Ihr Lieben,
ich muss jetzt öfters posten, uff, denn das neue Buch kommt.
Nochmals zum Preisausschreiben. Eine freundliche Leserin hat mich darauf hingewiesen, dass eine genau Uhrzeit nicht schlecht wäre. Ich kann ja nicht verlangen, dass ihr 24 Stunden am 9.10. auf den Bildschirm starrt, also:
Die Frage kommt eine Woche nach Erscheinen – am 9.10.2026, um 20 Uhr europäischer Atomzeit, haha, steht sie auf meiner FB-Seite.
Zur Erinnerung: Am zweiten Oktober kommt das Buch „Gebrauchsanweisung für Männer“ / Piper Verlag auf den Markt.
Totale Transparenz ist gesichert, denn alle Welt sieht sofort sofort, wer die richtige Antwort wusste. Sie steht ja auf meiner FB-Seite.
Gewinn:
200 Euro cash für Reise nach Paris und Unterkunft, ob nun Hotel oder unter der Pont Neuf …
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Ein Abendessen mit mir, bei dem der Mensch, der gewonnen hat, mir hundert Fragen stellen darf. Auf die ich dann so intelligent wie mir möglich, antworten werde. Hopefully.
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Weiter unten steht der Link zu einem neuen Podcast.
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Hier nun ein Interview, das in „Brot und Spiele“ erschien, eine Kulturzeitschrift in Wien.
Die Frange stellte die superkluge Ulrike Wilhelm, Journalistin:
1/ Sie gelten vielen als der beste Reporter der Gegenwart. Was sagen Sie – ohne falsche Bescheidenheit – zu dieser Feststellung?
AA: Dass ich zuerst einmal lachen musste, als ich die Frage las. Denn ich habe noch nie darüber nachgedacht, ob ich in den Köpfen vieler als „bester Reporter der Gegenwart“ abgespeichert bin. Was für ein pompöser Titel! Nein, mich plagt auch keine eitle Bescheidenheit („ach, bin doch nur ein Schreiberling“), sondern zuerst einmal die schlichte Einsicht, dass man bei solchen Kategorien – bester Geiger aller Zeiten! Bester Bauchredner der westlichen Hemisphäre! Bester Barrenturner seit dem Beginn unserer Zeitrechnung! –, dass man da keine Superlativ-Titel verleihen kann. Wäre ich Stabhochspringer, dann könnte ich damit protzen, dass ich eineinhalb Millimeter höher springe als der Zweitbeste. Da ich das nicht bin, freue ich mich, wenn jemand sagt, okay, der Altmann kanns oder der Altmann, noch besser, kanns sehr gut oder – ein paar dann doch – der Altmann ist mir der liebste Autor.
Was mich vor dem Größenwahn des Allerbesten rettet, sind die hundert Kilometer langen Mails von Leuten, die ordentlich vom Leder zogen, nachdem sie etwas von mir gelesen hatten. Da sind Ausdrücke wie „miesester Asphaltliterat“ und „Was für eine doppelte Null“ noch harmlos. Einer war so erledigt, dass er es bereute, dass mein Vater mich „nicht totgeschlagen hat“.
Man glaubt nicht, was Sprache in Leuten an Emotionen lostreten kann. Man möchte den armen Würstchen eine warme Decke überwerfen und ihre Muttis anrufen – auf dass sie ihren Söhnen die Fontanellen streichent und sie besänftign.
Noch ein Grund: Ich kenne eine Reihe von Kollegen, die ich bewundere. Und ich mich heimlich frage, nachdem ich eine Reportage von ihnen gelesen habe, ob ich das auch so abliefern könnte. Und ich mich still und leise vor der Antwort drücke.
Aber ja, dass ich über eine Million Bücher verkauft habe, freut uns beide, meinen Banker und mich. Und spornt an. Mehr nicht.
Jede zur Schau getragene Künstlerschaft, jede Art Dünkel finde ich unsexy und eher uncool. „Just stay fucking normal“, sagte mein Zenmeister in Japan, und ich finde den Satz erfrischend trocken und ziemlich weise.
Mich treibt ein simpler Vorsatz: Ich recherchiere so gut ich kann und übersetze anschließend meine Erfahrungen in Sprache. Auf eine Weise, dass alle, die den Text lesen, zweifach Freude empfinden: Sie lernen etwas, was sie vorher nicht wussten. Und sie empfinden Vergnügen an der Verpackung des Inhalts, der Sprache. Gelingt mir das, hüpfe ich von einem Bein auf das andere. Ich hüpfe aber auch, wenn ich von jemand anderen auf kluge und elegante Weise bereichert werde.
