrigens, dass ich stumme Menschen nicht mag. Haha, ich wünsche mir fünfzig Mal pro Tag, dass jemand den Mund hält, anstatt sein / ihr Blech in die Welt zu posaunen. Jetzt geht’s los.

 

Lieber Andreas Altmann,

aus der Nummer kommen Sie nicht ungeschoren heraus. Hier Ihr Text:

Erwünscht sind:

Sprudelfrauen

Sprudelmänner

Wissenshungrige

Fragende

Neugierige

Sprachverliebte

Lebensverliebte

Vehemente

Als ich das gelesen habe, war ich fix und fertig. Das waren schon klare Worte von Ihnen. Hätten Sie so nicht schreiben müssen. Jeder Fan müßte Ihnen doch willkommen sein (für zwei Stunden!).  –  Ich bin nur ein ganz normaler Mensch, kein überirdisches Wesen! Eher ein bisschen zurückhaltend. Ich muss Sie ja auch nicht unterhalten. Ich weiß, stumme Menschen mögen Sie nicht, aber man kann auch beredt schweigen. Kann man wirklich! Sprechen kann ich allerdings auch, wenn die „Chemie“ stimmt. – Man weiß es vorher aber nicht. Ja, ich habe sogar weinen müssen über Ihre „Auswahl-Kriterien“. Ihre Erwartungshaltung ist einfach zu hoch. Aber diese Wunderwesen wird’s wohl geben, nur ich bin es nicht.  Und es tat auch richtig weh, weil Sie mich damit von der Teilnahme am Preisrätsel ausgeschlossen haben. (so war mein Gefühl) Im Übrigen, der Gewinner/die Gewinnerin ist ja nicht zu Ihrem Vergnügen da, umgekehrt wird ein Schuh daraus. Ich glaube, das sagt man so.

Und Sie machen es sich auch zu einfach: Abendessen und dann weg. (Für zwei/drei Stunden nach Paris kommen?) Z.B.: Wenn ich den Preis gewinnen würde, möchte ich doch ein bisschen mehr. Vielleicht Spazieren gehen an der Seine (auch bei Schlechtwetter), zum Platz de la Concorde laufen, zur Künstlermeile Kathedrale Notre-Dame, dann zu Abend essen.  Das wäre ein toller Preis für mich – ein wunderschöner Tag mit Andreas Altmann!  Aber keine Sorge, sollte ich gewinnen, werde ich den Preis nicht annehmen. Ich würde zu sehr unter Druck stehen. Bestimmt würde mein Kreislauf vor lauter Aufregung zusammenbrechen, wenn ich Ihnen gegenüberstehe. Nachdem ich mich wieder aufgerappelt hätte, wäre ich wohl verstummt. Sprachlos in Paris. Das wäre dann der Supergau. (Ich mag Sie schon sehr, ja so sehr, dass ich über Ihre Ecken, Kanten und Fehler großzügig hinwegsehe.) Die Lösung: Den Preis würde ich gleich anderen Teilnehmern zur Verfügung stellen, die das sicherlich besser wuppen als ich. Ich habe mich sehr gefreut, dass Sie auf meine Mail reagiert haben. Habe ich nicht erwartet. Ich dachte vielmehr, jetzt ist er froh, dass er mich endlich los ist. – Wäre auch so. Ich hätte Ihnen niemals mehr geschrieben, ich hätte es einfach nicht mehr gekonnt.  – Wollten Sie zu Ihrem Fan nett sein? Hätten Sie nicht gemusst, da ich schon alle 22 Bücher habe. Ich würde auch ohne zu zögern das 23. kaufen.  Nun ist die Welt wieder in Ordnung für mich! – Ich kann jetzt entspannt am Preisrätsel teilnehmen, ohne gewinnen zu müssen. Liebe Grüße, Ihre XY. Ihre Bücher würde ich nie verbrennen, nie! Das habe ich nur aus Wut und Enttäuschung geschrieben. Bisschen Verzweiflung war wohl auch dabei.

 

 

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Ihr Lieben,

das Leben ist gerade freundlich mit mir, hurra! Rowohlt hat die NEUNTE Auflage des maßgeblichen Buchs über Indien, haha, gedruckt.

NOTBREMSE NICHT ZU FRÜH ZIEHEN! – Mit dem Zug durch Indien

Wer dieses Buch nicht liest,  darf nicht nach Indien.

In diesem Sinne danke, herzlich, Andreas.

 

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Ihr Lieben,

danke fürs Mitmachen.

Ich habe Namen gelesen, so lustig und absurd, dass ich mich fragte, mit welchem Buch hier „Bloßes Leben“ verwechselt wurde.

