34 Tage – 33 Nächte

Von Paris nach Berlin zu Fuß und ohne Geld

34 Tage 33 Nächte  - Von Paris nach Berlin zu Fuß und ohne Geld

34 Tage 33 Nächte

Vorwort

Wer in den Zoo geht und ein Krokodil betrachtet, betrachtet Mitteleuropa. Wohl genährt, träge und bewegunglos liegt es da. Schon erledigt vom pausenlos guten Leben ist ihm der Hunger nach Aufregungen vergangen. Deshalb stehen in vielen Städten Türme herum, von denen die Ruhelosesten in die Tiefe springen. Kein Reiseversicherungs-Paket begleitet sie nach unten, um heil davonzukommen. Nein, nur ein Bungee-Gummiband verspricht letzte Rettung. Unglaublich, welche Kraftakte man auf diesem Erdteil unternehmen muss, um sein Herz noch schlagen zu hören.

Frankreich

Elfter Juni

Gestern, so sagen jene, die ohne Zahlen nicht leben können, ging die Sonne zum 1825 Milliardsten Mal auf. Als ich ein Kind war und die grösste Ziffer herausfinden wollte, schrieb ich auf ein Din A4-Blatt lauter Neunen. Und Robert, mein Freund, schrieb daneben: „Und eins.“ Robert war klüger als ich. Er hatte bereits begriffen, dass ein schnelles Ende nicht zu erwarten ist. Als ich um 6.14 Uhr die Haustür hinter mir schließe, denke ich an den Zwölfjährigen. Zum 1825 Milliardsten und ersten Mal geht die Sonne heute auf. Ich sehe in ihr Gesicht und fürchte mich. Seit Tagen glüht der Himmel.

Nach dreizehn Minuten lege ich den ersten Pump an. Ich mag den Ausdruck, er steht bei Henry Miller, der zehn Jahre in Paris gelebt hat und bisweilen die Hand ausstrecken musste, um über den Tag zu kommen. Ich muss umgehend lernen, mich zu überwinden. Und die Scham auszuhalten, das Ausgeliefertsein, das ranzige Mitleid.

Vierzehnter Juni

Auf dem Weg nach Berlin sind immer zwei Personen unterwegs. Eine bin ich. Mit dem mißmutigen Magen, dem Hunger, dem Durst, den Flüchen. Die andere ist der Schreiber. Der ist hochzufrieden, er lobt den Hunger, den Durst, den Zorn. Sie garantieren ihm Arbeit, ja das Recht zu schreiben. Was erzählen über einen Satten, den nichts heimsucht?

Fünfzehnter Juni

Reims. Ich liege im Schatten neben den eingezäunten Blechcontainern, den „Bungalows“. Der Körper will nichts anderes, als nichts tun. Zweimal raffe ich mich auf, um Passanten um Feuer zu bitten. Aber beide weichen auf die andere Strassenseite aus. Ein Mann, vor der Heilsarmee lungernd, scheint ein beunruhigendes Subjekt. Ein Autofahrer hält, steigt aus, um den Kofferraum zu öffnen. Er sieht mich und steigt sofort wieder ein. Erstaunlich, über wieviel Macht ein ächzend am Boden liegender Mensch verfügt. Irgendwann wird es ausgesprochen witzig. Eine Ambulanz kommt vorbei, besorgt verlangsamen sie das Tempo und fragen, ob bei mir alles in Ordnung sei. Heute ist der fünfte Tag, wie soll ich je nach Berlin kommen, wenn andere mich jetzt schon für krankenhausreif halten?

Belgien

Neunzehnter Juni

Zwanzig Minuten später bin ich in Latour. Und die Glückssträhne geht weiter. Ich komme an einem Friedhof vorbei, irgendeine Stimme treibt mich hinein. Ein Vordach gibt es. Darunter eine steinerne Rampe, auf die der Pfarrer vermutlich die frische Leiche deponieren lässt, bevor sie in einem der Gräber verschwindet. Eine bessere Schlafstatt als den Sockel finde ich heute nicht. Ich breite die Aluminiumfolie aus, den Schlafsack darüber, auf Hüfthöhe lege ich die Reserveklamotten, in Kopfhöhe den Rucksack, das Kissen. Ich strecke mich aus und will entspannen. Geht nicht, Stimmen kommen näher, sicher der Bürgermeister mit dem Dorfpolizisten. Ich fahre hoch.