2/ Ihr Schreibstil ist auf eine ganz erfrischende Weise nicht glatt, an den Fakten orientiert, aber dennoch literarisch und poetisch. Wie oder wodurch haben Sie ihn entwickelt?
AA: Ich habe das Gefühl, Ulrike stellt mir die letzten Fragen der Menschheit. Nun, warum sieht die von mir hochverehrte Frau Merkel wie Frau Merkel aus? Und die großartige Birgit Minichmayr (Burgtheater) wie Birgit Minichmayr? Warum wurde Paulo Coehlo, der brasilianische Sülzeschmied, mit rekordverdächtigem Schwachsinn Multimillionär und warum hauste Heinrich Heine, das Genie, pleite und krank in seiner Pariser Matratzengruft? Wer es weiß, bitte melden.
Der Körper des Menschen, inklusive Kopf und Hirn, sind ein sagenhaftes Geheimnis. Wer könnte sich anmaßen zu sagen, warum eine oder einer so oder so wurde? Unsäglich viele Dinge spielen dabei eine Rolle. Gewiss die Gene, gewiss das soziale Umfeld, gewiss die anderen Millionen Einflüsse wie Zufälle, wie Irrwege und Niederlagen, wie mächtiger Wille oder eklatanter Mangel an innerer Kraft. Und, Himmel ja, Glück muss auch her.
Ich will aber anstellig sein und versuchen, die hundsgemein schwierige Frage zu beantworten. Ich werde scheitern, aber, so nehme ich es mir vor, auf intelligente Weise scheitern.
Gene in mir, die auf einen künftigen Autor verweisen? Eher nicht, meine Deutschaufsätze im Gymnasium wurden vom Lehrer als „abschreckendes Beispiel“ vor versammelter Klasse vorgelesen. Das soziale Umfeld? Ich erinnere mich nicht, dass ich meinen Vater jemals beim Lesen erwischt hätte. Mutter schon, aber die wurde bald vom Gatten aus dem Haus vertrieben. Der Ort, wo ich aufwuchs? Auch nicht, denn es handelte sich um einen bigotten Kral, randvoll mit alten Nazis, Betschwestern, Scheinheiligen, sadistischen Religionslehrern und wenig frohgemuten Ehefrauen, sprich: weit und breit kein Esprit, kein Hungern nach Welt, nach Gedanken, die anfeuern, nach einem ganz anderen Lebensentwurf.
Ich schon, noch minderjährig bin ich davon, im Laufschritt, nicht mehr willens, väterliche und pfäfffische Gewalt und den all gegenwärtigen Mief zu ertragen.
Und dennoch, noch immer kein Zeichen sprachlicher Begabung. Doch mit 21 (erst!) fing ich zu lesen an. Von Nulll auf Leseratte. Angetrieben vom Beispiel eines Freunds. Und ich begann, mich in Sprache zu verlieben, begann, Sprache wahrzunehmen. Das Wunder, das in ihr steckt. Traute mmich, mit ihr zu spielen, zu jonglieren, herauszufinden, zu was allem sie fähig ist.
Mehr weiß ich nicht. Der Rest nichts als ein Rätsel. Bombensicher aber ist die Zahl 16. Denn noch endlose sechzehn Jahre musste ich warten, bis ein Chefredakteur Geld für die ersten von mir produzierten Buchstaben herausrückte. Nun, Frühbegabte sehen anders aus.
Doch, ich weiß noch etwas: Mich plagte ein Riesenego, kein wichtigtuerisches, kein herrisches, das nicht. Doch eins, das unbedingt und unverhandelbar eine Tätigkeit – einen Job, einen Broterwerb, wie belanglos der Name – forderte, der Freude und Schönheit garantiert. Und genügend Bargeld. Nur malochen, um über die Runden zu kommen? Was für eine grauenhafte Aussicht.
3/ Bevor Sie Reporter wurden, haben Sie alle möglichen Jobs ausgeübt. Welche? Und Sie haben, ohne falsches Kunstwollen, einen „anderen Blick“ auf die Welt. Erklärt sich das daraus?