Danke, ich küsse euch allen die Fingerspitzen und kichere noch immer vor mich hin.

Danke, herzlich, Andreas.

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Ihr Lieben,

hier, wie vereinbart, kommt auf FB und HP die Frage aller Fragen.

Und nochmals: Nur antworten, bitte, über meine Mailadresse, die auf meiner Homepage steht. Antworten auf FB sind null und nichtig.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

PS: Und nie vergessen, alles nicht so wichtig, nur ein Spielchen.

DIE FRAGE: 

In „Bloßes Leben“ lerne ich eine kluge Frau kennen, die sich einen „real estate shark“ nennt. Wie heißt diese Frau, ihr Vorname?

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Ihr Lieben, 

hurra, heute wieder ein neuer Podcast, nochmals aus Island. Aber das Land ist der Hammer und das muss die Welt wissen, haha.

Titel der Sendung

Die bürgerliche Moral liegt danieder.

Link

https://www.swr3.de/wir/audio-reihen/die-welt-von-a-bis-a-100.html

Wer es denn wissen will: 

Am 24. Mai um genau 20 Uhr steht auf meiner Homepage und auf Facebook die EINE Frage aus „Bloßes Leben“. Von wegen Rätsel. 

Wer sie als erste/r beantwortet – NICHT über FB, sondern nur über meine Mailadresse, die sich auf meiner HP befindet –, soll belohnt werden:

Eins: 200 Euro für Spesen (Fahrt und Übernachtung in Paris.

Zwei: Dinner mit AA.

Drei: Hundert Fragen dürfen gestellt werden, dann habe ich fertig.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

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Ihr Lieben,

hier das Wichtigste vom Tage: Die NEUNTE Auflage von „Gebrauchsanweisung für die Welt“ ist auf dem Markt. Da steht praktisch alles drin, was ihr zum Thema wissen müsst, haha.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Ps: Hier die ersten Absätze aus der Einleitung. Als Warnschuss, damit nicht die Falschen das Buch kaufen.

In einer bekannten Wochenzeitung las ich einen Artikel über Martin M. Der 19-Jährige war bislang nur als Faultier aufgefallen. Immerhin hatte er sich inzwischen die verbale Munition zurechtgelegt, um sein träges Dasein zu rechtfertigen: „Die Scheiß-Merkel, die Scheiß-Gesellschaft, alles scheiße.“ Sogar vor der Hauptschule war er davongelaufen. Seitdem siechte er vor der Glotze, streichelte den Hund, versteckte seine faulen Zähne hinter einem gepressten Lächeln und lebte von Hartz IV. Bis er – unerreichbar für jedes Angebot – „auf null gesetzt“ wurde. Damit er nicht verhungerte, gab es Lebensmittelgutscheine. Die er nie abholte. Sicher zuviel Stress, sicher zu früh aufstehen. Lebte er doch bei Mutti. Als Muttersöhnchen. Er war der „no-future-no-bock-no-nothing-man“. Er brauche, sagte er noch, „jeden Tag eine Adrenalinspritze“. Aber die könne der Staat ihm nicht bieten. Wie wahr!

     Armer M.M., er hat wohl noch nie von der Welt gehört, nie und nimmer vom Reisen in die Welt. Existiert doch kaum etwas anderes im Universum, das mehr Kicks verschafft, als Abhauen und Abheben. Adrenalinbomben würden auf ihn niedergehen, ein Herzflimmern nach dem anderen ihn jagen.

      Besteht beim Starren auf einen Plasmaschirm die tägliche Gefahr, dass die Hirnrinde schmilzt, so wird ein Reisender jeden Tag reicher: weltreicher, geistreicher, geheimnisreicher. Er lebt ja, ranzt nicht als Kartoffelsack auf seiner Couch. Ob Martin je aufwacht? Oder schmiedet er weiter unbelehrbar sein Unglück?

    Soll keiner ihn in Schutz nehmen und behaupten, ohne Geld ginge nichts. Warum macht er es nicht wie andere 19-jährige Unersättliche, geht zur nächsten Kreuzung und streckt den Daumen raus? Und zwängt sich hinten rein, schnorrt, bettelt und lügt das Blaue vom Himmel herunter? Nur um vom Fleck zu kommen. Jede Art des Reisens ist ein Weg der Welterkenntnis. Ob im Fond eines Trabis (ich war dabei) oder als beinloser Invalide in einer Sänfte (in Kaschmir gesehen). Nur wach muss einer sein. Weltwach. Nur platzen vor Neugierde.“