FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG / FAZ: …Altmann wird unversehens zum Richter. Die meisten Menschen dort sind – laut Altmann – korrupt, verschlagen und brutal – oder alles zusammen…
Lobreden:
WESTDEUTSCHER RUNDFUNK / WDR / Elke Heidenreich: …Altmann hat den menschlichen Blick auf die Zustände bewahrt, er wertet nicht, er fühlt mit, er sieht das Elend, aber er sieht auch Witz, Schönheit, Poesie. Es ist ein spannendes, ein unterhaltendes und ein zutiefst menschliches, warmes Reisebuch.
GEO (Saison): Andreas Altmann ist unendlich begabt für Sprache und was sie auslöst. Seine Reise führt nicht allein durch einen Kontinent, sie führt vor allem in wunderbares Menschsein. Auf Seelen stößt sie, die allem Unrecht, der Armut, dem Hunger, der Not der am falschen Ort Geborenen, standhalten. um irgendwo jene Wahrheit zu finden, mit der sie leben können…Das wahrste Afrika-Reisebuch dieser Jahre.
GEO: Wenn es ihn noch irgendwo gibt, den einst von Egon Erwin Kisch verkörperten “rasenden Reporter”, dann vielleicht als Alter Ego des früheren Schauspielers Altmann. Der langjährige GEO-Autor ist gleich in der doppelten Bedeutung des Wortes rastlos: als ständig getriebener Reisender und als wortmächtiger, sätzespuckender Reporter, dessen Texte sich oft lesen, als seien sie im Fiebertaumel geschrieben.
SPIEGEL: Sympathisch: Bundespräsident Herzog hat dazu aufgerufen, “gute Nachrichten von Afrika zu verbreiten.” Der Kontinent werde in den Medien immer verzerrt dargestellt, weil die Berichterstatter immer nur in Kriegsgebiete hecheln. Dem Reporter Andreas Altmann kann das nicht nachgesagt werden. Mit leichtem Gepäck ist er von Tanger bis zum Kap gereist. Er suchte Afrika ohne Sensationen. Doch auch was Altmann erlebte, lässt sich nicht in guten Nachrichten zusammenfassen: Überall herrschen Armut und Korruption. An jeder Grenze, auf jeder Dienststelle erpressen Amtspersonen die Menschen. Den weissen Reisenden zocken sie am schlimmsten ab. Altmann wird “Opfer einer explosionsartigen Inflationsrate. 500 Prozent in fünf Sekunden. Die Rache für alle Schandtaten meiner Rasse.” In Togo überfällt ein Jugendlicher den Reisenden, der “nun fürchten muss, dass mir alle Freundlichkeit abhanden kommt und ich beleidigt und kalt das Land verlasse.” Altmann überwindet den Schock. Er verlässt den schwarzen Kontinent ratlos, doch mit viel Sympathie für seine Menschen.
tageszeitung / TAZ: Schwarz und ruiniert. Andreas Altmann ist als Ich-Erzähler der verschiedensten Reportagen kein unbeschriebenes Blatt. Ein Individualist auf Reisen, in diesem Fall in Afrika. Um erster Linie geht es Altmann um Altmann: wie er sich durchschlägt (er reist gern per Autostop), wie er sich fühlt (Durchfall quält ihn), woran er sich erinnert fühlt (er zitiert gern moderne Klassiker wie Freud, Brecht, Saint-Exupéry). Afrika selbst ist der Wühltisch, auf dem er nach Geschichten sucht, und er findet eine ganze Menge. Altmann durchreist Afrika’s Westküste von Tanger bis Johannesburg nicht als “touriste”, sondern als “voyageur”, er begibt sich auf eine Stufe mit den Einheimischen. Dass das eigentlich nicht geht, weiss er selbst: “Sie sind schwarz und ruiniert, ich bin weiss und priviligiert.” Was Altmann auszeichnet gegenüber den Altmeistern des Genres – Böll, Andersch, Koeppen, Handke (allesamt gediegene Literaten) -, ist der Schwung seiner Erzählung. Sein Untertitel “In 90 Tagen von Tanger nach Johannesburg“ ist programmatisch. Kein langes Verweilen, kluges Räsonieren oder langatmiges Reflektieren, sondern schnelles Nacheinander der verschiedensten Orte und Geschichten, die er unterwegs aufsammelt.