AA: Nicht wenige Tätigkeiten, doch in keiner taugte ich viel: nicht als Spüler, Privatchauffeur, Anlageberater, Straßenbauarbeiter, Buchklubvertreter, Nachtportier, Dressman, Postsortierer, Parkwächter und nicht als Fabrikarbeiter. Auch der Wunsch des Arbeitsamts, mich zum Maschinenbauschlosser auszubilden, ging daneben. Aber ich brauchte die Knete, zudem wusste ich ja nicht, wohin mit mir. Manche kommen mit einer Gitarre auf die Welt und werden Popstars. Mozart saß mit vier am Klavier. Ich kam mit nichts auf die Welt, nirgends eine Begabung, die klar eine Richtung vorgab. Sogar für ein Jura- dann ein Psychologiestudium trug ich mich ein. Kaum begonnen, schon abgebrochen, beide. Alle paar Wochen bereitete ich meinen nächsten Irrtum vor, verrannte mich in die nächste Sackgasse.
Ach ja, irgendwann wurde ich Schauspieler, schaffte es sogar ins Residenztheater in München und ins Schauspielhaus in Wien. Bis andere (und ich) entdeckten, dass es nicht reichte.
Viele Jahre später, wie schon erwähnt, kam Licht ins Dunkel – Sprache. Sie wurde mein Fluchtauto, mein Rettungsboot, mein Schleudersitz aus einer verworrenen, bisweilen absturzgefährdeten Existenz. Ich hatte Glück.
Ob all diese Verwirrtheiten dazu beitrugen, dass ich nun als Schreiber einen „anderen Blick“ auf die Welt habe? Hm. Er, dieser Blick, ist wohl Teil meiner Arbeit. Einen konkreten Grund dafür könnte ich nicht nennen.
Alles ist erlaubt, nur nicht zu langweilen. Also muss ich etwas bieten – den anderen Blick? –, um gegen die anderen Milliarden Wörter zu bestehen, die täglich auf die Welt kommen. Ich denke, das gilt für jede Art von kreativer Tätigkeit: überraschen. Ich will so schreiben, dass ich – jetzt als Konsument – nach der Lektüre etwas gelernt habe, einen Hauch weniger ignorant bin, ein bisschen mehr weiß über die Welt und ihre Bewohner.
Es gibt grandiose Autorinnen und Autoren, die ein gewiss braves, geordnetes Leben führten. Und trotzdem grandios schrieben. Wäre eine bewegte Existenz die Voraussetzung für den Beruf des Schriftstellers, dann wäre ja auch Tarzan als homme de lettre bekannt geworden.
Auch wahr: Ein Leben, das einen umtreibt, das dafür sorgt, dass man auf vier Kontinenten gelebt hat, dass man den bizarrsten Frauen und Männern über den Weg lief, dass man etwas vom Glanz und Elend der Menschheit mitbekommen hat, aber ja, das hat noch keinem geschadet, der via Sprache seinen Unterhalt bestreiten will.
4/ An Ihren Reportagen und Büchern sticht diese typische Genauigkeit heraus. Sie müssen den Menschen wohl sehr nahekommen?
AA: Robert Capa, einer der berühmten Kriegsfotografen, meinte, dass er nicht nah genug herankam, wenn das Foto banal wurde. Reporter haben es einfacher: Ich muss nicht im „entscheidenden Moment“ auf den Auslöser drücken. Ich habe meist mehrmals die Gelegenheit, einer Person nah zu kommen. Denn wie eine Ahnung von dieser Frau, von diesem Mann zu bekommen, wenn ich nicht investiere – wie Zeit, Intuition und rastlose Neugier. Ich muss die Person, von der ich etwas wissen will, in einen Zustand versetzten, in dem sie vertraut, sie „beichtet“, Tatsachen und Zustände preisgibt, die sie normalerweise für sich behält. Einfühlsam sein, genau hinhören und Vierteltöne unterscheiden können das gehört wohl zum Handwerkszeug eines Reporters. Ich trainiere jeden Tag meine Sensibilität.
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5/ Wie viele Bücher haben Sie schon veröffentlicht?
AA: Im Herbst werden es 26.
6/ Welches halten Sie für Ihr bestes – und warum?
AA: Da ich keine „echten“ Kinder habe, beschloss ich eines Tages, dass meine Bücher meine Kinder sind. Und wie jeder anständige Vater liebe ich alle ungebrochen und ohne Unterschied – trotz ihrer Fehler und Defekte. Für alle 25 (und für das 26. wird es nicht anders sein) wurde ich bespuckt und gefeiert. Damit muss ein Schreiber leben. Man kann es nicht allen recht machen, denn: Everybody’s darling ist everybody’s asshole. Dennoch, ab und zu muss ich innig lächeln, wenn jemand mit Schaum vor dem Mund auf mich anlegt, ach, denke dich dann: Das Buch ist angekommen!
