Schüchterner Kommentar von Andreas Altmann

zur „Dies beschissen schöne Leben“-Kritik in der Süddeutschen Zeitung, von Hilmar Klute

Wie schön, dass man so vehement wahrgenommen wird. Das ist nun mein dritter Totalverriss in der Süddeutschen Zeitung (SZ). Erstaunlich doch die Energie, ja der Platz, den man einem Schreiber einräumt, den man – in jeder Zeile der drei Gemetzel kann man es nachlesen – für einen windigen, präpotenten und kalorienarmen Skribenten hält. Ja, für einen, der über nichts und nie über etwas anderes zu schwadronieren weiß als über sein Scheißleben, seine Scheißmeinungen, seine Scheißnichtigkeiten.

Andere schreiben Weltliteratur und keiner nimmt sie zur Kenntnis. Ich schreibe Scheiße und jeder macht sich darüber her.

Ich kann nur hoffen, dass Klute zusätzlich entlohnt wurde. Wusste er doch, was auf ihn zukommen würde. Begriff er doch schon nach der ersten Zeile, dass er durch Scheiße waten würde. Ahnte er doch, dass einmal mehr Andreas Altmann (AA), der unbelehrbare Fäkalist, zugeschlagen hat. Konnte er doch sicher sein, dass ihn auf den 251 Seiten einmal mehr die Absonderungen eines gräulich überschätzten, rabiat alternden Asphaltliteraten erwarteten. Dräute ihm gar, dass – Himmel, hört das nie auf? – seine kostbare Lebenszeit zuschanden ginge beim Nachlesen altmannscher Läppischkeiten: wie Impotenz, wie eine Prügelei in Seoul, wie ein Versicherungsbetrug in Hongkong, wie ein Drogentrip, der im Krankenhaus endete, wie die Angst, sein Leben zu vertun, wie die Freundschaft in Südafrika zu einem Mann, der erschossen wurde, wie die Rettung einer Katze in Algier, wie die Arbeit in einem Aidskloster in Thailand. Was soll Klute damit anfangen? Das hat er jede Woche. Solche Kinderpopo-Streiche, mit denen der Sprach-Asthmatiker AA wieder einmal blechern und staksig von sich reden macht, sie können einen Kritiker-Recken vom Schlage Klutes nur ermüden.

Klute hat sich geopfert, das muss auch einmal gesagt werden. Er, die Prachtfeder, er, der alttestamentarische Obwalter der Bundeslade deutschen Sprachguts, er, der Klute also, der noch nie einen (gewonnenen) Blumentopf nach Hause tragen durfte, er, dessen Prachtdeutsch noch nie jemanden dazu inspirierte, ihm, dem Klute, einen Preis, eine Auszeichnung zu überlassen, er musste wieder mal mit AA abrechnen, dem ausgiebig Dekorierten. Heilige Jungfrau, erbarme dich seiner, erbarme dich seiner Magengeschwüre, seiner Rage beim Anblick eines Altöttinger Sätzestotterers, der doch Rosenkranzhändler hätte werden sollen und jetzt – Herrgott, erkennt denn keiner diese notorische Flasche! – als „Schriftsteller“ in Paris lebt.

Ist das nicht der nackte Wahnsinn: Die Jury, die mir damals den Kischpreis – immerhin die höchste Belohnung für Reporter in deutschen Landen – zuerkannte, bestand, unter anderen, aus solchen Schießbudenfiguren wie Walter Jens, Joachim C. Fest und – anschnallen – Hans Ulrich Kempski, dem SZ-Chefkorrespondenten. Blindgänger, wohin man sieht.

Nein, Klute, unser aller Gralshüter linguistischer Eleganz, wollte nicht weichen. Er stieg auf die Kanzel und wies via 13/07/-Fatwa den Ex-Rachitiker und verdrucksten Konformisten AA in die Schranken. Das hat Format, denn der Verdruckste hat inzwischen sechzehn Bücher – davon fünf Spitzentitel – abgeliefert. Doch das soll unseren Mann in Oberbayern nicht schrecken. Sadseller (Trostlosseller) Klute zieht – auf jedem online-Buchladen kann man erfahren, dass seine Werke auf den hintersten Regalen, ungekauft und ungelesen und bis zu 0,01 (!) Euro billig, dahinschimmeln – zieht gegen einen Bestseller in die Schlacht. Das versprüht Glanz. Ja, Klute war zur Stelle, denn einer musste die Drecksarbeit erledigen, denn einer musste vom Stammtisch rennen, um endlich zu sagen, was endlich gesagt werden muss. Klute did it, he did Altmann. Aufatmen.

