Kritiken zu „Verdammtes Land“

Verdammtes Land - Eine Reise durch Palästina

Verdammtes Land – Eine Reise durch Palästina

Wieder ein schüchterner Kommentar von Andreas Altmann

diesmal zur „Verdammtes Land“-Kritik in der Süddeutschen Zeitung, von Eva-Elisabeth Fischer.

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Unfassbar, aber die Süddeutsche Zeitung hat ein Buch („Verdammtes Land / Eine Reise durch Palästina“) von mir gelobt, sogar die „Sprachgewalt“ des Autors erwähnt.

Bernd Graff / SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:

Der Schriftsteller Andreas Altmann ist ein Mann deutlicher Worte und noch deutlicherer Taten. Mag sein, dass die Wortgewalt und das robuste Handeln der Mentalität seiner Heimatstadt Altötting, dem Passionsspielort, zu verdanken ist. Mag sein, dass die unverblümte Art sich auch aus Erfahrungen in Zen-Klostern herleiten.

Jedenfalls beginnt der Reise-Autor Altmann sein Buch über die Erfahrungen seiner Palästina-Reise mit diesen drastischen Worten: “Wer ein Buch über diese Weltgegend schreibt, wird scheitern. Israel und Palästina, das ist ein Brandherd, der nicht aufhört zu lodern. Seit über sechzig Jahren entzündet er die Gemüter. Und keine Vision weit und breit, um die zwei Völker zu versöhnen. … Ich riskiere es trotzdem: noch ein Buch abzuliefern. Weil mich inzwischen jede Illusion – die Antwort zu finden – verlassen hat. Und weil ich nichts als Geschichten erzählen will. Von den einen, die andere quälen und erniedrigen. Und den anderen, die gequält und erniedrigt werden.”

Altmann nennt das angeblich “Heilige” Land darum – so sein Buchtitel – ein “Verdammtes Land”. Und fragt sich: Kann es sein, dass dieser Flecken Erde darum seit Generationen so verdammt ist, weil er Vertretern verschiedener Religionen auch aus völlig unterschiedlichen kultur-historischen Herkünften “heilig” ist? Altmann geht darum ganz nah ran: Er spricht mit Menschen, Künstlern, den unmittelbar Betroffenen, den Vertretern der Religionen. Und er versucht herauszufinden, woher der unbändige Hass kommt? Natürlich gibt er darauf keine endgültige Antwort, aber er notiert Antworten (und den Hass), die unmittelbar uns ansprechen.

Altmanns eigene Antworten, die in die Fülle von Reportagen und Augenzeugenberichte einfließen, sind nie endgültig oder diffamierend, aber sie werden nicht allen gefallen. Wie etwa sein Fazit nach der Lektüre eines Artikels in einer israelischen Zeitung, der Israels Handlungen gegenüber den Palästinensern rechtfertigen will mit dem Verweis auf die Gräuel der Menschenschlächter anderer Herren Länder: “Aber heute reden wir von Israel. Wir reden ab dem Tag nicht mehr (schlecht ) von diesem Land, an dem es aufhört, anderen ihr Hab und Gut zu stehlen. Aufhört, ein anderes Volk zu erniedrigen. Aufhört, diese jedes Völkerrecht missachtende Besatzung – via Schandmauer, via Besiedelung, via Hunderte Checkpoints und Tausende Soldaten – fortzusetzen. Dann freuen wir uns: über Israel, über Palästina, über zwei, die es geschafft haben, als zivilisierte Nachbarn nebeneinander zu existieren.” Diese auch fordernde Hoffnung, auch sie steckt unverblümt in Altmann mehr als 300-seitigem Reportagebericht.

