Hinweis auf Michael Hanekes Film und Andreas Altmanns Biografie:

Michael Hanekes "Das weiße Band" und Andreas Altmanns Biografie

Ihr Lieben,

da die Medien wieder voll sind von den Umtrieben unserer allein selig machenden katholischen Kirche, alias Kindsmissbrauchs-Bande numero uno, angesichts der Tatsache, dass wieder – ob in Australien, in Chile, in Irland oder sonstwo in der Welt – die Pfaffen-Gottesmänner vor Gericht von sich Reden machen, angesichts der Tatsache, dass der schrullige Winkegreis in Rom doch tatsächlich glaubt, sagen zu müssen: „Wenn eine Person homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, um über ihn zu richten?“, der Herr „Stellvertreter Gottes“ gar nicht kapiert, wie ungeheuer beleidigend ein solcher Satz ist: als ob es irgendetwas an Schwulen zu „richten“ gäbe. Das kommt mir so vor, als wenn ein Frauenverächter sagen würde: „Wenn eine Person weiblich ist und Gott sucht und guten Willens ist, wer bin ich, um über sie zu richten?“. Sprich, Frauen sind grundsätzlich zu richten, aber wenn sie den katholischen Pfaffengott anbeten und sonst brav parieren, dann ja, okay, dann wollen wir sie nicht „richten“. Haha, man will schreien über so viel moralische Anmaßung.
Wie auch immer, ein Mensch – keine Ahnung ob Frau oder Mann, da „anonym“ – hat eine Arbeit mit dem Titel: „Michael Hanekes „Das weiße Band“ und Andreas Altmanns Biografie. Die Vereinbarkeit von Literatur und Film im Unterricht. – Eine Analyse“ vorgestellt. Es geht in beiden, im Film wie im Buch, um die verheerenden Auswirkungen, die christlich-religiöse „Sexualerziehung“ auf Mädchen und Jungs hat. Sie, diese Erziehung, dieser Hass auf Eros und Lust und sexuelle Erregung ist ja dafür mitverantwortlich, dass so viele christliche Seelen-Pfaffen-Krüppel sich an Kindern vergreifen.

Ich danke euch, herzlich, Andreas.

Hier noch ein Auszug aus „Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißlegen meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend“:

“ ….Wochenlang hatte ich auf Manfred eingeredet. Mein Anliegen klang befremdlich, aber so war es: dass wir gemeinsam ins Bett gingen und uns nackt auszögen. Und uns dann – so mein bis zuletzt verschwiegener Plan – gegenseitig „untersuchten“. Wenn überhaupt, dann kam für das Unternehmen nur er in Frage. Stefan zu bitten, war keine Option. Wir lebten nebeneinander her, ohne irgendein Interesse füreinander, ohne geistige Intimität.
Manfred zauderte lange, aber eines Abends durfte ich zu ihm unter die Decke. Instinktiv fühlte ich, dass ich jetzt mehr Mut zeigen musste als er. Um ihn und seine Ahnungen zu überrumpeln. Auch trieb mich die Furcht, dass er einen Rückzieher machen würde. So griff ich nach seinem Schwanz. Abrupt und ohne „Vorspiel“, von dem ich nichts wusste. Und ohne Flüstern und Beruhigen. Himmel, was für ein Ding, was für ein Männerding. Von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem 16-Jährigen und mir konnte keine Rede sein. Und ich ließ sein Ding nicht los und etwas Phänomenales passierte, über das ich bisher nur hatte reden hören, es jedoch nie gesehen, geschweige denn selbst erlebt hatte: Sein Schwanz wuchs in meiner Hand, pochte, dehnte sich, wurde dick und lang und hart, lag nach Sekunden wie ein Maiskolben zwischen meinen Fingern. Manfred grinste, fast entschuldigend. Als wollte er sich nicht anmerken lassen, was wir beide jetzt wussten: dass er schon ein Mann war und ich noch ein Kind. Ohne Erektion, ja, ohne Schamhaare. Ich holte das Lineal aus meinem Schulranzen und legte an. An uns beide, an seine Erektion und an meinen Unbeweglichen. Und ich war nervenstark genug, die Maße aufzuschreiben, Länge und Umfang. Als Belege einer schweren Stunde.
Nun, mein Körper war ein Fehler. Nichts an ihm war, wie es sein sollte. Trotzdem, irgendwie tröstete mich das Wissen, das mir ab dieser Stunde gehörte: Ein Schwanz erregte sich und wurde ein „Ständer“, konnte somit in eine Frau eindringen, konnte sie „ficken“. Jetzt begriff ich, wie das „Liebe machen“ – den Ausdruck hatte ich auch schon gelesen – funktionierte. Es gefiel mir nicht. Es widerte mich an.
Zwölf Stunden später schauten Manfred und ich uns nicht mehr in die Augen. Plötzlich kam das längst eingetrichterte Gift in uns hoch, die beispiellose Wut auf Nacktsein und Geschlechtsorgane. Wie eine Seuche hatte es sich bereits in unser Denken gefressen. Via Religionsunterricht, via Fotzen, via Schuldgefühle. Ich suchte nach dem Schulheft, in dem stand, was uns einst eingebläut worden war. Und ich fand es, hatte es damals direkt aus dem „Lob Gottes“ kopiert, Stichwort Heilige Reinheit: „Habe ich freiwillig Unkeusches gedacht oder aus böser Lust angesehen oder angehört oder geredet oder gelesen? Habe ich freiwillig und mit Wohlgefallen ein böses Verlangen gehabt, Unkeusches zu sehen, zu hören oder zu tun? Habe ich Unkeusches allein getan? Habe ich Unkeusches mit andern getan? (Gib bei diesen Sünden die Zahl an, so gut du kannst.)“
Ein Strom nach Sühne und Bestrafung schreiender Bilder zog durch meinen Kopf: ALLES das hatten wir getan, uns angefasst, „unkeusch“ angefasst, unkeusch gespielt, angestarrt, immer wieder angestarrt, Lust empfunden, unkeusche Fragen gestellt, unkeusche Worte gesprochen, Haut an Haut, stundenlang, ohne Zahl. Ja, unsere Verwerflichkeit zählte doppelt, reichte tiefer, so tief, dass es von den Verfassern des Gebetbuchs überhaupt nicht in Betracht gezogen worden war: zwei „Männer“ hatten aneinander gesündigt, zwei „Perverse“, zwei „Kranke“, deren Laster nur in der Hölle enden konnten.
Wir sprachen die nächsten Tage nur das Nötigste miteinander. Und nie wieder über diesen Abend. Jeder musste mit seiner Scham selbst fertig werden. Hilfe bei einem Erwachsenen suchen schien undenkbar. Hätte Vater davon erfahren, er hätte uns lebendig begraben. Um Schande abzuwenden von sich, vom Namen Altmann, vom Geschäft der grandiosen Scheinheiligkeit. Als zwei schwule Söhne hätte er uns gegeißelt. Hätte auch nie verstanden, dass wir nicht homosexuell waren (und nie würden), sondern wie zwei Halbwüchsige handelten, die suchten, sich suchten.
Der Abend war einmalig und kam nie wieder. Im Gegenteil, wir wurden schamhafter als zuvor. Gingen wir schlafen, dann zogen wir uns bis auf Hose und Unterhose aus, stiegen jeder in sein Bett, entledigten uns unter der Bettdecke beider Kleidungsstücke und zogen hastig den Schlafanzug an. Alles im Dunkeln. Wir haben über den Irrsinn nicht diskutiert. Auf abstruse Weise beschützte er uns, gab uns stillschweigend die Gewissheit, dass sich die Schande nicht wiederholen würde.
Ich hatte mein geistiges Immunsystem überschätzt. Hatte noch kurz vor dem Abend mit Manfred geglaubt, dass die religiöse Gehirnwäsche, die Gehirnverschmutzung, dieser rastlose Zorn auf die Freuden des Körpers, weniger drastisch an mir vorübergegangen wären. Wie irrig: Wie ein Kind leichter als ein Erwachsener Fremdsprachen lernt, so lernt es leichter, die Giftsuppen zu schlürfen, die ihm die katholische Kirche jeden Tag servierte. Und so schluckte ich löffelweise die Tücke der Leibsünde, der Freudesünde, ließ mir meine Gefühle, meine Kindergefühle, verpesten vom „allein seligmachenden Glauben“, schluckte begierig die Kotze von Schuld und Frevel.
PS: Dass zwei Seiten vor dem Eintrag zur „Heiligen Reinheit“ der Hinweis stand, dass Katholiken, die einem „Freidenkerverein“ beitraten, schwer sündigten, sollte nicht überraschen. Frei denken! Da sei der Beelzebub vor.