Luxemburg

Einundzwanzigster Juni

In Canach kehre ich „Beim Manni“ ein, Wasser tanken und den nassen Körper ruhig stellen. Manni und drei Barflies sitzen im Dunklen vor dem Fernseher und zappen. Tour de Suisse, Wimbledon-Classics, eine Soap, Pokalspiele, Werbung für Fiat Punto, eine Soap, wieder Pokalspiele, wieder Wimbledon-Classics, eine dritte Soap, nochmal Tour de Suisse. Immer wieder leuchten die vier grün flimmernden Buchstaben „LIVE“ auf. Die drei wechseln sich beim Zappen ab, sie scheinen betrunken, jeder muss sich anstrengen, den Knopf zu finden. Ganz still und tot ist es in diesem Wirtshaus, nur vorne blinkt aus einem schwarzen Kasten „LIVE“. Das ist umwerfend komisch und unheimlich trostlos. „DEAD“ sollte blinken, das wäre auch trostlos, aber immer unheimlich wahr.

Deutschland / West

Dreiundzwanzigster Juni

Nacht, ich döse bereits, als ich Schritte höre und sofort wach bin. Reflexartig blicke ich auf die Uhr: 23.24 Uhr, jetzt beginnt der vierte Teil des Wunders. Michaela steht vor mir und ich denke, was alle einfältigen Männerhirne in einer solchen Situtation denken. Die Scheue fragt, ob ich nicht mitkommen wolle, sie habe eine eigene Wohnung und ­ als ahnte sie, was mich auch heute als Tagtraum verfolgt hat ­ „eine eigene Badewanne.“ Die Lage scheint eindeutig, sodass ich mit schlichten, unmissverständlichen Worten frage: „Hast du ein grosses Bett?“ Auch das sei vorhanden, antwortet sie leise. Ein grosses Bett muss sein, lieber zwischen Pferdeäpfeln nächtigen, als jetzt in eine schmale Studentenkoje umziehen. Ich packe im Stockdunklen, bin überaus achtsam, will nichts liegenlassen. Jeder Verlust wäre unwiderbringlich.
Sobald der Rucksack geschnürt ist, schleichen wir davon, die Hunde dürfen nichts hören, nichts riechen. Finstere Welt, in ein paar Nächten herrscht Neumond. Wieder unterm Zaun durchkriechen, vorsichtig schleichen wir den Feldweg zur Hauptstraße hinunter. Dort steht ein BMW, sicher ein teurer, die schweren Türen schließen geräuscharm. Um 23.59 Uhr halten wir im drei Kilometer entfernten Bausendorf vor einem stattlichen Haus. Ich bleibe einen Moment länger als notwendig sitzen, will das Glück genießen: Eine Frau, eine Wanne, ein Bett warten auf mich. Ich träume. Das kann nicht real sein. Wahrscheinlich hat das viele Gehen und Hungern zu einem gewissen Verlust an Wirklichkeitswahrnehmung geführt. Wie dem auch sei, das Ende des Traums will ich nun wissen. Schlag Mitternacht verlassen wir das Auto.