WIENER ZEITUNG

„Mit “Verdammtes Land” gelingt Andreas Altmann wieder eine beeindruckende, konsequent subjektive Reisereportage: “Wer ein Buch über diese Weltgegend schreibt, wird scheitern.” Spannt der erste Satz in Andreas Altmanns Buch über Palästina bereits das erste Band für ein gut geknüpftes Sicherheitsnetz? Nein, er verweist nur darauf, dass Palästina auch in schriftstellerischer Hinsicht Krisengebiet ist. Minen überall, die jederzeit ein gut durchdachtes Konzept in wirre Einzelteile zerfetzen können.Wie soll man in einer Gegend der allseitigen politischen und sozialen Ungerechtigkeiten, inmitten des Nahostkonfliktes, dem Thema gerecht werden? Altmann nimmt die Herausforderung an, nicht als Weltverbesserer und Besserwisser, sondern aufmerksam und achtsam, aber dennoch gewohnt selbstbewusst. Das Schreiben, seine geliebte Sprache, hat er dabei auf seiner Seite, sie ist sein Schutzschild gegen Borniertheit und Starrsinn:
“Mit dem Schreiben über das Unglück kommt das Glück, nein, das nicht, aber etwas wie: das Schwerwiegende aushalten. Denn mit jedem Wort wird die Welt leichter, weniger zudringlich.” Wobei „Altmann im Heiligen Land” ein Abenteuer mit besonderen Spannungselementen darstellt. Ihm ist doch auch hier nichts heilig, oder? Tatsächlich begegnen ihm an allen Ecken predigende und fanatische “Religioten”, wie er sie nennt. Aber es gibt auch viele Begegnungen mit differenzierenden, reflektierenden, sensiblen Menschen, Begegnungen, die nicht an der Oberfläche bleiben. Während sich andere noch fragen: “Bombe oder keine Bombe?”, stellt Altmann die Frage nach dem Glück und löst damit seelische Detonationen aus. Derartige Offenheit ist immer entwaffnend, auch in einer Gegend mit so viel Waffenpräsenz. Die palästinensische Tragödie ist dennoch in jeder Zeile präsent, gerade oft auch in schönen Momenten. Trost spenden die vielen “kleinen” Gesten und Handlungen, z. B. wenn israelische Frauen regelmäßig palästinensische Kinder für einen Tag zum Baden ans Meer einladen.
Altmann wagt sich auch diesmal in kritische, nicht ungefährliche Situationen, aber er ist kein abgebrühter Irrläufer, der leichtsinnig seine Existenz aufs Spiel setzt, weder seine leibliche noch seine künstlerische. Er schildert seine Erlebnisse wie in allen seinen Reisebüchern aus konsequent subjektiver Sicht, erzählt Geschichten, spricht mit Juden, Muslimen und Christen und verteilt seine Sympathien nach menschlichen Gesichtspunkten und nicht nach Staats- oder Religionszugehörigkeiten. Er lässt sich mitreißen, macht aus seiner Abscheu gegenüber politischer Arroganz kein Hehl und zeigt, dass das Private nicht vom Politischen zu trennen ist. Auch maßt er sich kein betroffenes Mitempfinden an, aber er bleibt dran an den Menschen und Ereignissen.
Manchmal braucht es dazu weder große Aktionen noch große Worte: “Ich gehe auf einer Straße, die nur von den Siedlern benutzt wird, eine der vielen separation roads. Nur Autos und Lastwagen, keine Fußgänger. Irgendwo bellt ein Hund und er bellt wie einer, der jeden hasst, der vorbeikommt.”

BADISCHE ZEITUNG

Andreas Altmanns Palästina-Buch: Hoffen auf Frieden
Was soll da noch überraschen?! So viel ist schon über den israelisch-palästinensischen Konflikt geredet und geschrieben worden, dass es kaum möglich scheint, etwas Neues, Unerwartetes beizusteuern. Doch wenn sich ein so besonderer Reiseautor wie Andreas Altmann an das Thema heranwagt, muss ein lesenswertes Buch herauskommen: schonungslos, direkt und gewagt, wie seine Autobiographie “Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend”.
Für sein neues Buch hat sich Altmann auf eine Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete begeben – allein. Er lässt sich treiben, immer bereit, sich auf die unterschiedlichsten Menschen einzulassen: Taxifahrer, Politiker, Flaneure, Gäste der so zahlreichen Cafés, Hotelbesitzer, Journalistinnen, Juden, Christen wie Muslime. Obwohl er viele von ihnen eben erst kennengelernt hat, entlockt er ihnen rührend persönliche Geschichten über ein Leben in einem schwierigen Landstrich, geprägt von Gewalt, Besatzung und Hass. Was ihn erstaunt: Viele der ganz normalen Menschen in den Palästinensergebieten reden nicht feindselig über die israelischen Nachbarn, eher resigniert. Auch in schwierigsten Situationen versuchen sie noch ein kleines Stück Glück zu finden, die Hoffnung auf ein besseres Leben in Frieden.
Das Besondere an diesem Buch ist: Altmann zeigt zwar großes Verständnis für die Nöte der Palästinenser – deren Eingesperrtsein für ihn eine kaum zu ertragende Freiheitsberaubung ist. Er schlägt sich aber nicht blind auf eine Seite, wie das leider so oft geschieht in diesem heiklen Konflikt. Bei allem Verständnis für die Palästinenser schimmert auch seine Liebe und Bewunderung für seine jüdischen Freunde, für israelische Schriftsteller wie etwa David Grossmann, für Menschenrechtler und andere Weltverbesserer durch. Immer wieder betont er, dass es doch eigentlich möglich sein müsste, dass beide Völker zusammenleben.

Die ganze Kritik hier