SCHÖNSTE MAIL DER WOCHE / 09 / 08 / 2017:

Gerade mal wieder mit Radl und Zug durch die Republik unterwegs. (…) Ja, da berichte ich nun folgsam dieses: Da sich mal wieder ein Lebensentkräfteter zwischen X und Y vor einen Zug geschmissen hat, hielten wir uns 3 Stunden lang auf einem völlig langweiligen Bahnhof auf. Man kommt dann natürlich mit seinen Mitreisenden ins Quatschen: eine X und ein Y erzählten von sich, ihren Töchtern usw., wir natürlich von uns. Die beiden berichteten von einer gerade erst zurückliegenden Reise nach Israel. Ich dachte natürlich an eines meiner AA-Lieblingsbücher. Tja, als sich der Zug dann wieder in Bewegung setzte (wir hatten unsere Plätze direkt hinter dem Paar), was durfte ich da wohl erblicken: Er liest „Verdammtes Land“ und sie „Gebrauchsanweisung für das Leben“ Ich habe ihr dann gleich noch das „Scheißleben“ wärmstens empfohlen, weil sie es als möglicherweise interessante Lektüre erwähnte. Die beiden sind jedenfalls sympathische Zeitgenossen. Seltsam: aufgrund der Verspätung lernten sich junge Reisende aus allen möglichen Ländern kennen, redeten Englisch und haben tatsächlich mal Interesse füreinander und nicht für IPhone etc.! Da hat der unglückliche Suizident doch einen kleinen Beitrag zur Völkerverständigung, menschlicher Nähe pp. – was ihm selbst vielleicht gefehlt hat – beigetragen. Erstaunlich, was man für Miniatur-Lebensausschnitte von anderen Menschen auf diese Weise erhält. Und auch schön, dass viele offen für diese kleinen Begegnungen waren. Man bleibt – wörtlich – auf der Strecke und lernt Humor und Duldsamkeit.