Neunundzwanzigster Juni

Als Lasttier trabe ich die Giessener Bahnhofsstrasse hinunter. Sicher die hässlichste Mitteleuropas. Aber sie bietet einiges. Ich spreche einen Daddy mit eierlikörgelber Sonntagsjacke an. Bei ihm will ich den abgetretenen Euro wieder reinholen. Und Herr T. reagiert sensationell, er fragt tatsächlich: „Glauben Sie an Jesus?“ An seinem Tonfall lässt sich erkennen, dass ein Jesusgläubiger augenblicklich die besseren Karten hat. Unbeirrbar sage ich: „Ja, ich glaube.“
So sei es. Herr T. bittet mich, ihm laut nachzubeten. Und Herrn T.’s Wille geschehe. Auf der Bahnhofsstrasse von Giessen, schweissgebadet, zweistimmig und mit geschlossenen Augen loben wir den Herrn: „Jesus, der für uns Blut geschwitzt hat, Jesus, der für uns gegeißelt worden ist, Jesus, der für uns das Kreuz getragen hat, Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist, Jesus, der für uns von den Toten auferstanden ist.“ Ich blinzle und sehe, dass T. ebenfalls blinzelt. Sicher, um mich zu kontrollieren. Ich bestehe, denn am Ende der fünf Zeilen tut sich himmlischer Lohn auf. Mein Vorbeter greift in die eierlikörgelbe Sakkotasche und steckt mir zwei messingblitzende Münzen zu. Ergriffen falte ich ein letztes Mal die Hände.

Dreissigster Juni

Bei Grünberg. Aber jetzt ist alles anders. In hundertfünfzig Meter Entfernung steht eine provisorische Ampel, Arbeiter teeren die eine Hälfte der Strasse. Die Ampel springt auf rot, der Raser muss stoppen. Ich starte, kein Schmerz in meinen Füßen, kein Gewicht auf meinem Rücken, wie von Zornesflügeln getragen sprinte ich los und schreie schon auf den letzten Metern: „Sag mal, Vollgasbimbo, wie kommst du dazu, mein Leben zu riskieren?“ Als wir uns durch das offene Fenster in die Augen schauen, weiss ich, dass er weiss, dass ich inzwischen in Drachenblut gebadet habe und dass mich die überstandene Lebensgefahr in eine Trance versetzt hat, die sich von nichts mehr belehren lässt.

Der Mann, unscheinbar, um die vierzig, Allerweltsgesicht, erkennt mich natürlich, ich bin der einzige weit und breit, der hier mit einem Rucksack unterwegs ist. Der Mann tut das Richtige, er antwortet nicht. Es gibt keine Antwort, um sein Tun zu rechtfertigen. Auch würde ich jede Ausrede als Beleidigung empfinden. Was seinen Totschlagversuch noch abstruser erscheinen lässt, ist ja die Tatsache, dass er hier warten muss, er nichts, absolut nichts an Zeit gewonnen hat.

Er tut ein zweites Mal das Richtige, er verriegelt Tür und Fenster. Doch, eine Antwort hätte es gegeben: Eine aufrichtige Entschuldigung. Aber sie kommt nicht. Mein Terminator-Gen liegt folglich noch immer blank. Ich schaue auf die Ampel, weiter auf rot, ich mache einen Schritt zum Kotflügel, stelle mich davor und trete mit voller Wucht in das Blech. Ich bin viel zu besoffen von der Lust auf Vergeltung, um auf die Automarke zu achten. Blech eben, irgendein mörderisches Blech. Der Tritt tut unendlich gut. Der Blechbesitzer handelt ein letztes Mal besonnen, er bleibt in seiner Festung, er weiss, dass Widerstand zwecklos ist.

Käme er heraus, eine Bluttat würde stattfinden. Ich trete ein zweites Mal hinein, er soll gleich mitzahlen für die anderen Hornochsen. Der Tritt bringt mich zur Besinnung, ich fühle mich schlagartig gelöst. Die Delle sieht jetzt noch besser aus, das sollte reichen. Die Ampel springt auf grün, Ich gehe zur Seite, er fährt an, wir sind quitt.

Hundert Meter weiter setze ich mich in der Wald, der Schock holt mich ein. Zwei Schocks. Einer, weil ich irgendwie tot sein könnte, einer, weil ich gewalttätig war. Ich rauche. Ich sitze lange, bevor ich mich in die Zivilisation zurücktraue.