Jeder intelligente Leser (jede intelligente Leserin) fragt sich jetzt natürlich, wie zum Teufel es möglich ist, dass ein Sprach-Skeletti wie AA, dieser täglich 24 Stunden lang – die ganze Woche durch – um seinen eigenen Bauchnabel rotierende Arsch, wie so einer einen solchen Erfolg haben kann. So vielgelobt von der Presse (Spiegel, ZEIT, Faz/Faz, Die Welt, etc., etc.), so vielgelobt vom Publikum, so vielgekauft und vielbesucht, siehe die ausverkauften Lesetouren. Wie geht das zusammen? Heißt das, dass alle wohlmeinenden KrititikerInnen Vollidiotinnen und Vollidioten waren? Und dass alle LeserInnen, längst Hunderttausende, alle Deppinnen und Deppen sind? Laut Klute-Logik gewiss, denn wären sie nur alle mit Klutes verzehrender Sprachmagie ausgerüstet, dann hätten sie längst begriffen, dass AA, dieser narzisstische Sülzeschmied, der vom Wahn ergriffen scheint, als Luxusausgabe der deutschen Sprache wiedergeboren zu sein, dass also genau der, der AA, nur immer wieder sein Bonsaideutsch in Stellung bringt und damit seine Bücher vollschmiert.

Wehe, die Welt fängt an, auf Klute zu hören! Wehe dem Altmann!

Mensch, Klute, Mensch Schmerzensmutter, was müssen Sie an AA gelitten haben. Ein Blick auf seine, AA’s, Website heißt Höllenqualen aushalten. Sieht der Klute doch dort – nur ein Beispiel –, dass das Bayerische Fernsehen (wieder Unsummen für die Katz!) einen 45-minütigen Dokumentarfilm – mit Drehorten in Paris und Palästina – über den AA ausgestrahlt hat: über diesen Dünnbrettbohrer, der seit zwanzig Jahren der Welt seinen nekrotischen Sprachmüll aufdrängt. Ja, sieht er, der Klute, auf der Website – man will es nicht fassen! –, dass fast jeder zweite Talkmaster auf den schwadronierenden Bimbo AA reinfiel.

Poor Klute, denn die Zukunft birgt weitere Schrecken. Da AA, dieser faiseur de merde, nicht aufhören will, seine Pipi-Abenteuer unter die Leute zu bringen. Zunächst droht eine Lesetour im Herbst, auf der AA – gleich in drei deutschsprachigen Ländern – das von Klute abgekanzelte Machwerk vorlesen wird. (Nach einer endlosen Lesetour im Frühjahr 2013.) Und im Frühjahr ’14 droht mit dem Palästinabuch („Verdammtes Land“) schon die nächste Tour, die nächste Katastrophe. AA wird beide Male auch in München seinen gesammelten Stuss zum Besten geben, das P-Buch sogar im Residenztheater.

Ist das nicht zum Haareraufen, wie sie wieder auf den vulgär prustenden Weiberhelden hereinfallen? Hat das Abendland noch eine Chance, wenn die bayerische Staatskasse einmal mehr Scheine rausrücken muss, nicht unüppig, damit AA seinen Schund aufsagt? Muss man da dem Volk nicht ans (abwesende) Hirn greifen, ob so viel Hirnlosigkeit? Knapp fünfhundert HirnlosInnen kamen zum letzten Auftritt von AA ins Bayerische Nationaltheater, um ihm, den Diarrhö-geplagten Wortkacker beim Durchfall auf der Bühne zuzuhören, ja, zuzuschauen.

Ja, Kruzifix, legt denn hier keiner dem AA, diesem muskelschwundigen Ex-Gigolo, das Handwerk? Muss man denn wirklich mitansehen, wie er mit dauererigiertem Zeigefinger dem deutschen Volk seine Kraftmeiereien zumutet?

Wie sagte es Cicero? „Nichts ist unerträglicher als ein Dummkopf, der Glück gehabt hat.“ AA, the lucky guy. Und Klute, der Großgrundbesitzer letzter Sprachgeheimnisse, muss sich das bieten lassen. Gibt es Gerechtigkeit auf Erden? Nijet, natürlich nicht.

Kennen Sie den Spruch von Karl Kraus, Klute? Hier steht er: „Jahrelang trägt einer an seiner Bedeutung, bis ich ihn in einem unvorhergesehenen Augenblick entlaste.“ Kraus kam zu spät, er konnte mich nicht mehr entlasten. Aber jetzt sind Sie, der Klute, eingesprungen und haben den AA am 13. Juli 2013 aus seinem Höhenrausch gerissen. Deutschland weiß nun Bescheid.

Dafür haben Sie ihre Kritik zum (künftigen) Palästinabuch bestimmt schon im Kopf. Denn längst wissen Sie, dass Ihnen auf den rund 250 Seiten nur Schwachsinn und laue Fürze entgegenwehen werden. Sie müssen es nur noch aufschreiben, das Massaker, den Verriss. Und ihn zuletzt – als topgetunter Seismograph subtilster Sprachschwingungen – dem Bayernvolk einbimsen.

Dennoch, ich will einmal Güte und Geistesgröße zeigen: Kommen Sie doch bei meinen Lesungen in München vorbei, mein lieber Klute, Sie, der allein seligmachende Mufti rechten Denkens und Formulierens. Ich verspreche Ihnen für jeden Ihrer Besuche ein signiertes Exemplar. Sie können die beiden Bücher dann zu Hause in der guten Stube aufhängen, als eine Art Punchingball. Und jedes Mal reinhauen, wenn Ihnen der AA, die näselnde Dumpfbacke, über den Weg läuft. Als Buch, als Radiostimme, als TV-Visage, als Voller-Buden-Zauber.