Aber ja, an jedem Jahresende überkommt mich die Sehnsucht, dass ich die nächsten zwölf Monate ein zwei Nuancen souveräner mit der deutschen Sprache umgehe – federleichter, geschmeidiger, raffinierter. So ein Wunsch ist realitätstauglich, die schaffe ich. Bisweilen.
7/ Gibt es die Vision eines „idealen“ Textes, eines, den Sie vielleicht noch gar nicht geschrieben haben?
AA: Einen solchen Text haben wir nicht. Denn er mag für die einen vollkommen sein, für die anderen belanglos. Selbstverständlich gibt es Texte, auf dessen Schönheit und Einzigartigkeit sich ein Großteil der Menschheit geeinigt hat. Jener Teil, der Kitsch von Kunst unterscheiden kann, der den Unterschied spürt zwischen den weltmeisterlichen Liebesgedichten eines Bert Brechts und den Heimatschnulzen eines Heinos.
Vergessen wir für einen Augenblick das Wort „ideal“ und wir entdecken so viele umwerfende Bücher und dort so viele mitreißende Gedanken, die unheimlich tiefe und unheimlich bewegende Zustände auslösen. Nein, nicht nur Gefühle, auch Erkenntnisse, Wahrheiten, Wirklichkeiten, die uns im tatsächlichen Leben entschieden bereichern.
Noch ein Wort von Saint-Exupéry, dem Verfasser des kleinen Prinzen: „Vollkommenheit wird nicht etwa dann erreicht, wenn nichts mehr übrig ist, was sich hinzufügen lässt, sondern wenn nichts mehr übrig ist, was sich wegnehmen lässt.“
Okay, ich weiß nicht, ob Zeilen dann vollkommen sind, aber jeder, der den Rat des Franzosen folgt, kommt dem Ziel näher: Klarheit, Lakonie, Eleganz.
8/ Sie sind buchstäblich um die halbe Welt gereist. Wo hat es Ihnen am besten und wo am wenigsten gefallen?
AA: Das ist eine Frage, auf die ich kine einigermaßen kluge Antwort parat habe. Denn die Parameter „am besten“ und am wenigstens“ funktionieren bei mir nicht. Lieber teile ich in „intensiv“ und in „fad“ ein. Intensiv heißt: Ich habe Geschichten gefunden und Frauen und Männer und Situationen erlebt, die den Adrenalinspiegel in die Höhe trieben, die mir das unbezahlbare Gefühl vermittelten, am Leben zu sein. Was ich anschließend – ähnlich wichtig – als Schreiber verwerten kann. Ich bin nicht als holy Andrew unterwegs, sondern rastlos auf der Suche nach Stoff, der „bemerkenswert“, sprich, aufregend genug ist, um ihn zu veröffentlichen. Dabei spielt überhaupt keine Rolle, ob ich während der Reise schlecht geschlafen habe, ob es kalt war und regnete, ob mein Rücken mich schindete – wie unerheblich.
Ich werde folglich zweifach belohnt: Ich hörte mein Herz schlagen und kassiere hinterher noch bunte Scheine.
PS: Ein Land mit einem Solarium zu verwechseln, um dort drei Wochen lang in der Sonne zu schmoren, halte ich für Hautkrebs fördernd und unaussprechlich fad.
9// Welche Eigenschaften benötigt man als Reise-Reporter?
AA: Lassen wir doch bitte das Wort „Reise“ weg. Die Eigenschaften, von denen ich glaube, sie wären unverzichtbar, können für jeden gelten, der publizieren will.
Disziplin
+
Empathie
+
Chuzpe
+
Neugier
+
Charme
+
Ironie
+
Selbstironie
+
Beharrlichkeit
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Widerspruchsgeist
+
„Social skills“ nennen die Engländer das: nicht als Mauerblümchen im Eck schmollen, sondern zugehen können auf andere, Nähe herstellen.
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Und vor dem Schreiben unbedingt wieder den von Hemingway propagierten „shit detector“ einschalten: Wie mit einem Geigerzähler über den eigenen Text schleichen und das Piepsen hören: Hier liegt eine Wortmine! Hier klingt es eitel, blechern, hohl, hier ein kalorienarmes Wort, da ein abwaschbares, dort nur heiße Luft und Geschnatter, weiter hinten würgt ein Schachtelsatz den nächsten.
Wer sich das traut, der wächst. So wären starke Nerven ebenfalls empfehlenswert für den Mensch, der sich mit einer überaus launischen, überaus fordernden Geliebten einlässt – unserer Sprache.
10/ was haben Sie auf Ihren Reisen gelernt? Und wenn, wodurch?