Deutschland / Ost

Sechster Juli

Ich betrete das schmucke Kirchlein, vergewissere mich kurz, dass alle andächtig bei der Sache sind, Kerzen schimmern, Blumen leuchten, eindringlich spricht der Pfarrer von Gottesliebe und Menschenliebe. Das ist ein schönes Stichwort, ich ziehe mich zurück und schleiche in das direkt gegenüberliegende Pfarrhaus, das grosszügig offen steht. Typisch Ossi, auch das noch ein Reflex aus kapitalismusfreien Tagen: Kein Misstrauen schiebt den Riegel vor, kein Verdacht käme je auf, dass ein Habenichts dem anderen Habenichts etwas wegnehmen würde. Dass heute ausgerechnet ein Wessi vorbeikommen muss, um an die Unsitten des Neoliberalismus zu erinnern, auch typisch.
Der Teufel reitet mich, als meine Nase die menschenleere, duftende Küche wittert. Ich horche nochmals nach draussen, dann Action. Behände den Kühlschrank öffnen, eine Flasche Fanta leertrinken und nacheinander ein dickes Glas Thüringer Würste („Sechs Würstchen vom Lande“), einen sauber verpackten Emmentaler Käse, vier Brotscheiben, angebrochenen Aufschnitt, zwei Tomaten und drei harte Eier einpacken. Gleichzeitig kämpfe ich mit meinem ex-christlichen Gewissen, will nichts wissen von Diebstahl. Das hier ist Mundraub, mein Magen bellt, ich bin für seine Gesundheit verantwortlich. Hier räubere ich, ich kann nicht anders.

Zehnter Juli

Bei Sonnenschein aufwachen. Nach knapp zwei Stunden bin ich in Radis, schnorre von einer Gemüsefrau drei Tomaten und betrete um 8.25 Uhr die Fleischerei Kirchhof. Ein weiser Schritt. Denn für 146 Cent (ich habe 151) bekomme ich zwei Buletten, eine Semmel und einen Kaffee.

Und Armin bekomme ich auch. Vier Ossis frühstücken in dem Steh-Imbiß. Ich stelle mich zu A. an den Tisch, er steht allein. Wir fangen zu reden an und die drei anderen hören zu, unübersehbar.

Armin ist ein Parade-Ossi, es geht los mit den üblichen Jämmerlichkeiten: über das Leben im allgemeinen und das fürchterlich schwere Leben eines Ossis im besonderen. Aber heute bin ich schlauer als vor fünf Tagen. Ich widerspreche nicht, ich stimme zu. Ich vermute, dass das Jammern eine Art „sekundärer Krankheitsgewinn“ ist. Der Ausdruck stammt von Freud: Die Krankheit ist das grausame Los, ein Ossi zu sein. Und der Gewinn ist das glühende Lamentieren darüber. Soll keiner behaupten, dass Raunzen nicht ein wohliges Gefühl auslöst. Raunzen über geringeren Verdienst, über weniger Rente, über mehr Arbeitslose. Raunzen, dass die Ruhe dahin ist und dass durch Radis die abgefeimtesten Triebtäter und Großkriminellen des wiedervereinigten Deutschlands schwirren. Zustimmend nicke ich, als Armin das Trauma vom Verschwinden aller sozialistischen Sicherheiten vor mir ausbreitet und zwingend darlegt, dass im Gegenzug sämtliche Gemeinheiten des Kapitalismus vor der Haustür der Radiser landeten.

Doch irgendwann schwächelt der 64-Jährige, er tut das, was ich so innig gehofft habe: Das Quengeln verebbt, der Rentner fängt an, von seiner runderneuerten Wohnung zu erzählen, von der Tatsache, dass er jetzt Anschluss an die Kanalisation habe und nie wieder mit „gefrorenem Arsch“ auf dem Aussenklo sitzen müsse. Dass ihm ein Paß gehört, dass er mit der Frau nach Italien darf und dass die persönliche Freiheit ein verdammt kostbares Gut ist. (So formuliert er es nicht, aber so klingt es.)

