
Getrieben
Stories aus der weiten wilden Welt
Verriss:
WWW.LITERATURKRITIK.DE: Altmann, der Pointenverhaspler… Dramaturgisch sind die Geschichten dabei dürftig: Zumeist erzählt Altmann bieder chronologisch und verhaspelt sich bei den Pointen. In einer Geschichte fädelt er einen Versicherungsbetrug ein. Dafür muss er… Es soll nicht verschwiegen werden, dass die Erzählungen zum Teil aufregend sind, wenngleich auch eher nach Art einer saftigen Räuberpistole: Altmann geht ins Bordell und wird ausgeraubt, er gerät auf schlechte Drogentrips, er versucht es mit schwuler Liebe und beschreibt das im Detail. Das hat Sensationswert.
Lobreden:
DER TAGESSPIEGEL: Lesen und Reisen…Er selbst sieht sich als Reporter von Ereignissen, nicht als Journalist – wohl auch, weil er sich dagegen sträubt, den Ansprüchen objektiver Berichterstattung zu genügen. Daher sind die Geschichten des Weltenbummlers und Egon-Erwin-Kisch-Preisträgers Andreas Altmann hemmungslos subjektiv. Vor allem aber ist die Welt für ihn eine unermesslich große Bühne, auf der nur ein Stück gespielt wird: Altmanns Lust auf Leben, Leichtsinn und Abenteuer. Hier ist er in seinem Element…Altmanns Lebensphilosophie schwankt zwischen ständigem egoistischen Hunger nach Wunscherfüllung und mitmenschlicher Anteilnahme. So nimmt Altmann den Leser in der Geschichte “Im Angesicht des Todes” mit auf die Reise in ein buddhistisches Klosterhospiz, in dem Aidskranke eine letzte Zuflucht vor dem sicheren Tod finden. Beeindruckend, wie der Reporter hier bei tropischen Temperaturen bis zur völligen Erschöpfung den Patienten Zuwendung gibt…In der Geschichte “Celeste” dagegen treibt ihn die gleichermaßen leidenschaftliche wie romantische Liebe zu einer schönen Frau von Paris aus um die Welt. Hier ist er ein wahrlich Getriebener…Jemanden für immer lieben und eine gutbürgerliche Ehe führen? Auf 32 Seiten werden wir Zeuge dieses Ringens: einerseits Liebe, andererseits Freiheit.
AUGSBURGER ALLGEMEINE: Leben spüren…Es gibt nur zwei Möglichkeiten: lieben oder lassen. Dazwischen gibt es nichts. Wer Andreas Altmann nicht ertragen kann, findet in ihm einen würdigen Gegner, denn auch er hat es nicht mit den Grautönen. Natürlich bleibt sein ausgeprägtes Ego nicht zu Hause, wenn er auf Reisen geht, – dafür ist es aber auch wesentlicher Bestandteil seiner außergewöhnlichen Berichte von allen Ecken der Erde. Getrieben, Stories aus der weiten wilden Welt, ist ein etwas anderes Altmann-Buch. Anders, weil sich der Reporter etwa an Liebesgeschichten wagt. Zugleich ist es typisch für ihn, weil er nicht daran denkt, zu schonen – weder sich noch seine Leser. Das macht die Sache spannend. Altmann geht an die Grenzen (am liebsten einen Tick weiter), sammelt unerhörte Erfahrungen, sucht größtmögliche Intensität…Aber auch: Hinein in die Welt dieses Büchertrinkers, in die Poesie eines geschenkten Moments und das menschliche Unvermögen. Erzählt Altmann von Schmerz, Niederlagen und diversen Abstürzen aus der Welt.
DEUTSCHE WELLE: Da ist man nun seit mehr als dreißig Jahren Journalist und häufig auch als Reporter unterwegs gewesen und gerät nach der Lektüre dieses Buches ins Grübeln: Die freie Wildbahn, das feindliche Leben, das wirkliche Reporterdasein – das ist wohl doch etwas ganz anderes. Da soll man nicht neidisch werden, wenn der Autor und Reporter Andreas Altmann durch die Welt reist: Etwa “In 90 Tagen von Tanger nach Johannesburg” oder “Zu Fuß und ohne Geld von Paris nach Berlin” – nur um zwei seiner zahlreichen Buchtitel zu nennen. Vielleicht bewundert man ihn ja sogar ein wenig…Andreas Altmann hat keine festen Regeln für das Schreiben. Für ihn ist alles erlaubt, nur Vehemenz muss es haben, Rhythmus, Swing, wie er sagt. Er habe kein Lebenshilfebuch geschrieben, keine Literatur, heißt es einleitend. Wohl wahr! Einige der Stories aus der weiten wilden Welt sind gleichwohl spannend und interessant. Doch wann zum Teufel hatte dieser Reporter bei seinen vielen Abenteuern und Eskapaden eigentlich noch Zeit zum Schreiben.