DEUTSCHLANDRADIO: Andreas Altmann ist so ein Verrückter, für den das Auswärtige Amt an den obskursten Orten dieses Planeten Zweigstellen offenhält, um sie in Falle eines Absturzes paternalistisch ins Vaterland zurückzuschicken. Und der Absturz droht an jeder Weggabelung, nicht selten von Uniformierten, die sich als die wahren Strassenräuber erweisen. Doch Altmann geht nicht nur weiter, als sich der deutsche Staat wagt – bezeichnenderweise gibt es keine Zone 13, das sind dann die Gebiete ohne diplomatische Grundversorgung -, er reist auch nicht aus blossem touristischen Interesse. Ihn treibt journalistischer Ergeiz und der Auftrag einer Illustrierten. Afrika ist neben Bürgerkriegen und Hungersnöten für hiesige Medien immer dann interessant, wenn man dem Kontinent eine Bürde aufbürdet, der er nicht standhält. Hier heisst sie: Logistik. Man kann in Afrika nicht reisen, das Land sträubt sich gegen nutzlose Transporte. Die wenigen noch intakten Verkehrseinrichtungen – Strassen, Eisenbahnlinien, Flughäfen – stammen allesamt aus der Kolonialzeit und bezeugen ein europäisches Missverständnis: Dass man ein Land begreift, indem man es befahrbar macht. Als erstes muss der Reisende Altmann lernen, dass Fahrpläne Dekorationszwecken dienen, während afrikanische Fluglinien schon Grossbetriebe sind, wenn sie zwei Flugzeuge besitzen. Der Hürden folgen weitere. Im Prinzip muss man nicht durch Afrika reisen, das machen nur Europäer. Der Afrikaner will höchstens weg – nach Übersee, in die erste Welt. Es ist nämlich durchaus nicht komisch, auf einem sterbendem Kontinent zu leben und so seltsamen Berufen nachzugehen wie dem des – man könnte auch Schmiergeldagent sagen. Denn Schmiergeldvermittlung macht nur Sinn, wo jemand es zahlen kann, und das ist in der Regel wieder ein Europäer oder Amerikaner. So kreist selbst die Schattenwirtschaft ums fremde Geld. “Weit weg vom Rest der Welt” heisst Andreas Altmanns atemlose Afrikareportage, die beides ist: düsterer Abgesang auf althergebrachte Abenteuerromantik und postmoderne Variante des Reisefeuilletons. Postmodern, weil es darin im Sinne von Viritio nur noch um Bewegung geht. Jedes Verweilen ist dem Defekt geschuldet, der Unmöglichkeit europäischen Fortkommens. Wo Bruce Chatwin mit seinem Sotheby-Blick auch in den widrigsten Momenten Schönheiten entdeckt, ist Altmann unaufhörlich mit Bewegungsorganisation beschäftigt. Menschen geraten vor allem dann in seine Aufzeichnungen, wenn sie innerhalb des Systems eine Funktion ausüben – als Fremdenführer, Visabevollmächtigter, Wegelagerer. Nur einmal tritt er in eine Zone absoluten Stillstands. Mitten im sagenumwobenen Timbuktu, vor deren Toren unabgeräumte Leichenfelder eines Massakers faulen, öffnet sich ihm die Bibliothek eines Privatgelehrten. Hier wäre ein Ort zum Verweilen. doch der Sog der Bewegung ist stärker. Weiter, weiter! Und so durchflüchtet der preisgekrönte Reporter einen Kontinent. Im Grunde, muss man sich als Leser eingestehen, wäre man auch nicht gern am Ort des Geschehens. Früher waren solche Reportagen politisch korrekt. Kolonial-verächtlich im Blickwinkel, doch huldvoll im Tonfall, denn die Afrikaner lernten ja noch. Heute notiert der Reporter: “Eine Reise durch Afrika funktioniert nicht als moralische Veranstaltung. Ich komme an Grenzen. Und dahinter…dahinter liegt meine Intoleranz.” Dieses Buch ist ein Dokument des Sinnenwandels, der – so steht zu befürchten – auch bald von einer breiten Öffentlichkeit. Selbst humanitäres Engagement in Fällen wie Ruanda und Zaire – so der Subtext – sei zwecklos, denn die westliche Hilfe stosse weder auf mentale noch auf organisatorische Fundamente. Wirkungslos versickert sie im Chaos eines entzivilisierten Kontintents.
DIE ZEIT: Höllentrip nach Lagos. Es gibt Bücher, die erzählen von Reisen, die man selbst gern unternähme. Bei anderen sind wir froh, dass wir zu Hause bleiben können, während der Autor sich für uns quält. Andreas Altmann reiste von Marokko über Westsahara, Nouakschott / Mauretanien, Bamako / Mali, Timbuktu, Ougadougou, Abidschan, Monrovia und Lomé mit Abstechern bis nach Lagos. (…) Eigenartigerweise legt der Autor seine Schwächen im zweiten Teil des Buches vollständig ab. Sei es, dass es in Ländern wie Liberia oder Nigeria derart ruppig zugeht, dass dem Autor die zur Arroganz ja immerhin erforderliche Distanz verlorenging. Im zweiten Teil steigert sich das Buch. “Mit dem Arbeitgeber war vereinbart, dass ich ein Flugzeug nur in Notfällen betreten darf.” Entgegen dieser Vereinbarung fliegt Altmann von Lagos bis nach Johannesburg und vorenthält uns also die Reise durch so manche Länder zwischen Lagos und Pretoria. Aber auch so ist Altmanns Mut zu bewundern. Der Autor versteht es, sich kurz zu fassen. Er macht zuweilen ärgerlich, langweilt aber nie. Dazu ist diese Reise, die ihm nicht viele nachtun werden, zu bunt und zu abenteuerlich.