Armin wäre kein Ossi, hätte er mich nicht in der Zwischenzeit zu einem zweiten Kaffee eingeladen. Natürlich habe ich mit eindeutigen Worten einfliessen lassen, dass ich die Ostdeutschen für die besseren Menschen halte. Das ist pathetisch, aber ich bin Hungerleider und muss zu allen Mitteln greifen, um den Hunger abzustellen. Ossis sind so oft abgewatscht worden, dass eine derartige Behauptung ­ auch wenn sie als Manöver durchschaut wird ­ immer willkommen ist. Zudem habe ich alle Trümpfe in der Hand, um nicht als westlicher Fatzke missverstanden zu werden: Ich komme zu Fuß, kein fetter Wagen steht draussen, ich will kein Haus zurückhaben, keine Rolex blitzt. Und ich singe das Lob der Schönheit des Landes.

Als Armin mich zur dritten Tasse einlädt, nehme ich nur an, wenn er mir verspricht, ab morgen früh einen ganzen Tag nicht zu jammern. Der Satz gefällt den Anwesenden so gut, dass zwei ihre Geldbörsen aufmachen und dem armen Wessi ein paar Euro mit auf den Weg geben. Als Armin nochmals nachlegt und fragt, ob er mir ein paar Würste einpacken lassen soll, plagen mich für heute die ersten Skrupel. Und ich sage ja. Denn zuerst kommt die Wurst, dann die Zerknirschung.

Zwölfter Juli

Potsdam. Zwei Stunden später kommt es zu einer erstaunlichen Szene. An einer Tramhaltestelle frage ich den Schaffner, wie ich zu Fuß in den weit, weit entfernt gelegenen Stadtteil Bornim gelange. Dort befindet sich das „Sozialdorf“ mit einem Bett für mich. Erstaunlich, weil ich in diesem Augenblick, kurz vor dem Ziel, zum Ritter der Landstrasse geschlagen werde. Verschreckt weicht der gute Mann zurück und ruft ausser sich: „Halten Sie Abstand, sie verpesten ja die Gegend!“ Um 15.17 Uhr ist aus mir ein wahrer Tippelbruder geworden, eben einer, der sich selbst nicht mehr riecht. Ich bin keineswegs beleidigt, eher belustigt. Den Gestank habe ich mir hart erarbeitet.


Erstveröffentlichung 2004

34 Tage / 33 Nächte – Von Paris nach Berlin zu Fuß und ohne Geld

Federking & Thaler Verlag

Ausgezeichnet mit dem Seume Literaturpreis 2005

Hardcoverausgabe | Taschenbuchausgabe

ARTE drehte im Sommer 2004 einen Film zu dem Buch
Kurzbeschreibung

Altmann sagt: „Ich muss an Männern und Frauen vorbei, nicht an Flora und Fauna. Mit Gesichtern Körpern und Stimmen kenne ich mich aus. Dazu weiß ich Assoziationen, für sie habe ich ein Koordinatensystem.“ Der Weg ist das Ziel und sein tatsächliches Reiseziel kein geographischer Ort. Altmann ist in erster Linie Geschichtensammler, ein Reporter der Menschen zum Reden bringt, der hinsieht und zuhören kann. Auf seiner über 1000 km langen Wanderung quer durch 5 Länder möchte er manches Mal vor Erschöpfung aufgeben. Seine wunden Füße schmerzen, „schreien“, und der Magen knurrt vor Hunger. Gäbe es nicht immer wieder Menschen, die sich nicht abfällig abwenden, sondern ihn anlächeln, bewirten oder mit Geschichten nähren, wäre ihm die Reise unmöglich. Sein Tagebuch hält sie fest, die Episoden des Alltags, gibt Einblicke in das Leben anderer, erzählt von Ängsten und Träumen. Berichtet wird auch von den Freuden des Verzichts, von der Wanderlust, vom Wanderblues, von der anschwellenden Freude als sein Ziel immer näher rückt.
Altmanns Text beschönigt nicht, ist unverblümt, das Beschriebene scharf beobachtet und pointiert zu Papier gebracht. Das Buch ist ein Tagebuch einer Reise, die nur mit Hilfe anderer gelingen konnte und zugleich eine fesselnde Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft.

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