AA: Jahr um Jahr war ich unterwegs, um anderen bei ihrem Leben zuzuschauen. Alles „Objekte“, von denen ich etwas zu lernen versuchte. Tun sie, was imponiert, dann versuche ich, es ihnen gleichzutun. Was oft aussichtslos ist. Tun sie, was mich abstößt, bestärkt es mich in meinem Vorsatz, es zu vermeiden. Viele wollen rich and famous werden, ich wäre am liebsten smart and gentle. Wobei ich mich nie gegen reich und berühmt sein wehren würde.
Unmöglich, das Ergebnis dieser Lehrstunden eindeutig festzulegen. Da vieles sich unbewusst oder halbbewusst überträgt. Und die Folgen oft erst lange Zeit später sichtbar werden. Und ich dann vielleicht, wenn ich Glück habe, noch weiß, wem ich was verdanke.
11/ Was würden Sie einem Berufsanfänger raten?
AA: Es sich genau zu überlegen, da die Liebe zur Sprache und die Freude am Denken eher schwinden. Die sogenannten „sozialen“ Medien führen es uns vor, wohin die Reise geht: Richtung Gebrüll, Fake News, Hetze, Rohheit, Gewalt, kriminelle Pornografie, nackter Idiotismus – transportiert von Plattformen, die hingegeben daran arbeiten, das menschliche Hirn lahmzulegen. Okay, Youtube ist anders, ach, wie liebe ich diese rührigen Frauen und Männern, die mir mit Engelszungen zahllosen Dinge erklären, von denen ich keinen Schimmer habe.
12/ Sind die Journalistenschulen ein Weg, der Zugang zum Beruf eines Reporters ermöglicht?
AA: Ich wurde im Laufe der Zeit an die drei großen Schulen – München, Hamburg, Berlin – eingeladen. Um ein paar Tage lang über Sprache zu plaudern. Doch radikal ehrlich: Niemand kann es lernen und niemand kann es lehren – das Schreiben. Man hat die Gabe oder man hat sie nicht. Das zuständige Talent ist so ungerecht verteilt wie grüne Augen, wie ein rasant funktionierendes Hirn, wie noch schöner singen können als Enrico Caruso. Aber „creative writing“ kann jene anspornen, die ihre Begabung mitbringen – wie einen rohen Edelstein. Damit er geschliffen wird. Damit die Frau / der Mann kapieren, dass das „Rohmaterial“ nicht reicht. Dass ein impertinenter Fleiß hermuss. Eben das wunderliche Verlangen, Worte und Wörter so hintereinander aufzustellen, dass sie glitzern, ach, jeden mit Glanz und Ergriffenheit erfüllen, der sie liest.
13/ Was für ein Buch (siehe Buchtipp) kommt als nächstes?
AA: Herrlich leichte Frage, danke. Anfang September 2026 erscheint bei Piper: „Andreas Altmanns Gebrauchsanweisung für Männer“. Siehe Cover. Wer das Buch versäumt, den bestraft das Leben, haha.
14/ was liegt Ihnen am Herzen?
AA: Dass wir ein wenig höflicher, geduldiger, großzügiger, verkicherter und leichtsinniger (mit leichteren Sinnen) miteinander umgehen. Wir weniger wichtigutuerisch und ich-versessen unsere kostbare Lebenszeit vertun. Wir die Gier nach HABEN eindampfen und uns öfters daran erinnern, dass das SEIN, das Am-Leben-Sein, ein unfassbares Geschenk ist.
15/ Ohne Geheimnisse zu verraten: Woran arbeiten Sie gerade?
AA: Versprochen, ich verrate keins. Denn ich mache es wie mein stadtbekannter Kollege Goethe: Über ungelegte Eier wird nicht geredet! Warum der Herr Geheimrat sich bedeckt hielt, ist mir nicht bekannt. Warum ich lieber den Mund halte, hat einen erschreckend trivialen Grund. Man könnte nun denken, uff, der AA plustert sich auf, eine alles enthüllende Reportage steht auf dem Programm.
Mitnichten. Ich bin still, weil ich immer von der Angst gejagt werde, dass ich das Projekt nicht schaffe, ich also irgendwann kreuz und quer telefonieren muss, um meine Bauchlandung zu erklären, um Ausreden zu erfinden und um Nachsicht betteln muss für meine einst vorlauten Sprüche.
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Hier der neue Podcast mit dem ganz und gar unvergleichlichen Kristian Thees.
Titel
Les Marolles – Stadtteil aller Gegensätze (Brüssel)
Link
https://open.spotify.com/show/2f1GsC7wsyW4uYyHcoU3hw
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In diesem Sinne, danke, herzlich, Andreas.
